6. April 2018

IT-Mittelstand zählt 31.000 neue Beschäftigte

Ein neuer Mittelstandsbericht von Bitkom zeigt, dass der deutsche IT-Mittelstand jetzt mehr als 445.000 Mitarbeiter beschäftigt, ein Plus von über 31.000 im Vergleich zum Vorjahr. Ein Problem bleibt der anhaltende Fachkräftemangel.

Der deutsche IT-Mittelstand wächst stabil und schafft viele neue Jobs, ist der Grundtenor eines neuen Mittelstandberichts des Branchenverbands Bitkom. Demnach konnten die mittelständischen IT-Unternehmen ihre Umsätze im Vorjahresvergleich um 9 Prozent steigern und 31.422 neue Arbeitsplätze schaffen. Somit ist die Zahl der Beschäftigten im IT-Mittelstand um knapp 7,6 Prozent auf 44.155 gestiegen, liegt der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Branche nun bei 55,7 Prozent.

Über 35 Prozent des Branchenumsatzes

Gleichzeitig erwirtschaften die 9.852 mittelständischen IT-Unternehmen (plus 4 Prozent) mit 10 bis 499 Mitarbeitern nunmehr 35,4 Prozent des IT-Branchenumsatzes. „Insbesondere mittelständische Unternehmen sind es, die mit großer Agilität und Dynamik die Konjunktur antreiben, neue Arbeitsplätze schaffen und den Standort Deutschland stärken“, kommentiert Bitkom-Präsidiumsmitglied Dirk Röhrborn die Ergebnisse der Anfang März 2018 vorgelegten neuen IT-Mittelstandsstudie.

85 Prozent der befragten Unternehmen rechnen damit, dass ihre Umsätze im ersten Halbjahr 2018 weiter steigen werden, 13 Prozent rechnen mit gleichbleibenden, 3 Prozent mit fallenden Umsätzen. 63 Prozent der Unternehmen erzielen auch Exportumsätze, was zeigt, wie wichtig die Internationalisierung im deutschen IT-Mittelstand geworden ist.

Usability & User Experience bindet Fachkräfte

Der Report weist aber auch darauf hin, wie wichtig die Usability & User Experience (UUX), sprich Gebrauchstauglichkeit und das Nutzererlebnis oder die Nutzerfreundlichkeit von Software ist, um die Digitale Transformation voranzutreiben. Verfahren und Methoden für eine gelungene UUX können dem Bericht zufolge mit agilen Entwicklungsmethoden, aber auch mit klassischen Vorgehensmodellen kombiniert werden, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Investitionen in UUX und der damit verbundene Aufwand würden sich schnell auszahlen.

Daran knüpft wiederum der viel beklagte Fachkräftemangel, der durch ein gutes UUX in vielen Regionen gelindert werden kann. Ende 2017 hat Bitkom von 55.000 offenen Stellen für IT-Spezialisten berichtet. Allein im IT-Mittelstand sind dem Branchenverband zufolge rund 14.500 Stellen nicht besetzt. „Für Mittelständler ist es besonders schwierig, das Rennen um die klügsten und besten Köpfe zu gewinnen“, so Röhrborn bei Vorlage des neuen Berichts.

Existenzgründer gehen aus

Ein großes Problem ist für viele Unternehmen auch, dass ihnen die Gründer oder Chefs ausgehen. Bis 2019 stehen laut Bitkom insgesamt etwa 240.000 Unternehmensnachfolgen an, viele davon in der IT-Branche. Als Lösung für diese Probleme sieht der Branchenverband, dass die digitale Kompetenz und der Gründergeist schon in der Schule gefördert werden.

Zum Weltfrauentag am 8. März 2018 musste der Verband zudem wieder feststellen, dass weibliche Beschäftigte in mittelständischen IT-Unternehmen mit 26 Prozent immer noch unterrepräsentiert sind.

Flexibilität in der Arbeitswelt: Druck steigt

Ein auch im Mittelstand mehr und mehr beachtetes Thema ist die Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt. 82 Prozent der von Bitkom befragten mittelständischen IT-Unternehmen gaben an, dass die Mitarbeiter sich eine flexible Arbeitsgestaltung wünschen, in Form von Homeoffices oder Sabbaticals etwa.

„Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und andere Angebote können gerade in modernen IT-Projekten die Effizienz steigern und gleichzeitig zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beitragen. Richtig umgesetzt also eine Win-Win-Situation“, erklärt Elske Ludewig, Principal UX-Consultant & Managing Partner von der eresult GmbH. Bitkom kritisiert allerdings, dass die vorgeschriebene elfstündige Ruhepause mit den Tagesabläufen vieler Homeworker kollidiere und fordert eine Modernisierung der Arbeitswelt. Sinnvoll sei auch eine Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.

Weitere Bitkom-Forderungen

Weiter fordert Bitkom für den Mittelstand, dass Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern bei der digitalen Betriebsprüfung entlastet werden und bei der Vergabe öffentlicher Aufträge mehr Chancengleichheit bekommen. Damit der IT-Mittelstand in ländlichen Regionen auch in Zukunft weiter wettbewerbsfähig ist, sollte die Bundesregierung zudem die Rahmenbedingungen für den nötigen Breitbandausbau schaffen. Bis 2025 müsse Gigabit-Internet flächendeckend in Deutschland zur Verfügung stehen.

 

Quelle Titelbild: iStock/gorodenkoff

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