4. Januar 2019

Cloud Computing: Das sind die Trends 2019

Der Cloud-Markt wird dieses Jahr starke Fortschritte machen. Nach langem Zögern setzen deutsche Unternehmen mittlerweile in großem Umfang auf die Public Cloud. Trendthemen sind Multi-Cloud, Cloud-Hosting, Blockchain, Edge Computing, Robotic Process Automation (RPA), Managed Services und Künstliche Intelligenz (KI).

Cloud-Computing wird in Deutschland immer populärer. Zwei von drei deutschen Unternehmen nutzen Cloud Computing und die Datensicherheit in der Public Cloud wird zunehmend positiv bewertet, so das Ergebnis der Studie „Cloud Monitor 2018“ von Bitkom und KPMG. Drei von zehn Unternehmen (29 Prozent) nutzen eine Cloud-Lösung, die in ein zertifiziertes Rechenzentrum ausgelagert ist. Weitere zehn Prozent planen dies, 28 Prozent diskutieren darüber, so der Digital Office Index 2018 Digitalverbands Bitkom.

Demnach ist das sogenannte Cloud-Hosting lediglich in weniger als drei von zehn deutschen Unternehmen (28 Prozent) überhaupt kein Thema. „Der Trend, IT-Infrastruktur wie Cloud-Lösungen in die Hand professioneller Dienstleister zu legen, hält an. Das zeugt vom zunehmenden Vertrauen der Unternehmen in Cloud Provider “, sagt Jürgen Biffar, Vorstandsvorsitzender des Kompetenzbereichs ECM im Bitkom. „Die Vorteile liegen für die Unternehmen oft auf der Hand: Sie können IT-Kosten senken und zugleich die Sicherheit erhöhen, da die Cloud – öffentlich wie privat – bei professionellen Dienstleistern meist wesentlich besser geschützt ist als bei internen IT-Lösungen.“

Bei der Hybrid Cloud handelt es sich um eine Mischform der beiden Cloud-Konzepte Private Cloud und Public Cloud. (Bildquelle: iStock/ Jirsak)

Bei der Hybrid Cloud handelt es sich um eine Mischform der beiden Cloud-Konzepte Private Cloud und Public Cloud. (Bildquelle: iStock/ Jirsak)

 

Hybride und Multi-Cloud im Kommen

„2019 wird das Jahr der Multi- und Hybriden Cloud“, ist sich Arun C. Murthy, Co-Founder und Chief Product Officer bei Hortonworks sicher. Die Hybride Cloud erlaubt es, Daten und Anwendungen von lokalem Speicher in eine oder mehrere Public Clouds zu kopieren oder transferieren, zum Beispiel Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure oder Google Cloud Platform (GCP). Eine hybride Cloud heißt, dass Daten flexibel vom eigenen Rechenzentrum in die Public Cloud und zurück verschoben werden können.

Die hybride Cloud ist das Standardmodell, mit dem die meisten Unternehmen in nächster Zeit operieren werden, denn es reduziert die Abhängigkeit von einem großen Public Cloud-Anbieter und verhindert, dass Anwender in Kostenfallen laufen, wenn sich ein vermeintlich günstiges Angebot nach einiger Zeit als sehr teuer erweist. 

Multi-Cloud geht noch einen Schritt weiter und führt Anwendungen als Teil des Designs über mehrere Clouds hinweg, was auch bedeuten kann, dass der Anwender nichts am lokalen Standort betreibt. Der größte Vorteil von Multi-Cloud liegt in der  Kosteneffizienz. Das gilt vor allem dann, wenn die Ansprüche von Anwendungen wachsen, sodass Daten in mehreren Public-Cloud-Umgebungen schnell verfügbar sein müssen.

Die Clouds mehrerer Anbieter von großen Public Clouds gleichzeitig zu nutzen, erlaubt es den Nutzern, sich Rosinen herauszupicken und das jeweilig günstigste Angebot zu nutzen. Auch die Ausfallsicherheit wird erhöht, denn es ist schon öfter vorgekommen, dass ein Public Cloud Anbieter in bestimmten Regionen Probleme hatte, aber es ist unwahrscheinlich, dass es alle Anbieter gleichzeitig betrifft.

Der Hauptnachteil liegt darin, dass die Giganten der Public Cloud keinerlei Interesse daran haben, dass ihre Kunden zur Konkurrenz wechseln und deshalb Hürden aufbauen. Außerdem haben Daten Gewicht und der Transfer von großen Datenmengen kann erhebliche Zeit in Anspruch nehmen.

Um die Herausforderungen der Hybriden und Multi-Cloud in den Griff zu bekommen, sollten Unternehmen sich an einen kompetenten Managed Services Provider (MSP) wenden, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Edge Computing nimmt Fahrt auf

Die Analysten von Gartner gehen davon aus, dass Edge Computing bestimmender werden wird. Prozesse rücken näher an den Erzeugungspunkt. Sensoren, Storage, Compute und Künstliche Intelligenz werden in Edge Devices integriert. Der Netz-Traffic wird lokal gehalten, um Latenzen zu reduzieren. Mike Hansen, Sales Development Lead Telco bei Red Hat, urteilt: „Hybrid Edge Computing – das neue Paradigma in 2019. Heute sprechen wir von Hybrid Computing, einer Kombination aus Privat- und Hybrid-Cloud-Infrastruktur über ein Wide Area Network (WAN), das oft von einem Cloud Service Provider (CSP) bereitgestellt wird. 2019 wird mit Hybrid Edge Computing ein neues Paradigma entstehen. Hybrid Edge Computing wird dem hybriden Cloud-Modell eine dritte Art von Cloud hinzufügen – die Cloud-Infrastruktur am Edge des CSP-Netzwerks. Das hybride Edge-Computing-Modell wird notwendig, um „intelligente“ Anwendungen zu unterstützen, die Daten nutzen, die über ein 5G-Netzwerk gesammelt werden.“

Roboter im Anmarsch

Mit dem Einsatz von Software-Robotern können Unternehmen ihre Prozesse entscheidend vereinfachen. „Robotic Process Automation (RPA) Software bietet enorme Chancen. Sie ermöglicht Kunden die Integration aller Daten aus alten Legacy- und neuen Systemen und damit die Prozessautomation, ohne auf der grünen Wiese starten zu müssen,” prophezeit Steve Brazier, CEO des Marktforschungsunternehmens Canalys.

RPA automatisiert wiederholende Tätigkeiten und eignet sich beispielsweise zum Abgleich von Finanzkonten oder Änderungen von Rechnungen. Generell ist RPA kostengünstig und schnell zu implementieren. Über eine zentrale, durchgängige Plattform kann die Technologie im gesamten Unternehmen implementiert werden. So lassen sich Aufgaben effizienter automatisieren, Prozesse straffen und die Mitarbeiterproduktivität erhöhen. Im Moment wird der RPA-Markt noch von kleinen Nischenanbietern dominiert, die wohl bald von den Großen aufgekauft oder Allianzen mit diesen schließen werden.

Blockchain sichert Transaktionen

Die Blockchain ist über den ursprünglichen Einsatzbereich bei Kryptowährungen wie Bitcoin hinausgewachsen und hat sich als Paradigma für die ganze IT etabliert.

Blockchain bietet einen neuen, dezentralen Ansatz zur Verwaltung und Speicherung von Daten aus einem Rechenzentrum oder über die Cloud. Anstatt Daten in ihren eigenen Rechenzentren zu speichern, wie es bei zentralen Cloud-Speicherplattformen der Fall ist, arbeiten dezentrale Cloud-Speicherplattformen mit so genannten Farmern zusammen, die ihre überschüssige Festplattenkapazität im Austausch für eine Art Kryptowährung oder Token mieten.

Transparenz, Zugänglichkeit und die Ausfallsicherheit von Daten gehören zu den Hauptvorteilen der Blockchain-Speicherung. Einer der größten Nachteile der Blockchain-Datenspeicherung besteht darin, dass die Daten dezentral gespeichert werden. Da Daten konsolidiert werden müssen, um die Zugriffe zu gewährleisten, müssen die Chunks der Blockchain von verschiedenen Knotenpunkten abgerufen werden, ein Prozess, der das Netzwerk und seine Betreiber operativ belastet

„Es gibt eine Vielzahl von oft revolutionären Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain. Weltweit arbeiten Unternehmen an Blockchain-Projekten, alltagstaugliche Lösungen sind aber noch Mangelware“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Jedes Unternehmen ist gut beraten, bereits heute die Möglichkeiten für das eigene Geschäft auszuloten und auf dieser Basis neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Blockchain ermöglicht Anwendungen, die bislang nicht denkbar oder sehr teuer und fehleranfällig waren. Jedes Unternehmen sollte jetzt prüfen, wo es selbst neue Geschäftsmodelle entwickeln kann – oder wo bestehende eigene künftig obsolet werden könnten.“

In der Praxis deutscher Unternehmen spielt Blockchain bisher nur eine geringe Rolle. Laut Bitkom sind Startups bisher die Schrittmacher auf diesem Weg. Dennoch sagt jedes zweite Unternehmen (53 Prozent) in der Umfrage des Bitkom, dass die Blockchain große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen hat. Unter den Startups teilen sogar fast zwei Drittel (63 Prozent) diese Einschätzung.

(Bildquelle: Marketoonist.com)

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Künstliche Intelligenz – Reifegrad umstritten

Sicher wird Künstliche Intelligenz auch eines der Trendthemen 2019. Die Urteile über die Leistungsfähigkeit gehen aber weit auseinander. „AIOps, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im IT-Betrieb, wird im nächsten Jahr weiter an Fahrt aufnehmen – und nachweisbar mehr IT-Operations-Teams dazu bewegen, Analytics at scale einzusetzen. Die Technologie wird in signifikantem Maße reifen. Bestehende, aber auch neue Akteure werden den Markt aufmischen“, meint Lee James, CTO EMEA beim Cloud Service Provider Rackspace.

Dagegen glaubt Arun C. Murthy, Co-Founder und Chief Product Officer bei Hortonworks, Künstliche Intelligenz stecke noch in den Kinderschuhen: „Wenn auf einer Skala von 1 bis 10 eine 10 für eine bereits ausgereifte Künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise ausgereiftes Machine Learning (ML) in Unternehmen steht, werden wir 2019 erst am Anfang dieser Skala angelangt sein. Insbesondere die Fähigkeiten der Mitarbeiter und die Prozesse im Unternehmen müssen weiterentwickelt werden. Im gleichen Atemzug muss der Nutzwert von KI greifbarer werden, damit sich die Benutzer auf die Geschäftsergebnisse und nicht auf komplexe technische Details konzentrieren können. Und da Datenintegrität die Grundlage für erfolgreiche ML-/KI-Anwendungen ist, müssen Unternehmen ein höheres Maß an Governance und Kontrolle hinsichtlich ihrer Daten implementieren. Auch die Anbieter werden sich dem anpassen, indem sie zunehmend auf Produkte setzen, die KI/ML beinhalten, um eine schnelle Steigerung der Wertschöpfung zu erzielen.“

Quelle Titelbild: iStock/ Lisa-Blue