14. Oktober 2019

Es fehlt an SAP Beratern – was nun?

Tausende Unternehmen wollen auf SAP-S/4Hana umrüsten. Dem steht jedoch etwas im Weg: Es gibt schlichtweg nicht genug Berater, die eine solche Umrüstung stemmen können. Drei Strategien sollen helfen.

Es könnte eigentlich alles ein Grund zur Freude für SAP und SAP-Beratungsunternehmen sein. An Aufträgen wird es SAP in den nächsten Jahren schließlich nicht mangeln. In Folge des auslaufenden Supports für alte Systeme wird es zu wellenartigen Umstiegen auf S/4HANA kommen. Dem Umstieg gehen weitreichende Entscheidungen von IT-Abteilungen voraus. Verständlicherweise will dabei keiner Fehler machen, mit denen die Unternehmen dann viele Jahre leben müssten. Damit dies gelingt braucht es gut geschulte SAP-Berater. Und genau hier liegt das Problem. Es fehlt an SAP-Beratern, die einen Migration auf S/4HANA betreuen und durchführen können.

Was sagt die SAP-Beraterbranche?

Für Rainer Wittwen, Consulting Director und Mitglied der Geschäftführung des SAP-Beratungsunternehmen „cbs Corporate Business Solutions“ ist die Situation klar. Gehe es so weiter laufe die gesamte Branche in echte „Engpässe hinein“. Erschwerend hinzu kommt, dass Unternehmen vielerorts eine Komplettumstellung anstreben, auch wenn das laut Wittwen oft sowohl teurer als auch zeitaufwendiger sei als bestimmte Bereiche des R-3 Systems weiterbestehen zu lassen. Für Wittwen gibt es drei Strategien, um die Herausforderungen der nächsten Jahre zu stemmen.

An einem Strang ziehen

Die vier größten SAP Beratungshäuser cbs, Datavard und SNP werden in den nächsten Jahren so viel zu tun haben, dass Konkurrenzdenken eine untergeordnete Rolle spielen wird. Folglich soll die Kooperation ausgebaut werden, um der Fülle an Projekten gerecht zu werden. Die Unternehmen haben sich dafür bereits zusammengetan und ein standardisiertes Vorgehen bei den anstehenden Migrationsprozessen entwickelt.

Ausbildungsoffensive

Die Auftragszahlen gehen hoch und trotzdem ist die Zahl der SAP-Berater sogar rückläufig. Schuld daran ist laut Wittwen einerseits, dass viele Absolventen vermehrt in andere IT-Bereiche abwandern und andererseits viele SAP-Berater von der Industrie abgeworben wurden. Helfen sollen Trainee-Programme. Doch so schnell wie sich der ein oder andere das wohl wünscht geht die Ausbildung zum SAP-Berater nicht. Je nach Vorbildung veranschlagt cbs ein bis zwei Jahre bis junge Berater eigenständig in globalen Projekten tätig werden können.

Smart Ansatz

cbs setzt bei bei seiner Migrationsstrategie zudem auf den sogenannten „Smart-Ansatz“. Der basiert auf der Philosophie des Pareto-Ansatzes. Die Grundidee lautet: Mit 20 Prozent des Einsatzes lässt sich häufig 80 Prozent des Nutzens abdecken. Je mehr darüber hinausgegangen wird, deso weniger lohnt sich der investierte Aufwand. Für Perfektionisten dürfte dies zunächst nach einer Drohung klingen. Erschwerend hinzu komme laut Wittwen, dass erst eine Handvoll an Unternehmen entsprechende Datentransfer-Werkzeuge haben, um eine Selective Data Transition zu ermöglichen.

Quelle Titelbild: iStock / peoplemages