4 April 2026

7 Min. Lesezeit

Die QNAP TS-464 kombiniert vier Laufwerksschächte mit Docker-Support, einem HDMI-2.0-Ausgang und einem PCIe-Erweiterungsslot in einem Gerät ab 649 Euro. Zwei native 2.5-GbE-Ports liefern, was vergleichbare Synology-Modelle bis heute schuldig bleiben. Für Homelab-Betreiber und Edge-Szenarien, die mehr wollen als reinen Dateispeicher, ist die TS-464 die hardwareseitig flexibelste Option in der 4-Bay-Klasse.

Das Wichtigste in Kürze

  • Intel Celeron N5095/N5105 (4 Kerne, 4 Threads, bis 2,9 GHz) mit AES-NI-Hardwareverschlüsselung. TDP liegt bei 10 bis 15 Watt (QNAP).
  • Zwei M.2-2280-NVMe-Slots (PCIe Gen 3 x1) für SSD-Cache oder eigenständige Storage-Pools. Ein PCIe-Gen-3-x2-Slot für 10GbE-Karten oder QM2-Erweiterungen.
  • HDMI 2.0 mit 4K-Ausgabe – ein Feature, das in der gesamten aktuellen Synology-Plus-Serie fehlt und die TS-464 als Kiosk-Display oder lokalen Media-Server einsetzbar macht.
  • Container Station unterstützt Docker, Docker Compose, LXD und Kata Containers. Für 10 bis 15 leichte Container gleichzeitig ausgelegt (StorageReview, 2024).
  • Idle-Verbrauch ohne Laufwerke: 11,3 Watt. Mit vier HDDs unter Last: rund 40 Watt (StorageReview, QNAP Datenblatt).

Hardware: Was unter der Haube steckt

QNAP verbaut in der TS-464 einen Intel Celeron N5095 oder N5105 – je nach Produktionscharge. Beide Chips gehören zur Jasper-Lake-Familie, bieten vier Kerne mit vier Threads und takten im Burst bis 2,9 GHz. Der Unterschied zwischen den beiden Steppings ist in der Praxis irrelevant: gleiche Architektur, gleiche TDP, gleiche Leistungsklasse. Beide unterstützen AES-NI für hardwarebeschleunigte Verschlüsselung und Intel VT-x für Virtualisierung auf Prozessorebene.

Beim Arbeitsspeicher bietet QNAP zwei Varianten: 4 GB (TS-464-4G) und 8 GB (TS-464-8G), jeweils DDR4 in SO-DIMM-Bauform. Zwei Steckplätze erlauben eine Erweiterung auf maximal 16 GB. Wer Container Station ernsthaft nutzen will, sollte mindestens 8 GB einplanen. Die 4-GB-Variante reicht für reines File-Serving, stößt aber bei mehr als fünf Containern an ihre Grenzen.

Die vier 3,5-Zoll-SATA-Schächte nehmen auch 2,5-Zoll-Laufwerke auf. Zwei M.2-2280-NVMe-Slots dienen als SSD-Cache oder eigenständiger Storage-Pool. Hier gibt es eine Einschränkung, die QNAP nicht prominent kommuniziert: Die M.2-Slots sind nur mit PCIe Gen 3 x1 angebunden – das limitiert den sequenziellen Durchsatz auf rund 1.000 MB/s pro Slot. Für SSD-Caching ist das ausreichend, für einen dedizierten NVMe-Pool als primären Docker-Volume-Speicher aber ein Flaschenhals.

Der PCIe-Gen-3-x2-Slot auf der Rückseite ist die eigentliche Erweiterungsoption. Er nimmt Low-Profile-Karten auf – 10GbE-NICs, QM2-Kombi-Karten (die zusätzliche M.2-Slots und Netzwerk in einem Modul bieten) oder USB-3.2-Erweiterungen. Damit lässt sich die TS-464 je nach Anforderung nachrüsten, ohne ein neues Gerät kaufen zu müssen. Das ist eine Flexibilität, die Synologys DS423+ schlicht nicht bietet.

HDMI 2.0: Was Synology nicht liefert

Der HDMI-2.0-Ausgang mit 4K-Unterstützung ist das Feature, das die TS-464 am deutlichsten von der Synology-Konkurrenz abhebt. Kein aktuelles Synology-Plus-Modell bietet einen HDMI-Port. Bei QNAP ist er Standard.

Drei konkrete Einsatzszenarien machen den HDMI-Ausgang relevant: Erstens, lokales Media-Playback via Plex, Jellyfin oder der QNAP-eigenen HD Station direkt auf einem angeschlossenen TV oder Monitor – ohne separaten Client. Zweitens, Kiosk-Anwendungen in Unternehmen: Ein Dashboard, ein Monitoring-Display oder ein Digital-Signage-Screen, der direkt vom NAS versorgt wird. Drittens, lokale Verwaltung: QTS lässt sich über den HDMI-Ausgang als lokalen Desktop nutzen, inklusive Browser und Terminal.

„HDMI an einem NAS klingt nach Nische – bis man den ersten Kiosk-Screen oder das erste Monitoring-Dashboard direkt anschließt. Kein Raspberry Pi als Zwischenglied, kein HDMI-Stick, keine zweite Stromversorgung. Das NAS wird zum Display-Server.“
– cloudmagazin Redaktionsbewertung

Für Platform-Engineering-Teams, die Edge-Standorte betreuen, eliminiert der HDMI-Ausgang eine Hardware-Komponente: Der lokale Display-Client entfällt. Das reduziert Kosten, Wartungsaufwand und potenzielle Fehlerquellen.

Container Station: Docker ohne VM-Overhead

QNAPs Container Station in QTS 5.x unterstützt Docker, Docker Compose, LXD und Kata Containers. Die Integration ist tiefer als bei Synologys Container Manager: QNAP erlaubt direkten Zugriff auf die Docker-CLI via SSH, unterstützt Docker-Netzwerke (Bridge, Host, MACVLAN) und bietet eine grafische Oberfläche für Image-Management und Container-Konfiguration.

In der Praxis berichten StorageReview und die QNAP-Community von stabilem Betrieb mit 10 bis 15 leichten Containern gleichzeitig auf der 8-GB-Variante. Ein typisches Homelab-Setup mit Traefik als Reverse Proxy, Grafana für Monitoring, Pi-hole für DNS-Filterung und einem lokalen Git-Server läuft ohne Probleme. Für rechenintensive Workloads wie lokale KI-Inference ist der Celeron N5095 nicht ausgelegt – hier empfiehlt sich ein dedizierter Mini-Server.

Ein wichtiger Unterschied zu Synology: QNAP erlaubt Container-Volumes direkt auf dem Btrfs- oder ext4-Dateisystem. Die Kombination aus NVMe-Cache (über die M.2-Slots) und SATA-Bulk-Storage lässt sich granular konfigurieren – Container-Daten auf schnellem Flash, Archivdaten auf den HDDs. Wer Docker Compose für Microservice-Stacks nutzt, kann über die Compose-Datei direkt Volume-Mounts auf spezifische Storage-Pools legen.

QuTS hero (QNAPs ZFS-basiertes Betriebssystem) ist ab QTS 5.2.1 als alternative Firmware verfügbar. Das bringt ZFS-Features wie Inline-Deduplizierung, Kompression und erweiterte Snapshot-Verwaltung. Der Wechsel von QTS zu QuTS hero erfordert allerdings eine Neuformatierung der Volumes – eine Migration im laufenden Betrieb ist nicht möglich.

Was die TS-464 nicht bietet: Virtualization Station (QNAPs KVM-basierte VM-Lösung) wird offiziell nicht für die TS-x64-Serie unterstützt. Die unterstützten Serien sind TS-x51, TS-x70 und TS-x79. Wer vollwertige VMs braucht, muss auf ein höheres Modell oder eine andere Lösung ausweichen. Für die meisten Container-Workloads ist das kein Nachteil – Docker deckt den Bedarf ab.

Netzwerk: 2.5GbE nativ, 10GbE als Option

Zwei 2.5-GbE-RJ45-Ports sind bei der TS-464 Standard. Mit Link Aggregation (Port Trunking) ergibt das einen theoretischen Durchsatz von 5 Gbit/s – genug, um die sequenzielle Performance von vier SATA-HDDs im RAID 5 auszureizen. StorageReview misst im RAID-5-Setup rund 370 MB/s sequenziell lesend und 280 MB/s schreibend über einen einzelnen 2.5GbE-Link – Werte, die die physische Grenze von 2,5 Gbit/s ausreizen.

Zum Vergleich: Synologys DS423+ und DS923+ kommen in der Basiskonfiguration mit 1-GbE-Ports. Für 2.5GbE oder mehr braucht man bei Synology entweder das neuere DS1525+ oder eine separate Netzwerkkarte im PCIe-Slot. Bei der TS-464 ist 2.5GbE ab Werk an Bord. Der PCIe-Slot bleibt frei für 10GbE oder andere Erweiterungen.

11 W
Idle ohne Laufwerke

2x 2.5G
Nativ (Link Aggregation möglich)

ab 649 EUR
8 GB Variante (Geizhals.de)

Der PCIe-Gen-3-x2-Slot ermöglicht eine Erweiterung auf 10GbE via QNAPs QXG-10G1T oder kompatible Karten von Drittanbietern. Alternativ lässt sich der Slot für eine QM2-Karte nutzen, die zusätzliche M.2-Slots und 10GbE in einem Modul kombiniert. Wer die TS-464 als zentralen Storage-Node in einem Homelab-Cluster betreibt, kann damit die Netzwerkanbindung an 10-GbE-fähige Switches oder Mini-Server wie den Minisforum MS-01 sicherstellen.

QNAP TS-464 vs. Synology: Der ehrliche Vergleich

Die Kernfrage bei jedem NAS-Kauf in der 4-Bay-Klasse: QNAP oder Synology? Beide haben ihre Stärken. Die Entscheidung hängt davon ab, was Priorität hat.

Kriterium QNAP TS-464 Synology DS423+ Synology DS923+
CPU Celeron N5095 (4C/4T) Celeron J4125 (4C/4T) Ryzen R1600 (2C/4T)
RAM (max) 16 GB DDR4 8 GB DDR4 32 GB DDR4 ECC
Netzwerk 2x 2.5GbE 2x 1GbE 2x 1GbE
PCIe-Slot 1x Gen 3 x2 Nein 1x Gen 3 x2
HDMI 2.0 (4K) Nein Nein
Docker Container Station Container Manager Container Manager
Preis (ca.) 649 EUR (8 GB) 520 EUR (2 GB) 620 EUR (4 GB)

QNAP gewinnt bei der Hardware-Ausstattung: schnelleres Netzwerk ab Werk, HDMI-Ausgang, flexiblere Erweiterung. Synology gewinnt bei Software-Stabilität und Ökosystem: DSM gilt als ausgereifter als QTS, die Synology-Apps (Hyper Backup, Surveillance Station, Active Backup) sind besser integriert. Das Update-Verhalten ist vorhersagbarer. Wer ein NAS will, das einfach funktioniert und selten Aufmerksamkeit braucht, fährt mit Synology besser. Wer mehr Hardware-Flexibilität braucht und bereit ist, gelegentlich manuell nachzujustieren, bekommt bei QNAP mehr für sein Geld.

Preiseinordnung

Die TS-464-8G kostet aktuell rund 649 Euro ohne Laufwerke (Geizhals.de, Stand April 2026). Vier 8-TB-HDDs (Seagate IronWolf, je rund 180 Euro) bringen die Gesamtkosten auf etwa 1.369 Euro für ein Setup mit 24 TB Netto-Kapazität im RAID 5. Die 10GbE-Erweiterungskarte QXG-10G1T kostet zusätzlich rund 100 Euro, eine RAM-Erweiterung auf 16 GB etwa 40 Euro.

Im Vergleich zu Cloud-Storage: 24 TB auf AWS S3 Standard kosten rund 555 US-Dollar pro Monat. Die TS-464 amortisiert sich bei lokalem Zugriff in weniger als drei Monaten. Für Teams, die einen lokalen Docker-Host mit persistentem Storage kombinieren wollen, ist das eine kosteneffiziente Alternative zu separaten Compute- und Storage-Geräten.

Für wen sich die TS-464 lohnt – und für wen nicht

Dafür spricht

  • 2x 2.5GbE nativ – kein Aufpreis wie bei Synology
  • HDMI 2.0 für Kiosk, Media oder lokale Verwaltung
  • PCIe-Slot für 10GbE oder QM2-Erweiterung
  • Container Station mit Docker-CLI-Zugriff via SSH
  • Offeneres Ökosystem als Synology DSM

Dagegen spricht

  • M.2-Slots nur PCIe Gen 3 x1 – limitiert NVMe-Performance
  • Virtualization Station offiziell nicht unterstützt (keine VMs)
  • QTS weniger poliert als Synology DSM
  • Kein ECC-RAM – für ZFS-Puristen ein Ausschlussgrund
  • Laufwerksgeräusche dominieren – keine akustische Dämmung

Fazit

Die QNAP TS-464 ist das NAS für Leute, die mehr wollen als Dateispeicher, aber kein Rack aufstellen können. Die Kombination aus Docker-Support, HDMI-Ausgang, PCIe-Erweiterbarkeit und nativem 2.5GbE gibt es in der 4-Bay-Klasse bei keinem anderen Hersteller. Synology bietet die bessere Software-Erfahrung, QNAP die bessere Hardware-Plattform.

Wer einen lokalen Docker-Host mit integriertem Storage sucht, ein Monitoring-Dashboard per HDMI direkt anzeigen will oder den PCIe-Slot für 10GbE braucht, bekommt mit der TS-464 ein Gerät, das diese Szenarien ohne Kompromisse bedient. Wer primär ein verlässliches Backup-System mit minimalem Wartungsaufwand sucht, ist bei Synology besser aufgehoben. Ab 649 Euro für die 8-GB-Variante bietet die TS-464 in jedem Fall ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis für das, was sie hardwareseitig mitbringt.

Häufige Fragen

Kann die QNAP TS-464 virtuelle Maschinen betreiben?

Offiziell nicht. QNAPs Virtualization Station wird für die TS-x64-Serie nicht unterstützt. Community-Berichte deuten darauf hin, dass es technisch möglich sein kann, aber QNAP bietet keinen offiziellen Support dafür. Für Container-Workloads steht Container Station (Docker, LXD, Kata Containers) zur Verfügung, was für die meisten Szenarien ausreicht.

Welche HDDs sind mit der TS-464 kompatibel?

QNAP hat keine HDD-Kompatibilitätsbeschränkung wie Synology sie zeitweise hatte. Standard-SATA-HDDs von Seagate (IronWolf), Western Digital (Red Plus/Pro) und Toshiba (N300) funktionieren problemlos. Für die M.2-Slots empfiehlt sich ein Blick in QNAPs Kompatibilitätsliste, da die PCIe-Gen-3-x1-Anbindung nicht mit allen NVMe-SSDs optimal harmoniert.

Lohnt sich das Upgrade von 4 GB auf 8 oder 16 GB RAM?

Ja, wenn Container Station oder mehr als eine Multimedia-Anwendung gleichzeitig laufen soll. Die 4-GB-Variante reicht für reines File-Serving. Ab fünf Docker-Containern oder bei gleichzeitiger Nutzung von Plex und Surveillance Station empfehlen sich 8 GB. 16 GB lohnen sich nur bei intensiver Container-Nutzung mit mehr als zehn gleichzeitigen Containern.

Wie laut ist die TS-464 im Betrieb?

Die Lüfter der TS-464 sind im Idle kaum wahrnehmbar. Unter Last dominieren die Laufwerksgeräusche, nicht die Lüfter. QNAP bietet keine akustische Dämmung der Laufwerksschächte. Für den Einsatz in einem Büro ist das akzeptabel, für ein Wohnzimmer-Setup empfiehlt sich ein Standort mit etwas Abstand zum Sitzplatz.

Kann ich die TS-464 als Kubernetes-Storage nutzen?

Ja. Über iSCSI oder NFS lässt sich die TS-464 als Persistent-Volume-Provider für Kubernetes einbinden. QNAPs iSCSI-Implementation unterstützt Thin Provisioning und Snapshot-basiertes Backup. Für produktionsnahe K8s-Cluster sollte die 10GbE-Erweiterung installiert sein, um Netzwerk-Bottlenecks bei mehreren gleichzeitigen Volume-Zugriffen zu vermeiden.

Quelle Titelbild: Pexels / [Fotograf auswählen] (px:ID)

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