12 April 2026

8 Min. Lesezeit

219 Euro für einen Streaming-DAC, der 120 dB Signal-Rausch-Verhältnis liefert, AirPlay 2 und Roon Ready unterstützt und dabei keine Cloud-Abhängigkeit erzwingt. Der Wiim Pro Plus hat die Budget-Streamer-Kategorie neu definiert und macht audiophiles Streaming im Home Office bezahlbar. Ein Kurztest nach acht Wochen täglicher Nutzung am Schreibtisch, als Teil unserer Serie „Streaming ohne Big Tech“.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wiim Pro Plus kostet 219 Euro und liefert DAC-Qualität auf dem Niveau von Geräten, die das Drei- bis Fünffache kosten. AKM 4493SEQ mit Velvet Sound Technology, 120 dB SNR, -110 dB THD+N.
  • Streaming bis 24 Bit/192 kHz über AirPlay 2, Chromecast Audio, Spotify Connect, Tidal Connect, DLNA und Roon Ready. Keine proprietäre Bindung an ein Ökosystem.
  • Die Wiim Home App steuert Multiroom-Setups mit mehreren Wiim-Geräten oder gemischten AirPlay-2-Gruppen. Die App ist funktional, aber nicht so ausgereift wie BluOS von Bluesound.
  • Kein Sprachassistent nötig für die Kernfunktionalität. Alexa und Google Assistant sind optional integriert, aber nicht systemrelevant.
  • Der analoge Ausgang über Cinch verbindet den Wiim mit jeder bestehenden HiFi-Anlage oder aktiven Lautsprechern. Der optische Digitalausgang (Toslink) ist eine Alternative für externe DACs.
120 dB
Signal-Rausch-Verhältnis des AKM 4493SEQ DAC im Wiim Pro Plus. Zum Vergleich: CDs haben einen theoretischen Dynamikumfang von 96 dB.
Quelle: AKM / WiiM (verifiziert via What Hi-Fi? Review)

Was der Wiim Pro Plus ist und was nicht

Der Wiim Pro Plus ist ein Streaming-Transport mit integriertem DAC. Er empfängt Musik über WiFi oder Bluetooth und gibt sie analog über Cinch oder digital über Toslink und Koaxial aus. Er ist kein Lautsprecher, kein Verstärker und kein All-in-One-System. Er ist das Bindeglied zwischen Streaming-Diensten und einer bestehenden Audio-Anlage.

Für IT-Profis im Home Office bedeutet das: Wer bereits aktive Lautsprecher am Schreibtisch hat (Edifier, Audioengine, ELAC, Kali Audio), schließt den Wiim über Cinch an und hat sofort Hi-Res-Streaming. Wer eine passive Anlage mit einem separaten Verstärker betreibt, verbindet den Wiim mit dem Aux-Eingang des Verstärkers. Kein Umbau nötig, keine neue Hardware außer dem Wiim selbst und einem Cinch-Kabel.

Das Gerät ist kompakt: etwa so groß wie ein Hockey-Puck mit einem Durchmesser von 10 Zentimetern. Es verschwindet hinter einem Monitor oder unter dem Schreibtisch. Das Gewicht liegt bei 215 Gramm. Die Stromversorgung erfolgt über USB-C, was ein eigenes Netzteil überflüssig macht, wenn ein USB-C-Port am Monitor oder Dock frei ist.

Klangqualität: Was 219 Euro 2026 kaufen

Der AKM AK4493SEQ DAC im Wiim Pro Plus ist ein sogenannter Premium-DAC, der AKMs Velvet Sound Technology nutzt. In der Praxis bedeutet das: extrem geringes Grundrauschen, saubere Höhen, definierter Bass und eine Auflösung, die Details in der Musik hörbar macht, die über den Laptop-Kopfhörerausgang verschwinden. Der Unterschied zu eingebauten Audio-Chips in Laptops und Monitoren ist sofort hörbar, auch für Nicht-Audiophile.

Im Vergleich zum Bluesound Node Nano (299 Euro) klingt der Wiim Pro Plus analytischer und präziser. Der Bluesound wirkt etwas wärmer und musikalischer. Beide Unterschiede sind subtil und abhängig von den angeschlossenen Lautsprechern und dem persönlichen Geschmack. Für den Preisunterschied von 80 Euro bekommt man beim Bluesound die reifere BluOS-Software und Dirac Live als optionales Upgrade. Beim Wiim bekommt man die technisch besseren Messwerte und den niedrigeren Einstiegspreis.

„120 dB Signal-Rausch-Verhältnis in einem Gerät für 219 Euro. Das wäre vor fünf Jahren in der Preisklasse über 1.000 Euro gewesen. Der Wiim Pro Plus ist das, was passiert, wenn gute Chips günstig genug für Budget-Hardware werden.“

Streaming-Protokolle: Kein Ökosystem-Lock-in

Der Wiim Pro Plus unterstützt praktisch jedes relevante Streaming-Protokoll: AirPlay 2 für nahtlose Integration mit Apple-Geräten, Chromecast Audio für Android-Nutzer, Spotify Connect für direktes Streaming aus der Spotify-App, Tidal Connect für Hi-Res-Streaming von Tidal, DLNA für lokale Mediatheken auf NAS-Systemen und Roon Ready für die zentrale Musikverwaltung über Roon.

Diese Protokoll-Vielfalt ist der größte Vorteil gegenüber geschlossenen Systemen wie Sonos. Wer heute Spotify nutzt und morgen auf Tidal wechselt, muss am Wiim nichts ändern. Wer heute AirPlay vom iPhone streamt und morgen Chromecast vom Android-Tablet nutzen will, kann das ohne Konfiguration. Die Musik kommt von dort, wo der Nutzer sie haben will, nicht von dort, wo der Hersteller sie hinlenkt.

Roon Ready ist das Feature, das den Wiim Pro Plus für Audiophile interessant macht. Roon ist eine Musikverwaltungs-Software, die lokale Dateien und Streaming-Dienste in einer Oberfläche vereint, mit tiefgehenden Metadaten, Liner Notes, Künstler-Biographien und audiophiler Signalverarbeitung. Die Roon-Integration wurde per Firmware-Update nachgeliefert, was zeigt, dass Wiim das Gerät aktiv weiterentwickelt.

Wiim Home App: Funktional, nicht perfekt

Die Wiim Home App ist die Schaltzentrale für Setup, EQ-Einstellungen, Multiroom-Konfiguration und Streaming-Dienst-Integration. Die Ersteinrichtung dauert unter fünf Minuten: WiFi verbinden, Firmware aktualisieren, Streaming-Dienste verknüpfen, fertig. Die App ist für iOS und Android verfügbar, eine Desktop-Version fehlt.

Im Alltag funktioniert die App zuverlässig. Multiroom mit mehreren Wiim-Geräten oder gemischten AirPlay-2-Gruppen (etwa Wiim im Arbeitszimmer, HomePod in der Küche) funktioniert stabil. Der integrierte Equalizer erlaubt Anpassungen an den Raum und die Lautsprecher. Ein parametrischer EQ mit 10 Bändern ist für ein Gerät dieser Preisklasse ungewöhnlich und ermöglicht gezielte Korrekturen, etwa eine Absenkung bei 200 Hz gegen Dröhnen in kleinen Räumen.

Die Schwächen liegen im Detail. Die Ladezeit beim App-Start ist etwas länger als bei BluOS. Die Streaming-Dienst-Integration zeigt gelegentlich Verzögerungen bei der Wiedergabelisten-Aktualisierung. Und die Albumansicht ist funktional, aber nicht so visuell ansprechend wie bei Roon oder BluOS. Für den Preis von 219 Euro sind das nachvollziehbare Kompromisse. Wer die beste Software-Erfahrung will, nutzt ohnehin Roon oder steuert direkt über Spotify Connect oder AirPlay.

Praxistest: Acht Wochen am Schreibtisch

Der Wiim Pro Plus stand acht Wochen lang auf dem Schreibtisch, verbunden über Cinch mit einem Paar Edifier R1280DB. Das Setup: Spotify Connect als Haupt-Quelle, gelegentlich Tidal Connect für Hi-Res-Sessions, AirPlay 2 für Podcasts vom iPhone. Multiroom mit einem zweiten Wiim Mini im Wohnzimmer.

Im täglichen Arbeitsalltag hat sich ein simples Muster ergeben: Spotify-App öffnen, Wiim als Wiedergabeziel auswählen, Musik läuft. Kein App-Wechsel nötig, keine zusätzliche Software, keine Konfiguration. Das ist der gleiche Komfort wie bei Sonos, ohne die Cloud-Abhängigkeit und ohne den dreifachen Preis. Die Latenz zwischen Auswahl und Wiedergabe liegt unter zwei Sekunden, was für Hintergrundmusik beim Arbeiten irrelevant ist.

Die Klangqualität über die Edifier-Lautsprecher war ein deutlicher Sprung gegenüber dem vorherigen Setup (Bluetooth-Verbindung vom Laptop). Mehr Auflösung in den Mitten, strafferer Bass, klarere Höhen. Der Unterschied ist auch für Nicht-Audiophile sofort hörbar, wenn man direkt vergleicht. Über Kopfhörer (per Toslink an einen separaten Kopfhörerverstärker) wird der Unterschied noch deutlicher.

Ein unerwarteter Vorteil: Der Wiim befreit den Laptop von der Audio-Ausgabe. Keine Bluetooth-Verbindung, die gelegentlich abbricht. Keine Audio-Glitches bei hoher CPU-Last. Der Wiim streamt direkt vom Router, der Laptop bleibt für seine Arbeit frei. Bei Videokonferenzen schaltet man das Audio zurück auf das Laptop-Mikrofon und den Kopfhörer. Der Wiim spielt dann im Hintergrund stumm weiter oder wird pausiert.

Anschlüsse und Ausgänge: Was wohin gehört

Der Wiim Pro Plus bietet vier Audio-Ausgänge: analoge Cinch (RCA), optisch digital (Toslink), koaxial digital (S/PDIF) und eine 3,5mm-Line-Out-Buchse. Das deckt praktisch jedes Anschluss-Szenario ab. Aktive Lautsprecher mit Cinch-Eingang werden direkt angeschlossen. Passive Lautsprecher brauchen einen Verstärker dazwischen. Externe DACs lassen sich über Toslink oder Koaxial anbinden, falls jemand den eingebauten AKM-Chip umgehen und einen eigenen DAC nutzen will.

Auf der Eingangsseite gibt es neben WiFi und Bluetooth 5.1 auch einen Line-In (3,5mm). Damit lässt sich der Wiim als A/D-Wandler nutzen: Ein Plattenspieler mit Phono-Vorverstärker kann über den Line-In angeschlossen und die Schallplatte über AirPlay 2 in andere Räume gestreamt werden. Das ist ein Nischen-Feature, aber für Vinyl-Sammler mit Multiroom-Ambition eine clevere Lösung, die sonst nur Geräte ab 500 Euro bieten.

Die Netzwerkanbindung erfolgt über Dual-Band WiFi (2,4 + 5 GHz) oder über einen Ethernet-Adapter (optional, USB). Für stabiles Streaming empfiehlt sich 5 GHz WiFi oder Ethernet. Bei 2,4 GHz kann es in Umgebungen mit vielen WiFi-Geräten zu Dropouts kommen, besonders bei Hi-Res-Streams über 96 kHz. Im Test mit 5 GHz WiFi gab es in acht Wochen keinen einzigen Dropout.

Vergleich mit der Konkurrenz: Wiim vs. Bluesound vs. Sonos Port

Der Sonos Port (449 Euro) ist der offensichtlichste Vergleichspunkt. Beide Geräte machen das Gleiche: Streaming an bestehende Audio-Anlagen liefern. Der Sonos Port bietet Sonos-Multiroom, einen eingebauten DAC und die Sonos-App. Der Wiim Pro Plus bietet mehr Protokolle (AirPlay 2 + Chromecast + Roon), einen besseren DAC (120 vs. 107 dB SNR laut Messwerten) und kostet weniger als die Hälfte. Der einzige Vorteil des Sonos: die etablierte Multiroom-Infrastruktur, falls bereits Sonos-Lautsprecher im Haus stehen.

Gegen den Bluesound Node Nano (299 Euro) liegt der Wiim preislich 80 Euro darunter. Der Bluesound bietet die reifere Software (BluOS), Dirac Live als optionales Upgrade und den audiophilen Ruf der Lenbrook-Gruppe. Der Wiim kontert mit den besseren Messwerten, dem niedrigeren Preis und der breiteren Protokoll-Unterstützung. Für Einsteiger, die ihren ersten Streamer kaufen, ist der Wiim Pro Plus der bessere Einstieg. Für Nutzer, die ein ausgereiftes Ökosystem mit Dirac-Raumkorrektur wollen, lohnt der Aufpreis zum Bluesound.

Setup-Empfehlung: Wiim Pro Plus im Home Office

Das optimale Schreibtisch-Setup mit dem Wiim Pro Plus: Wiim Pro Plus (219 Euro) per Cinch an aktive Lautsprecher wie Edifier R1280DB (90 Euro) oder Kali Audio LP-6 (ab 300 Euro pro Stück). Strom über USB-C vom Monitor oder Dock. WiFi-Verbindung über das Heim-Netzwerk. Steuerung über Spotify Connect direkt aus der Spotify-Desktop-App, ohne zusätzliche Software.

Für Nutzer, die bereits eine passive HiFi-Anlage besitzen, wird der Wiim zum günstigsten Weg, diese Anlage ins Streaming-Zeitalter zu bringen. Cinch-Kabel in den AUX-Eingang des Verstärkers, WiFi verbinden, fertig. Eine Anlage aus den Neunzigern bekommt für 219 Euro Zugang zu Spotify, Tidal, Apple Music und lokalen Bibliotheken in Hi-Res-Qualität.

Häufige Fragen

Brauche ich den Wiim Pro Plus oder reicht der günstigere Wiim Pro?

Der Wiim Pro (ohne Plus) kostet etwa 150 Euro und nutzt einen ESS-DAC statt des AKM-Chips. Die Klangqualität ist gut, aber der Pro Plus liefert messbar bessere Werte (120 vs. 115 dB SNR). Wer den Unterschied über aktive Lautsprecher hört, sollte den Plus nehmen. Wer den Wiim primär als Toslink-Transport an einen externen DAC nutzt, kann beim Pro sparen.

Kann der Wiim Pro Plus einen Sonos-Lautsprecher ersetzen?

Nicht direkt. Sonos ist ein All-in-One-System (Streamer + Verstärker + Lautsprecher). Der Wiim ist nur ein Streamer/DAC und braucht externe Lautsprecher. Aber: Wiim + aktive Lautsprecher klingt in der Regel besser als ein Sonos in der gleichen Preisklasse, weil das Budget in DAC-Qualität statt in ein Gehäuse mit Lautsprechern fließt.

Funktioniert der Wiim ohne Internet?

Für lokale Wiedergabe von einem NAS über DLNA ja. Für Streaming-Dienste wie Spotify oder Tidal wird Internet benötigt. AirPlay 2 funktioniert im lokalen Netzwerk ohne Internet, solange das sendende Gerät (iPhone, Mac) im gleichen WLAN ist. Bluetooth-Wiedergabe funktioniert komplett ohne Netzwerk.

Wie steht der Wiim Pro Plus im Vergleich zum Wiim Ultra?

Der Wiim Ultra (299 Euro) bietet einen verbesserten ESS ES9038Q2M DAC, einen integrierten Kopfhörerverstärker und ein kleines Display. Für Schreibtisch-Setups, bei denen der Kopfhörer direkt am Streamer hängen soll, ist der Ultra die bessere Wahl. Wer den Wiim ausschließlich an externe Lautsprecher anschließt, bekommt mit dem Pro Plus praktisch die gleiche Funktionalität für 80 Euro weniger.

Quelle Titelbild: Pexels / Malcolm Garret (px:14134123)

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