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Oracle: Cloud-Infrastruktur wächst um 121 Prozent

Oracle liefert 850 Megawatt an KI-Kunden und nimmt rund 17 Milliarden Euro über Aktienverkäufe auf. Die Software-Sparte schrumpft.

Von Alec Chizhik 11. September 2026 5 Minuten Lesezeit
Oracle: Cloud-Infrastruktur wächst um 121 Prozent

Oracle hat im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 die Cloud-Infrastruktur um 121 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro gesteigert. Der Auftragsbestand liegt bei rund 570 Milliarden Euro. Der freie Cashflow bleibt mit rund 4,3 Milliarden Euro negativ, weil das Unternehmen Rechenzentren und Grafikprozessoren schneller aufstellt, als der Betrieb sie einspielt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Infrastruktur-Sparte wächst schneller als der Konzern. Der Gesamtumsatz legt um 30 Prozent auf rund 17 Milliarden Euro zu.
  • Der Umsatz mit klassischer Software sinkt um drei Prozent. Oracle führt das auf die Wanderung von Installationen im eigenen Haus in die Cloud zurück. Die Anwendungs-Cloud legt nur um zehn Prozent zu.
  • Die ausgelieferte Kapazität steigt auf fast das Dreifache. Seit Ende des Vorquartals gingen 850 Megawatt mit mehr als 300.000 Grafikprozessoren an KI-Cloud-Kunden, fast das Dreifache der Menge aus dem Vorquartal.
  • Für den Ausbau nimmt Oracle frisches Eigenkapital auf. Der Konzern gibt laufend neue Stammaktien an der Börse aus. Die neuen KI-Cloud-Verträge ändern nach Oracle-Angaben nichts an den Plänen zur Kapitalaufnahme.

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Was ist Oracle Cloud Infrastructure? Oracle Cloud Infrastructure ist die Infrastruktur-Cloud von Oracle: Rechenleistung, Speicher und Netz, abgerechnet als Dienst. In der Mitteilung heißt diese Linie Cloud Infra oder IaaS. Die Anwendungs-Cloud (SaaS) steht getrennt davon.

Infrastruktur-Umsatz steigt auf 6,4 Milliarden Euro

Die Quartalsmitteilung vom 10. September 2026 kommt aus Austin. Der Konzernumsatz steigt um 30 Prozent auf rund 17 Milliarden Euro, die Infrastruktur allein wächst um 121 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro. Die weiteren Linien stehen in der Tabelle, den Rest des Konzernumsatzes füllen Hardware und Services.

Lange galt Oracle als Datenbankanbieter mit einem Cloud-Versprechen. In diesem Quartal steht das Infrastruktur-Wachstum in der Umsatzzeile. Die IaaS-Linie wächst deutlich schneller als der Konzern und um ein Vielfaches schneller als die Anwendungs-Cloud, die nur um zehn Prozent auf rund 3,6 Milliarden Euro zulegt.

Kennzahl Q1 Geschäftsjahr 2027 Veränderung
Konzernumsatz rund 17 Mrd. Euro +30 %
Cloud gesamt rund 10 Mrd. Euro +62 %
Cloud-Infrastruktur (IaaS) rund 6,4 Mrd. Euro +121 %
Cloud-Anwendungen (SaaS) rund 3,6 Mrd. Euro +10 %
Software (On-Premises) rund 4,7 Mrd. Euro -3 %
Auftragsbestand (RPO) rund 570 Mrd. Euro +180 Mrd. Euro zum Vorjahr

Oracle, Quartalsmitteilung vom 10. September 2026. Euro-Beträge gerundet nach EZB-Referenzkurs desselben Tages.

850 Megawatt gehen an die Kunden

Co-Vorstandschef Clay Magouyrk sagte in der Telefonkonferenz am 10. September 2026, Oracle habe seit Ende des Vorquartals 850 Megawatt KI-Kapazität mit mehr als 300.000 Grafikprozessoren an Kunden übergeben, fast das Dreifache der Menge aus dem vorigen Quartal. Der größte Teil davon steht auf dem Campus in Abilene in Texas, wo laut Magouyrk 618 Megawatt in sechs von acht Gebäuden übergeben sind. Weitere Standorte entstehen in New Mexico und Wisconsin.

850 Megawatt sind Anschlussleistung über mehrere Standorte. Rechenzentren dieser Größenordnung brauchen Stromverträge, Transformatoren, Kühlung und Genehmigungen, bevor der erste Grafikprozessor rechnet. Oracle weist die Leistung als im Quartal an Kunden übergeben aus. Europäische Standorte nannte der Konzern nicht.

Die Software-Linie gibt drei Prozent ab

Die klassische Software fällt um drei Prozent auf rund 4,7 Milliarden Euro. Oracle nennt als Grund die anhaltende Migration der Kunden von On-Premises in die Cloud. Damit laufen Infrastruktur-Linie und Software-Linie gegenläufig.

Damit verschiebt sich der Konzernumsatz von Lizenzen zur Infrastruktur. Die Infrastruktur-Linie setzt im Quartal mit rund 6,4 Milliarden Euro mehr um als die klassische Software mit rund 4,7 Milliarden Euro.

Oracle verkauft Aktien für den Ausbau

Der operative Cashflow steigt laut Quartalsmitteilung um 184 Prozent auf rund 20 Milliarden Euro, der freie Cashflow bleibt mit rund 4,3 Milliarden Euro negativ. Die Lücke entsteht durch den Ausbau: Oracle gibt im Quartal rund 24 Milliarden Euro für Rechenzentren und Grafikprozessoren aus, mehr als die Cloud-Erlöse decken.

Im selben Quartal verkauft Oracle Stammaktien über ein At-the-Market-Programm, also gestreckt über die Börse. Der Erlös vor Provisionen liegt bei rund 17 Milliarden Euro. Das Programm gehört zu einem schon zuvor angekündigten Investitionsplan. Der Erlös ist Eigenkapital statt Kredit.

Gleichzeitig weist Oracle in der Quartalsmitteilung neue KI-Cloud-Verträge über mehr als 25 Milliarden Euro aus. Diese Verträge ändern nach Angaben des Unternehmens nichts an den Plänen zur Kapitalaufnahme, weil die meisten Kunden vorauszahlen oder eigene Hardware in Oracles Rechenzentren stellen, wie Finanzchefin Hilary Maxson in der Telefonkonferenz sagte.

570 Milliarden Euro Auftragsbestand warten auf Anschluss und Abnahme

Remaining Performance Obligations, kurz RPO, sind vertraglich zugesagte Leistungen, die noch nicht als Umsatz gelten. Oracle weist rund 570 Milliarden Euro aus, 180 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Der Bestand übersteigt den Quartalsumsatz um ein Vielfaches. Ein großer Teil davon sind Mehrjahresverträge über KI-Kapazität, die erst gebaut, abgenommen und abgerechnet werden muss. Rund die Hälfte des Bestands soll laut Maxson innerhalb von 36 Monaten Umsatz werden.

Im Ausblick bleibt dieselbe Kapazitätsfrage offen. Für das Gesamtjahr 2027 erwartet Oracle mindestens 77 Milliarden Euro Umsatz, für das zweite Quartal beim Cloud-Umsatz 65 bis 71 Prozent Wachstum und beim Gesamtumsatz 30 bis 34 Prozent. Das geht nur, wenn die 850 Megawatt keine einmalige Spitze bleiben. Offen sind die Stromanschlüsse an den nächsten Standorten und die Abnahme der gebauten Kapazität durch die Kunden.

Häufige Fragen

Was hat Oracle im ersten Quartal 2027 gemeldet?

Die Cloud-Infrastruktur wächst um 121 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz steigt um 30 Prozent auf rund 17 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand liegt bei rund 570 Milliarden Euro, der freie Cashflow bleibt negativ.

Was ist ein Remaining Performance Obligation?

Es ist der vertraglich zugesagte Umsatz, den Oracle noch nicht als Umsatz erfasst hat. Darin stecken abgeschlossene Cloud-Verträge und abgegrenzte Beträge. Der Bestand ist weder Geld auf dem Konto noch eine fertige Halle.

Warum bleibt der freie Cashflow negativ?

Der operative Cashflow ist positiv und steigt stark. Davon gehen die Investitionen in Rechenzentren und Grafikprozessoren ab. Was nach diesen Ausgaben bleibt, ist im Quartal rund 4,3 Milliarden Euro unter null.

Wo steht die neue Kapazität?

Der größte Teil der 850 Megawatt steht auf dem Campus in Abilene in Texas, laut Magouyrk 618 Megawatt in sechs von acht Gebäuden. Weitere große Standorte entstehen in New Mexico und Wisconsin. Europäische Standorte nannte Oracle in der Telefonkonferenz nicht.

Was hat sich beim Software-Geschäft geändert?

Der Umsatz mit klassischer Software sinkt um drei Prozent auf rund 4,7 Milliarden Euro, weil Kunden ihre Installationen aus dem eigenen Rechenzentrum in die Cloud verlagern. Die Kunden zahlen weiter, nur in einem anderen Produkt. Damit liegt die Infrastruktur-Linie im Quartal vor der Software.

Bildquelle: KI-generiert (September 2026)

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