9 Dezember 2025

Der KI-Boom verlangt nach neuen Rechenzentren. Viele Deutsche sehen den Bau und Ausbau derselben wegen des hohen Energie und Wasserbedarfs aber kritisch, wie eine internationale Studie zeigt.

Der Bau und Ausbau von Rechenzentren zum Befriedigen des KI-Booms stößt in Deutschland zunehmend auf Kritik. Sorgen bereitet vielen Befragten vor allem der hohe Strombedarf, aber auch der hohe Wasserverbrauch von Rechenzentren. Das ist laut Heise online das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts Savanta.com im Auftrag von AlgorithmWatch und einem Bündnis von NGOs.

In Deutschland wurden dazu im September 2025 insgesamt 1.002 Personen befragt. Mehr als die Hälfte von ihnen (57 Prozent) sorgen sich, dass der hohe Wasserverbrauch von Rechenzentren ihre eigene Wasserversorgung beeinträchtigen könnte. 63 Prozent  fürchten um das Ökosystem im Umland, wenn ein Rechenzentrum in der Nachbarschaft Einzug hält.

Die Angst um die eigene Stromversorgung fällt dagegen niedriger aus. 43 Prozent der Befragten erwarten, dass Rechenzentren künftig einen großen Anteil am Energieverbrauch in Deutschland haben werden. Knapp ein Drittel (32 Prozent) denkt, dass das heute schon der Fall ist.

Damit der KI-Hype nicht zum „Klimakiller“ wird

Rechenzentren treiben den KI-Boom – doch viele Deutsche fordern: Wachstum nur mit grünem Strom, damit KI nicht zum Klimaproblem wird. (Bildquelle: Unsplash / Tyler)

Über zwei Drittel der Deutschen wünschen sich, dass neue Rechenzentren nur gebaut werden dürften, wenn sie den Strom aus regenerativen Energien beziehen (69 Prozent) oder zusätzliche Kapazitäten aus Erneuerbaren dafür geschaffen werden (66 Prozent). Nur 20 Prozent der Befragten würden dem Bau auch zustimmen, wenn sie mit fossilen Energien betrieben werden.

„Neue Rechenzentren benötigen zwingend auch zusätzliche erneuerbare Energie – sonst wird der KI-Hype unweigerlich zum Klimakiller“, betont Julia Bothe, Senior Policy Manager KI und Klimaschutz bei AlgorithmWatch. Da KI-Anwendungen den Strombedarf erhöhen, seien bezüglich erneuerbarer Energien auch mehr Kapazitäten erforderlich. „Es bringt überhaupt nichts, wenn ein neues Rechenzentrum sich einen grünen Sticker an die Fassade klebt, weil es mit erneuerbaren Energien betrieben wird, wenn dann für das Unternehmen nebenan doch wieder ein Kohle- oder Gaskraftwerk anspringen muss.“

Deutlich höherer RZ-Strombedarf bis 2037

Derzeit ziehen Rechenzentren etwa 3,5 bis 4,0 Prozent des gesamten Strombedarfs in Deutschland, was zwischen 20 und 26 Terawattstunden (TWh) entspricht. 2010 lag der Anteil noch bei unter 2,0 Prozent. Besonders stark wächst der Strombedarf von Rechenzentren in den Ballungszentren Frankfurt am Main mit dem RZ-Riesen Equinix, Berlin und München, wo viele internationale IT-Unternehmen Niederlassungen gegründet haben.

Wie AlgorithmWatch die Bundesnetzagentur zitiert, hat diese gerade ihre Schätzungen für den Stromverbrauch von Rechenzentren in Deutschland stark nach oben korrigiert. Dieser soll den neuen Zahlen zufolge nun bis 2037 auf 78 bis 116 Terawattstunden steigen und dann bis zu zehn Prozent des deutschen Stromverbrauchs ausmachen.