22 April 2026

8 Min. Lesezeit

Broadcom hat VMwares Lizenzmodell grundlegend umgebaut: Perpetual-Lizenzen sind abgeschafft, 168 Produkt-Bundles wurden auf vier eingekocht, die Metric wechselte von Per-CPU auf Per-Core und die Mindestabnahme liegt bei 72 Kernen pro Order. Für DACH-Unternehmen, die eine reife VMware-Landschaft betreiben, hat das im Schnitt zu 60 Prozent höheren Kosten über sieben Jahre geführt, in Einzelfällen wurden Preissprünge zwischen acht- und fünfzehnfach berichtet. Die Frage im Frühjahr 2026 lautet nicht mehr, ob man reagiert, sondern wie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur noch Subscription: Broadcom hat sämtliche Perpetual-Lizenzen gestrichen, VMware wird ausschließlich als Abo vertrieben. Die Metric liegt auf Per-Core-Basis, jede CPU wird mit mindestens 16 Kernen gezählt.
  • Vier Bundles statt 168: Die Produktlandschaft wurde auf VMware Cloud Foundation (VCF), vSphere Foundation (VVF), vSphere Standard (VVS) und vSphere Essential Plus (VVEP) reduziert. VCF kostet als Listpreis rund 350 US-Dollar pro Core und Jahr (Redress Compliance Analyse).
  • Mindestorder 72 Cores: Kleinere Umgebungen müssen überbuchen, Einzel-Host-Szenarien sind wirtschaftlich kaum noch darstellbar. Verspätete Verlängerung kostet pauschal 20 Prozent Aufschlag ohne Karenzfrist.
  • Alternativen reifen sichtbar: Nutanix AHV gilt als direktester Enterprise-Ersatz für VCF, Proxmox VE hat sich aus dem Lab-Umfeld in die Produktions-Reife entwickelt, Microsoft Azure Stack HCI und Red Hat OpenShift Virtualization kommen in Betracht.
  • Zeitfenster läuft: DACH-Unternehmen, die Ende 2026 oder Anfang 2027 verlängern, sollten spätestens jetzt Alternativen bewerten. Wer wartet, verhandelt aus der Schwäche und bekommt weniger Raum für Rabatte.

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Was Broadcom mit VMware gemacht hat

Was ist die Post-Broadcom-Ära? Im November 2023 hat Broadcom die Übernahme von VMware abgeschlossen und in den folgenden Monaten das Portfolio radikal umstrukturiert. Perpetual-Lizenzen wurden abgekündigt, Partner-Programme neu aufgesetzt, Bundles stark gekürzt und Preise deutlich angehoben. Der Begriff Post-Broadcom-Ära beschreibt die Zeit, in der Kunden ihre historischen Vereinbarungen nicht mehr verlängern können, sondern in eine neue, subscriptionbasierte Welt migrieren müssen. Für Enterprise-Kunden in DACH, Europa und weltweit war 2024 und 2025 vor allem eine Phase der Verunsicherung, 2026 ist das Jahr der Entscheidungen.

Die Zahlen sind klar dokumentiert. VMware Cloud Foundation, Broadcoms Flaggschiff-Bundle, enthält vSphere, vCenter, vSAN, NSX, die Aria Suite, HCX und den SDDC Manager in einem Paket. Der Listpreis liegt bei rund 350 US-Dollar pro Core und Jahr. Wer bisher nur vSphere gefahren hat, zahlt ab sofort auch für NSX und Aria mit, unabhängig davon, ob diese Module genutzt werden. Die Mindestabnahme von 72 Cores bedeutet, dass selbst kleine Umgebungen mit drei oder vier Hosts in der Rechnung als volle 72-Core-Konfiguration auftauchen, auch wenn die reale Hardware weniger Cores hat.

Die betriebswirtschaftliche Konsequenz für DACH-Kunden lässt sich in einer Formel zusammenfassen. Wer seine VMware-Landschaft unverändert fortführt, zahlt im Schnitt 60 Prozent mehr über sieben Jahre, gerechnet gegen das alte Perpetual-plus-Maintenance-Modell. In Einzelfällen wurden Preissprünge um den Faktor acht bis fünfzehn berichtet, vor allem bei Kunden, die historisch günstige Rahmenverträge hatten oder mit vielen ungenutzten Modulen ins VCF-Paket gerutscht sind.

VCF-Listpreis 2026
350 USD/Core/Jahr
Broadcoms Listpreis für VMware Cloud Foundation inkl. vSphere, vCenter, vSAN, NSX, Aria Suite, HCX und SDDC Manager. Mindestabnahme: 72 Cores pro Order.

Quelle: Broadcom-Preisliste und Enterprise-Audit-Analysen Q1 2026.

Drei Reaktionsmuster, die sich in DACH abzeichnen

Die Bewegung unter deutschen, österreichischen und schweizerischen Enterprise-Kunden ist kein monolithisches Ausweichen, sondern eine Dreiteilung, die sich je nach Unternehmensgröße, Compliance-Druck und vorhandener Kompetenz unterscheidet.

Erstens, der pragmatische Weg mit Broadcom weiter. Konzerne mit tief integrierter VMware-Landschaft, bestehenden Enterprise-Agreements und regulatorischen Anforderungen an langfristige Support-Zusagen bleiben bei VMware, verhandeln aber härter. Der Fokus liegt auf der richtigen Bundle-Wahl, der Prüfung aller Module im VCF-Paket und der Vermeidung von Überlizenzierung durch die Mindestabnahme-Regel. Wer diese Route geht, holt sich oft spezialisierte Lizenzberatung ins Haus, weil die Verhandlungs-Dynamik mit Broadcom anders läuft als mit VMware vor der Übernahme.

Zweitens, der Teilmigrationsweg. Hier wird der Kern der produktiven Umgebung vorerst bei VMware belassen, während neue Workloads, Entwicklungs-Umgebungen und weniger kritische Systeme auf Alternativen umziehen. Das reduziert die Broadcom-Kostenbasis schrittweise, ohne die produktive Umgebung sofort umbauen zu müssen. Für diesen Weg bieten sich Proxmox VE für kleinere Sandbox-Cluster, Nutanix AHV für stabile Produktionswerte und Azure Stack HCI für bereits microsoft-lastige Stacks an.

Drittens, die komplette Migration. Einige DACH-Mittelständler und auch größere Unternehmen mit weniger tiefer VMware-Integration haben die Entscheidung getroffen, die komplette Virtualisierungs-Ebene innerhalb von zwei bis drei Jahren abzulösen. Das ist ein substanzielles Projekt, das Change-Management, Training und Infrastruktur-Umbau gleichzeitig verlangt, wird aber von spezialisierten Integratoren inzwischen mit belastbaren Methodiken unterstützt.

Alternative Stacks im Enterprise-Check

Die Wahl der Alternative ist keine Glaubensfrage, sondern hängt an der eigenen Infrastruktur-DNA, an bestehenden Kompetenzen und an der Tiefe des vorhandenen Management-Stacks. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Kandidaten für 2026 ein.

Stack Typischer Einsatz Stärke Achtung
VMware VCF Konzerne, tiefe VMware-Integration Feature-Breite, Partner-Ökosystem Kosten, Bundle-Zwang
Nutanix AHV / NCI HCI-orientierte Enterprises Feature-Parität, Single-Vendor-Stack Lizenzkosten, Appliance-Bindung
Proxmox VE Mittelstand, Open-Source-affin Kosten, Vendor-Unabhängigkeit Support-Reife, Operational Tooling
Microsoft Azure Stack HCI Microsoft-zentrierte Stacks Hybrid-Integration, Intune Azure-Consumption als Mitlaufkosten
Red Hat OpenShift Virtualization Container-first Organisationen Unified Container + VM Plattform Kubernetes-Skill-Set nötig
OpenStack große Infrastruktur-Teams, Telco Offenheit, API-Tiefe Ops-Komplexität, Experten-Abhängigkeit

Einordnung auf Basis öffentlicher Hersteller-Daten und Enterprise-Migrations-Analysen Q1 2026.

Nutanix bleibt die pragmatischste Wahl für Organisationen, die vom VCF-Paket auf einen vergleichbaren Enterprise-Stack umziehen wollen, ohne die Architektur fundamental zu ändern. Die Hypervisor-Schicht AHV ersetzt den VMware-ESXi, die Management-Tiefe ist vergleichbar, die Lernkurve für Admin-Teams überschaubar. Proxmox ist deutlich günstiger, aber im Enterprise-Support-Kontext noch nicht an jedem Standort mit einer etablierten Integrator-Landschaft hinterlegt. Azure Stack HCI lohnt sich dann, wenn das Unternehmen ohnehin tief in Azure steckt und Windows-Server-Lizenzen im Portfolio hat.

Migrationsökonomie im Überblick

Die Kosten-Diskussion verläuft oft entlang reiner Listenpreise, das ist ein Fehler. Eine realistische Rechnung umfasst fünf Posten: Lizenz, Hardware-Anpassung, Migrations-Projekt, interne Skill-Entwicklung und laufender Betriebs-Overhead. Für eine typische DACH-Enterprise-Umgebung mit 300 Cores und 40 Hosts sind Migrations-Projekte nach Nutanix in zwölf bis achtzehn Monaten realistisch, Projekte nach Proxmox häufig in sechs bis zwölf Monaten, abhängig vom internen Skill-Level.

Das 60-Prozent-Aufschlags-Szenario bei Broadcom ist der Benchmark, gegen den sich Migrations-Projekte rechnen lassen. Wer bei Nutanix landet, spart laut Enterprise-Analysen über den Fünf-Jahres-Zeitraum typischerweise zwischen 25 und 40 Prozent gegenüber dem neuen VMware-Modell, kauft sich aber einen anderen Vendor-Lock-in. Wer bei Proxmox landet, senkt die Lizenzkosten auf ein Drittel des Nutanix-Niveaus, zahlt aber mit internem Betriebsaufwand und spezialisierter Expertise.

Ein oft unterschätzter Faktor ist der Zeitpunkt der Entscheidung. Wer sechs Monate vor einem Broadcom-Vertragsende Alternativen bewertet, verhandelt aus der Schwäche und hat weniger Raum für Rabatte. Wer achtzehn Monate vorher anfängt, kann glaubhaft mit Abwanderung drohen und erzielt deutlich bessere Konditionen, selbst wenn am Ende doch die Broadcom-Verlängerung gewählt wird.

Fahrplan für die kommenden zwölf Monate

VMware-Strategie-Fahrplan 2026/2027
Mai 2026
Workload-Inventar, Core-Zählung, Nutzungsanalyse der VCF-Module. Ergebnis: Welche Module werden tatsächlich produktiv genutzt.
Juni/Juli 2026
Alternativen bewerten, zwei bis drei Proof-of-Concepts aufsetzen, Nutanix oder Proxmox auf einem Pilot-Cluster testen.
August/September 2026
Verhandlungsposition mit Broadcom aufbauen, parallel Migrations-Kostenrechnung mit Integratoren konkretisieren.
Q4 2026
Entscheidung treffen, Verlängerung unterschreiben oder Migrations-Welle starten. Kommunikation an Stakeholder und Aufsichtsrat.
2027
Umsetzung. Entweder Optimierung der Broadcom-Landschaft oder sukzessive Migration von Clustern auf Alternativen.

Dieser Fahrplan ist an DACH-Mittelstand- und Konzern-Realitäten angepasst. Schneller geht, ist aber selten realistisch, weil die Integrator-Kapazitäten 2026 spürbar ausgebucht sind. Langsamer kann heißen, dass die erste Verlängerung unter den neuen Broadcom-Konditionen unterschrieben wird, bevor Alternativen wirklich geprüft wurden.

Was oft übersehen wird

Drei Aspekte werden in Kostenvergleichen immer wieder unterschätzt. Erstens die Storage-Seite. vSAN ist im VCF-Paket enthalten, aber eine Migration auf einen Nicht-VMware-Stack zieht in der Regel auch die Storage-Ebene nach sich, ob auf klassische SAN-Systeme, auf softwaredefinierte Lösungen oder auf cloud-basierte Storage-Dienste. Die Kosten dafür liegen oft in derselben Größenordnung wie die Virtualisierungs-Lizenz selbst.

Zweitens die Netzwerk-Ebene. NSX ist im VCF enthalten und wird von vielen Organisationen produktiv genutzt. Wer migriert, muss entscheiden, ob das bestehende Netzwerk-Setup mit klassischen Firewalls und VLANs genügt, oder ob eine andere software-definierte Netzwerk-Lösung nötig ist. Cilium, Calico und kommerzielle Alternativen sind hier die übliche Wahl.

Drittens der Disaster-Recovery-Stack. VMware SRM und HCX sind im VCF-Angebot, Migrationen nach Nutanix oder Proxmox brauchen einen anderen DR-Ansatz. Tools wie Veeam, Commvault oder Zerto bieten entsprechende Alternativen, kosten aber zusätzlich und müssen in den Gesamtplan eingerechnet werden.

Fazit

Die Post-Broadcom-Ära ist kein Sturm, durch den man sich einfach ducken kann. Sie verändert die Wirtschaftlichkeit der Virtualisierung dauerhaft. Jede DACH-Organisation mit VMware-Landschaft muss 2026 eine Antwort finden. Diese Antwort kann das Festhalten an Broadcom sein, die schrittweise Migration oder die vollständige Ablösung. Entscheidend ist, dass die Antwort bewusst gewählt wird, auf Basis von Workload-Inventar, Kostenmodell und realistischem Zeitplan. Wer den Reflex hat, wegen der Schlagzeile zu migrieren, trifft oft dieselben Fehlentscheidungen wie Organisationen, die den Reflex hatten, nichts zu tun. Die saubere Kostenrechnung über sieben Jahre und die ehrliche Bewertung der eigenen Betriebsreife sind die beiden Instrumente, die hier den Ausschlag geben.

Ein weiterer Faktor in der Entscheidungsfindung ist die bestehende Server-Hardware. Viele Unternehmen haben VMware-zertifizierte Hardware-Stacks mit langen Abschreibungszeiträumen gekauft, die sich bei einer Migration nicht automatisch weiterverwenden lassen. Nutanix setzt klassisch auf eigene Appliances, auch wenn inzwischen Software-Only-Optionen verfügbar sind, Proxmox läuft auf Standard-x86-Hardware ohne Hardware-Lock-in. Die Abschreibungs-Realität muss in die Gesamtrechnung eingehen, sonst verschiebt sich die ehrliche Amortisations-Rechnung leicht um ein bis zwei Jahre nach hinten.

Häufige Fragen

Muss jede VMware-Umgebung jetzt auf VCF umziehen?

Nein. Broadcom bietet mit vSphere Foundation, vSphere Standard und vSphere Essential Plus auch kleinere Bundles. VCF ist das Full-Stack-Paket, nicht die einzige Option. Entscheidend ist, welche Module im produktiven Betrieb genutzt werden und ob die Mindestabnahme-Regel im jeweiligen Bundle wirtschaftlich tragbar ist.

Ist Proxmox VE wirklich produktionsreif für große Umgebungen?

Für viele Anwendungsfälle ja. Proxmox hat in den letzten drei Jahren einen deutlichen Reife-Sprung gemacht, Cluster-Funktionen, Storage-Integration und Backup sind auf Enterprise-Niveau. Was bei großen Umgebungen oft fehlt, ist das dichte Partner- und Integrator-Netz, wie es Nutanix oder VMware bietet. Wer internes Linux- und Virtualisierungs-Know-how hat, kann Proxmox produktiv fahren, wer externe Expertise braucht, sollte die Partner-Landschaft im eigenen DACH-Raum prüfen.

Wie geht man mit der Mindestabnahme von 72 Cores um?

Für sehr kleine Umgebungen ist das wirtschaftlich schwer darzustellen. Eine Konsolidierung der Umgebung auf weniger, aber stärker ausgelastete Hosts kann die Rechnung verbessern. Alternativ bieten sich Hyperscaler-basierte Workloads auf AWS, Azure oder GCP an, die ohne VMware auskommen. Für viele kleine DACH-Unternehmen ist das nach der Broadcom-Preisreform der pragmatischere Weg.

Welche Rolle spielt NSX in der Entscheidung?

NSX ist im VCF-Bundle automatisch enthalten, unabhängig von der tatsächlichen Nutzung. Wer NSX produktiv einsetzt, profitiert vom integrierten Paket. Wer NSX nicht nutzt, zahlt ohne Wert mit und sollte prüfen, ob ein kleineres Bundle wie VVF oder VVS reicht, das ohne NSX auskommt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Migrations-Entscheidung?

Idealerweise 18 Monate vor dem nächsten Vertragsende. Das gibt Raum für Proof-of-Concepts, Verhandlungen mit Broadcom und parallel Alternativen-Evaluierung. Wer erst sechs Monate vorher anfängt, hat weder Verhandlungsposition noch Umsetzungs-Zeitraum.

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Quelle Titelbild: Pexels / Christina Morillo (px:1181335)

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