24 April 2026

7 Min. Lesezeit · Stand: 23.04.2026

Google Cloud hat Cloud Location Finder als Pre-GA-Service ausgerollt. Der neue Dienst liefert ein normalisiertes Inventar an Regionen und Zonen über Google Cloud, AWS, Microsoft Azure und Oracle Cloud Infrastructure. Für Cloud-Architekten in DACH ist das mehr als ein Multi-Cloud-Beigemüse: Datenresidenz, Latenz und Carbon-Footprint lassen sich erstmals über vier Hyperscaler hinweg per API abfragen, ohne dass für jeden Anbieter eine separate Mapping-Tabelle gepflegt werden muss. Wer EU-Data-Boundary-Auflagen oder Souveränitäts-Checks durchziehen will, bekommt ein Werkzeug, das Wochen Hand-Recherche spart.

Das Wichtigste in Kürze

  • Google Cloud hat Cloud Location Finder als Pre-GA-Service veröffentlicht, mit Inventar über GCP, AWS, Azure und OCI.
  • Zugriff per REST-API und gcloud-CLI, aktuell ohne zusätzliche Lizenzkosten.
  • Daten umfassen Region- und Zonen-Metadaten, Proximity, Territory-Code und Carbon-Footprint pro Standort.
  • Praktische Use-Cases: Multi-Cloud-Region-Auswahl, Datenresidenz-Audits, Latenz-Optimierung und Compliance-Checks.
  • Pre-GA-Status bedeutet: produktiv nutzbar, aber ohne Standard-Support-Garantien. Architektur-Entscheidungen sollten den Status dokumentieren.

Was Google Cloud konkret ausgerollt hat

Was ist Google Cloud Location Finder? Cloud Location Finder ist ein neuer Google-Cloud-Service, der Standortdaten zu Cloud-Regionen und -Zonen über mehrere Hyperscaler hinweg in einem einheitlichen Format bereitstellt. Abgedeckt sind Google Cloud Platform, Amazon Web Services, Microsoft Azure und Oracle Cloud Infrastructure. Der Dienst ist via REST-API und gcloud-CLI verfügbar, kostenlos und liefert für jede Region Metadaten wie geografische Lage, Territory-Code, Proximity zu anderen Standorten und Carbon-Footprint-Indikatoren.

Der Google-Cloud-Blog beschreibt den Service als Antwort auf eine alltägliche Architektur-Frage: Welche Region eines anderen Hyperscalers liegt am nächsten zu meiner bestehenden Cloud-Infrastruktur? Vor Cloud Location Finder mussten Architekten die Antwort manuell aus den jeweiligen Anbieter-Dokumentationen zusammenklauben, oft mit unterschiedlichen Region-Naming-Konventionen. Mit dem neuen Dienst läuft die Abfrage einheitlich über eine API, was Architektur-Skripte und Compliance-Audits beschleunigt.

Wichtig für die Einordnung: der Dienst befindet sich aktuell in der Pre-GA-Phase. Das bedeutet produktiver Zugriff ist möglich, Standard-Support-Garantien gelten aber noch nicht in vollem Umfang. Wer den Service in produktionsnahen Workflows einsetzt, sollte den Pre-GA-Status in der internen Architektur-Dokumentation festhalten und im Vertragsregime vermerken. Eine Migration auf den GA-Stand wird typischerweise in den nächsten Quartalen folgen, mit dann verbindlicheren SLA-Zusagen.

4 Hyperscaler
GCP, AWS, Azure, OCI im einheitlichen Inventory

REST + CLI
Zugriff via REST-API und gcloud-CLI

0 USD
aktuell ohne zusätzliche Lizenzkosten

Drei Anwendungsfälle für DACH-Cloud-Architekten

Drei Klassen von Anwendungsfällen rechtfertigen den Aufwand, Cloud Location Finder in die eigene Architektur-Routine zu integrieren. Die erste Klasse betrifft die Multi-Cloud-Region-Auswahl. Wer eine Workload auf AWS in Frankfurt fährt und parallel eine GCP-Region für Failover oder Daten-Spiegelung sucht, bekommt mit Cloud Location Finder die nächstgelegenen GCP-Regionen samt Proximity-Indikator. Vorher war diese Information mehrere Anbieter-Dokumentationen tief vergraben.

Die zweite Klasse betrifft Datenresidenz-Audits. Wer in regulierten Branchen mit DORA-, NIS2- oder branchenspezifischen Anforderungen arbeitet, muss nachweisen können, dass bestimmte Daten ausschließlich in EU-Regionen verarbeitet werden. Cloud Location Finder liefert pro Anbieter eine maschinell auswertbare Liste mit Territory-Codes, was sowohl initiale Audits als auch laufende Compliance-Checks beschleunigt. FinOps-Teams nutzen die gleichen Daten für Cost-of-Compliance-Berechnungen.

Die dritte Klasse betrifft Carbon-Footprint-Optimierung. ESG-Reporting verlangt zunehmend, dass IT-Workloads nach Energie-Effizienz und CO2-Profil sortiert werden. Cloud Location Finder liefert Carbon-Footprint-Indikatoren pro Region, was die Auswahl für klimasensitive Workloads deutlich erleichtert. Für mittelständische Unternehmen, die ESG-Berichte schreiben oder CSRD-Pflichten haben, ist das eine willkommene Datengrundlage. Wer die Werte in seine Architektur-Entscheidungen einfließen lässt, hat im nächsten Aufsichtsrats-Briefing eine konkrete Datenlage.

Was Cloud Location Finder leistet

  • Einheitliche Region- und Zonen-Daten über vier Hyperscaler
  • API-basierter Zugriff für Architektur- und Compliance-Skripte
  • Carbon-Footprint-Indikatoren für ESG-relevante Auswahl
  • Proximity-Daten für Latenz-Optimierung im Multi-Cloud-Setup

Was Cloud Location Finder nicht leistet

  • Echtzeit-Latenzmessung zwischen Regionen
  • Verbindliche Compliance-Bescheinigung pro Anbieter
  • Standard-Support mit harten SLA, solange Pre-GA-Status gilt
  • Vollständige Abdeckung kleinerer Regional-Anbieter wie Hetzner, OVHcloud, IBM Cloud

Wie Cloud-Architekten den Service in 30 Tagen produktiv einsetzen

Vier Wochen reichen, um Cloud Location Finder in die eigene Architektur-Routine zu integrieren. Die folgende Schritt-Logik hat sich in mehreren DACH-Cloud-Teams bewährt.

Tag 1-3
API-Erkundung. Cloud Location Finder via gcloud-CLI ausprobieren, REST-Endpunkte testen, erste Datenextraktionen für die wichtigsten eigenen Cloud-Regionen.

Tag 4-7
Use-Case-Auswahl. Welche zwei oder drei Architektur-Fragen wollen wir mit dem Service beantworten? Multi-Cloud-Failover-Mapping? Datenresidenz-Audit? ESG-Reporting?

Tag 8-14
Skript-Integration. Cloud Location Finder in bestehende Infrastructure-as-Code-Pipelines, FinOps-Reporting oder Compliance-Dashboards integrieren. Erste Auswertung an die Architektur-Leitung.

Tag 15-21
Vertragsklärung. Pre-GA-Status mit der eigenen Rechtsabteilung abstimmen. Falls produktive Nutzung geplant ist, Risiko-Bewertung dokumentieren.

Tag 22-30
Reporting-Routine. Wöchentlicher oder monatlicher Auswertungs-Lauf. Ergebnis-Spreadsheet in das eigene Cloud-Steuerungs-Reporting aufnehmen, Architektur-Verantwortlichen briefen.

Was die Bewegung über den Service hinaus zeigt

Cloud Location Finder ist Teil einer breiteren Bewegung. AWS hat im April 2026 AWS Interconnect Multicloud GA ausgerollt, mit Google Cloud als erstem Launch-Partner und Azure-Anschluss in den nächsten Monaten. Microsoft Azure baut eigene Cross-Cloud-Plattform-Werkzeuge auf. Die Hyperscaler erkennen 2026 an, dass Multi-Cloud nicht mehr Ausnahme, sondern Realität ist. Wer Werkzeuge anbietet, die Multi-Cloud-Architekturen vereinfachen, gewinnt strategische Verankerung im Architektur-Stack der Kunden.

Für DACH-Cloud-Teams ist das eine pragmatische Botschaft. Die Zeit der Entweder-oder-Multi-Cloud-Diskussionen ist 2026 vorbei. Es geht um konkrete Werkzeuge, die in der Architektur-Praxis funktionieren und mit den eigenen Compliance-Anforderungen verzahnen. Cloud Location Finder ist ein erstes solches Werkzeug, das aktiv nutzbar ist und keine zusätzlichen Lizenzkosten verursacht. Die Hürde für den Einstieg ist niedrig.

Strategisch lohnt eine zweite Beobachtung. Die Hyperscaler bauen die Multi-Cloud-Vereinfachung selbst, statt sie Drittanbietern zu überlassen. Das verändert die Position spezialisierter Multi-Cloud-Tools wie HashiCorp Terraform, Pulumi und Crossplane. Diese bleiben relevant für Infrastruktur-Provisionierung, aber die Daten-Schicht für Standort- und Compliance-Themen wandert zu den Hyperscalern selbst. Wer in den nächsten 18 Monaten Architektur-Entscheidungen trifft, sollte diese Verschiebung im Hinterkopf haben.

Eine letzte Bemerkung zum Geschäftsmodell: Cloud Location Finder ist aktuell kostenlos. Das wird sich in der Pre-GA-Phase voraussichtlich nicht ändern. Mit dem Übergang zu GA und steigender Adoption ist eine Pricing-Diskussion möglich. FinOps-Teams sollten den Service in ihre Quartals-Reviews aufnehmen und Pricing-Änderungen frühzeitig kommunizieren. Wer den Service kritisch in die eigene Pipeline einbaut, sollte einen Plan B haben, falls die Hürden ändern. SaaS-Sprawl-Erfahrungen zeigen, dass kostenlose Tools im Lebenszyklus selten kostenlos bleiben. Eine bewusste Vertragsstrategie schützt vor späteren Überraschungen.

Häufige Fragen

Wann erreicht Cloud Location Finder den GA-Status?

Google Cloud hat keinen verbindlichen GA-Termin kommuniziert. Erfahrungswerte mit anderen GCP-Services lassen 2026 oder Anfang 2027 erwarten. Wer den Service produktiv nutzt, sollte die GA-Ankündigung aktiv beobachten und Vertragsbedingungen entsprechend anpassen.

Welche Daten liefert der Service konkret pro Region?

Region-ID, Zonen-IDs, geografische Lage, Territory-Code, Proximity-Werte zu anderen Regionen und Carbon-Footprint-Indikatoren. Die Datentiefe variiert leicht je Hyperscaler, das einheitliche Schema gilt für alle vier abgedeckten Anbieter.

Wie verhält sich der Service zu HashiCorp Terraform und Pulumi?

Cloud Location Finder ist ein Daten-Service, kein Provisioning-Tool. Terraform und Pulumi bleiben für Infrastruktur-Bereitstellung relevant. Cloud Location Finder kann als Daten-Quelle in Terraform-Module eingebaut werden, etwa für dynamische Region-Auswahl in Multi-Cloud-Setups.

Eignet sich der Service für Compliance-Audits in DACH?

Als Datengrundlage ja, als verbindliche Compliance-Bescheinigung nein. Wer im NIS2- oder DORA-Kontext nachweisen muss, dass Daten in EU-Regionen verarbeitet werden, kann Cloud Location Finder als Datenquelle nutzen. Die rechtliche Bescheinigung kommt weiterhin vom jeweiligen Hyperscaler.

Welche Pre-GA-Risiken sind operativ relevant?

Eingeschränkte SLA-Zusagen, möglicherweise Breaking Changes bei API-Updates und keine vollen Support-Verträge. Wer Cloud Location Finder in produktiven Pipelines nutzt, sollte einen Fallback haben und Updates aktiv beobachten.

Wie aktuell sind die Region-Daten?

Google Cloud aktualisiert das Inventar laut Dokumentation regelmäßig, ohne festes Update-Intervall zu nennen. Neue Regionen erscheinen typischerweise wenige Wochen nach offizieller Anbieter-Ankündigung. Wer hochaktuelle Daten braucht, sollte zusätzlich die jeweiligen Anbieter-Status-Seiten prüfen.

Quelle Titelbild: Pexels / Pixabay (px:269790)

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