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Das Wichtigste in Kürze
- Kubernetes ist De-facto-Standard für Container-Orchestrierung — aber nicht jedes Unternehmen braucht es
- Managed Kubernetes (EKS, AKS, GKE) reduziert den Betriebsaufwand massiv — aber nicht die Komplexität
- Alternativen: Docker Compose, AWS ECS/Fargate, Azure Container Apps — einfacher, oft ausreichend
- Kubernetes lohnt sich ab 10+ Microservices, Multi-Team-Betrieb und hohen Skalierungsanforderungen
- Platform Engineering als Trend: Interne Developer Platforms abstrahieren Kubernetes-Komplexität
Kubernetes hat die Containerisierung revolutioniert — und gleichzeitig eine Komplexitätsexplosion ausgelöst. Für Konzerne mit Hunderten Microservices ist K8s alternativlos. Für einen Mittelständler mit drei Anwendungen? Möglicherweise ein Overkill, der mehr Probleme schafft als löst. Die ehrliche Bewertung: Wann lohnt sich Kubernetes — und wann nicht?
Die Kubernetes-Versprechen — und die Realität
Kubernetes verspricht: automatische Skalierung, Self-Healing, deklarative Infrastruktur und Portabilität über Cloud-Provider hinweg. Das stimmt alles — aber es kommt zu einem Preis. Ein produktionsreifer Kubernetes-Cluster erfordert Expertise in Networking (CNI, Service Mesh), Storage (CSI, PV/PVC), Security (RBAC, Pod Security, Network Policies), Observability (Prometheus, Grafana) und CI/CD-Integration.
Für ein Unternehmen mit einem Plattform-Team von 5+ Engineers ist das machbar. Für eine IT-Abteilung mit 3 Generalisten ist es eine Überforderung, die von den eigentlichen Geschäftsanwendungen ablenkt.
Managed Kubernetes: Hilft, löst aber nicht alles
EKS, AKS und GKE übernehmen den Control-Plane-Betrieb. Das eliminiert das schwierigste Problem (etcd-Management, API-Server-Verfügbarkeit). Aber die Workload-Konfiguration — Deployments, Services, Ingress, RBAC, Secrets — bleibt beim Kunden. Und genau dort passieren die meisten Fehler.
Die ehrliche Rechnung: Managed K8s kostet 73 EUR/Monat (EKS) plus Worker-Nodes plus Load Balancer plus Storage. Für einen kleinen Cluster mit 3 Nodes und moderatem Traffic: 500-1.500 EUR/Monat — bevor eine einzige Anwendung deployt ist.
Alternativen, die oft besser passen
Docker Compose + ein einzelner Server: Für Anwendungen mit weniger als 1.000 gleichzeitigen Nutzern und ohne Auto-Scaling-Bedarf. Kosten: 50-200 EUR/Monat. Komplexität: minimal.
AWS ECS/Fargate oder Azure Container Apps: Container-Orchestrierung ohne Kubernetes-Komplexität. Serverless-Modell — kein Cluster-Management. Pay-per-Use. Für 80 Prozent der mittelständischen Container-Workloads ausreichend.
Platform-as-a-Service (Heroku, Railway, Render): Für Web-Anwendungen und APIs. Git-Push-to-Deploy. Kein Infrastruktur-Management. Teurer pro Compute-Unit, aber massiv günstiger in Personalkosten.
Wann Kubernetes sich wirklich lohnt
Kubernetes ist die richtige Wahl, wenn: mehr als 10 Microservices betrieben werden, mehrere Teams unabhängig deployen müssen, Auto-Scaling bei variablem Traffic benötigt wird, Multi-Cloud-Portabilität strategisch wichtig ist oder ein Platform-Engineering-Team die Komplexität abstrahieren kann.
Der Trend Platform Engineering unterstreicht das: Kubernetes wird nicht direkt von Entwicklern genutzt, sondern durch eine interne Developer Platform abstrahiert. Backstage (Spotify), Kratix und Port bieten Frameworks dafür. Das Ergebnis: Entwickler deployen per Self-Service, das Platform-Team managed Kubernetes unter der Haube.
Häufige Fragen
Kann ich Kubernetes später einführen, wenn ich jetzt mit ECS starte?
Ja, und das ist oft der klügere Weg. Containerisierte Anwendungen (Docker) sind portabel — der Wechsel von ECS zu Kubernetes erfordert primär neue Deployment-Konfigurationen (Helm Charts statt Task Definitions), nicht Anwendungs-Änderungen.
Was kostet ein Kubernetes-Engineer?
In Deutschland: 70.000-100.000 EUR/Jahr. Das ist der versteckte Kostenfaktor: Kubernetes ist Open Source und kostenlos — aber das Personal für Betrieb und Optimierung ist teuer. Managed K8s reduziert den Aufwand, eliminiert ihn aber nicht.
Gibt es Kubernetes-as-a-Service ohne die Komplexität?
Ja, zunehmend. Google Cloud Run, Azure Container Apps und AWS App Runner bieten Container-Hosting mit Kubernetes unter der Haube, aber ohne direkte K8s-API-Exposition. Für Standardanwendungen die pragmatischste Lösung.
Was ist Platform Engineering?
Platform Engineering baut interne Developer Platforms, die Infrastruktur-Komplexität (inkl. Kubernetes) abstrahieren. Entwickler interagieren mit einem Self-Service-Portal statt mit kubectl. Das Platform-Team garantiert Compliance, Security und Observability.
Brauche ich Kubernetes für Microservices?
Nicht zwingend. Microservices laufen auch auf ECS, Fargate oder Cloud Run. Kubernetes bietet Vorteile bei komplexen Service-Meshes (Istio, Linkerd) und Multi-Cluster-Setups — aber für 5-10 Microservices ist das selten nötig.
Quelle des Titelbildes: Pexels / cottonbro studio