9 Januar 2026

8 Min. Lesezeit

Die CES 2026 in Las Vegas hat geliefert: Rollbare Laptop-Displays, WiFi 8, KI-Beschleuniger in Tastaturen und SSDs jenseits der 7.000 MB/s. Doch was davon ist für IT-Entscheider und Tech-Teams wirklich relevant? Ein Überblick über die Produkte, die den Arbeitsalltag verändern – und die Trends, die man ignorieren kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dell hat die XPS-Reihe mit XPS 14 und XPS 16 komplett überarbeitet: Intel Core Ultra Series 3, Tandem-OLED-Displays und deutlich längere Akkulaufzeiten.
  • ASUS zeigt mit dem Zenbook Duo zwei 14-Zoll-3K-OLED-Touchscreens in einem Gerät, das mobiles Multitasking grundlegend verändert.
  • AMD stellt die Ryzen AI 400 Serie vor und positioniert KI-Beschleunigung von der Workstation bis zum Edge-Device.
  • Die ersten WiFi-8-Router versprechen stabilere Performance über längere Distanzen und bessere Kommunikation mit IoT-Geräten.
  • SanDisk launcht die Optimus-SSD-Reihe mit bis zu 7.250 MB/s über PCIe 4.0. HP baut einen vollständigen KI-PC in eine Tastatur.

Laptops: Dell XPS kehrt zurück, ASUS setzt auf Dual-Screen

Dell hat auf der CES die XPS-Reihe neu aufgelegt. Das XPS 14 und XPS 16 kommen mit Intels Core Ultra Series 3 Prozessoren, Tandem-OLED-Displays und einem vollständig überarbeiteten Aluminium-Gehäuse. Für Entwicklerteams relevant: Die Kombination aus langer Akkulaufzeit und leistungsfähigen NPUs für lokale KI-Inferenz macht die Geräte zu ernsthaften Arbeitsmaschinen für unterwegs. Dell verspricht bis zu 26 Stunden Laufzeit beim XPS 16 und hat den Thunderbolt-5-Support integriert, der externe GPU-Docks und schnelle Storage-Anbindung in einem Kabel bündelt.

ASUS geht einen anderen Weg. Das Zenbook Duo 2026 verbindet zwei 14-Zoll-3K-OLED-Touchscreens in einem einzigen Gerät. Ein Projekt auf dem einen Display, Slack und Dokumentation auf dem anderen. Das klingt nach einem Nischenprodukt, löst aber ein reales Problem: Wer regelmäßig zwischen IDE, Terminal und Kommunikationstools wechselt, verliert mit einem einzelnen Bildschirm messbar Produktivität. Die beiden Displays lassen sich magnetisch verbinden und als ein großes 21-Zoll-Panel nutzen. Für Architektur-Reviews oder Dashboard-Arbeit unterwegs eine interessante Option.

Samsung hat die Galaxy-Book6-Familie vorgestellt, gebaut auf Intels Panther-Lake-Chips. Dünner, bessere Thermik, längere Akkulaufzeit. Die Geräte zielen auf Enterprise-Flotten und lassen sich über Samsung Knox verwalten. Knox bietet Zero-Touch-Enrollment, Remote-Wipe und granulare Richtlinienkontrolle. Für IT-Abteilungen, die standardisierte Hardware für Hunderte von Arbeitsplätzen ausrollen, eine relevante Alternative zu Lenovo ThinkPad und Dell Latitude.

Acer ergänzt die Laptop-Parade mit dem Swift 16 AI und dem Predator Helios Neo 16S AI, beide mit Intel Core Ultra Series 3. Der Swift zielt auf produktive Wissensarbeiter, der Predator auf Power-User, die lokale KI-Workloads mit Gaming-Performance kombinieren wollen. Beide Geräte tragen Microsofts Copilot+-Zertifizierung, was eine Mindestleistung der integrierten NPU garantiert.

7.250 MB/s
SanDisk Optimus GX 7100M

23,8 Zoll
Lenovo Legion Pro Rollable (max.)

64 GB RAM
HP EliteBoard G1a (KI-Tastatur-PC)

KENNZAHL
7.000
MB/s. Doch was davon ist für IT-Entscheider und Tech-Teams
KENNZAHL
7.250
MB/s über PCIe 4.0. HP baut einen vollständigen KI-PC in ei

Formfaktor-Experimente: Rollbare Displays und KI in der Tastatur

Lenovo hat mit dem Legion Pro Rollable das auffälligste Gerät der Messe gezeigt. Ein Gaming-Laptop, dessen flexibles OLED-Panel sich per Tastenkürzel von 16 auf 21,5 oder sogar 23,8 Zoll erweitert. Klingt nach Spielerei, aber der Anwendungsfall für IT-Profis liegt auf der Hand: ein transportables Gerät, das am Schreibtisch zum vollwertigen Desktop-Ersatz wird. Die Frage ist, ob Haltbarkeit und Preis stimmen. Lenovo hat dazu noch keine Details genannt.

HP geht einen völlig anderen Weg. Das EliteBoard G1a ist ein vollständiger KI-PC, verbaut in einer Tastatur. AMD Ryzen AI 300, bis zu 64 GB RAM, bis zu 2 TB Storage, Stereo-Lautsprecher und Unterstützung für zwei 4K-Displays. Für Thin-Client-Szenarien, Kiosk-Systeme oder Clean-Desk-Konzepte ist das eine konsequente Antwort auf die Frage, wie wenig Platz ein vollwertiger Arbeitsplatz braucht. Der Formfaktor eliminiert das Gehäuse komplett. Strom, Peripherie und Netzwerk laufen über einen einzelnen USB-C-Hub. Ob Enterprise-IT-Abteilungen bereit sind, den Desktop-Tower gegen eine Tastatur zu tauschen, wird sich zeigen.

„Die CES 2026 zeigt einen klaren Trend: KI-Beschleunigung wandert aus dem Rechenzentrum in jedes Endgerät. Was vor zwei Jahren ein Server-Feature war, steckt heute in Laptops, Tastaturen und Routern.“

KI-Hardware: AMD setzt auf NPUs vom Rechenzentrum bis zum Edge

AMD hat in Las Vegas die Ryzen AI 400 Serie vorgestellt. Die neuen Prozessoren bringen dedizierte Neural Processing Units mit, die lokale KI-Inferenz ohne Cloud-Anbindung ermöglichen. Für IT-Teams bedeutet das: Aufgaben wie Code-Completion, lokale Spracherkennung oder Dokumentenanalyse laufen direkt auf dem Gerät. Keine Latenz, keine Daten in der Cloud, keine laufenden API-Kosten.

Parallel dazu hat AMD den MI440X GPU für Enterprise-Workloads gezeigt. Zusammen mit der Ryzen AI Halo Entwicklerplattform entsteht ein durchgängiges Ökosystem von der Workstation bis zum Rechenzentrum. Intel kontert mit den Core Ultra Series 3 Prozessoren, die in fast allen neuen Laptops von Dell, Samsung und ASUS stecken. Der Wettbewerb um die beste NPU-Leistung pro Watt wird 2026 die Kaufentscheidung für Unternehmens-Hardware prägen.

Microsoft flankiert den Hardware-Trend mit der Copilot+-Initiative. Jeder Laptop, der das Copilot+-Label trägt, muss eine NPU-Mindestleistung von 40 TOPS (Tera Operations Per Second) nachweisen. Das schafft einen Qualitätsstandard, der IT-Einkäufern die Vergleichbarkeit erleichtert. Gleichzeitig bindet es die Hardware enger an das Windows-Ökosystem. Wer Linux-Workstations beschafft, profitiert von der NPU-Hardware, muss die Software-Integration aber selbst stemmen. Frameworks wie ONNX Runtime und OpenVINO bieten hier Brücken, sind aber noch nicht so nahtlos integriert wie Microsofts hauseigene Copilot-Schnittstellen. Für heterogene IT-Landschaften bleibt das ein Faktor bei der Beschaffungsentscheidung.

Peripherie: SSDs, smarte Tastaturen und selbstladende Mäuse

SanDisk hat mit der Optimus-Marke eine neue SSD-Generation vorgestellt. Die GX 7100M liefert bis zu 7.250 MB/s über PCIe 4.0. Für Entwickler, die große Container-Images bauen oder ML-Datensätze lokal verarbeiten, macht die Geschwindigkeit einen spürbaren Unterschied im Arbeitsalltag. Die Optimus-Reihe positioniert sich zwischen Consumer-SSDs und Enterprise-NVMe-Drives, was sie für Power-User und kleine Teams attraktiv macht, die keine Server-Grade-Hardware brauchen.

Bei den Tastaturen setzt Cherry auf die neue TMR-Technologie (Tunneling Magnetoresistance) für Gaming-Keyboards. TMR ermöglicht analoge Eingabeerkennung pro Taste. Jeder Tastendruck wird nicht nur als An/Aus registriert, sondern als Wert auf einer Skala. Für Entwickler ist das weniger relevant als für Gamer, aber die zugrundeliegende Technologie könnte adaptive Keyboard-Layouts ermöglichen, bei denen Tasten kontextabhängig reagieren.

Corsair bringt mit der Galleon 100 SD eine Tastatur mit eingebautem Elgato Stream Deck und 8K-Polling-Rate. Für Streamer und Content-Creator gedacht, aber die Macro-Tasten und das integrierte Display sind auch für DevOps-Engineers interessant, die Deployment-Pipelines, Server-Status oder Build-Ergebnisse auf einen Blick sehen wollen.

Lenovo zeigt selbstladende Tastaturen und Mäuse, die sich über Innenraumlicht mit Energie versorgen. Für IT-Administratoren, die Hunderte von Arbeitsplätzen ausstatten, könnte das den Batterie-Wartungsaufwand eliminieren. Keine Batterie-Bestellungen, keine Support-Tickets wegen leerer Mäuse, keine Elektroschrott-Entsorgung. Bei einem typischen Büro mit 200 Arbeitsplätzen summiert sich das auf einen messbaren Zeitgewinn für das IT-Team.

Netzwerk: WiFi 8 kommt, aber nicht sofort

Die größte Infrastruktur-Neuigkeit kommt aus dem Netzwerkbereich: Die ersten WiFi-8-Router wurden auf der CES gezeigt. Der neue Standard verspricht stabilere Performance über längere Distanzen, verbesserte Zwei-Wege-Kommunikation mit stromsparenden IoT-Geräten und weniger Interferenzen in dichten Netzwerken. Für Unternehmen mit hybriden Arbeitsmodellen und wachsender IoT-Infrastruktur ein relevanter Schritt.

Der Zeitplan ist realistisch: WiFi 8 wird 2026 in ersten Routern verfügbar sein, aber die breite Endgeräte-Unterstützung kommt erst 2027. Wer heute Access Points austauscht, sollte WiFi 7 als Basisstandard setzen und die Infrastruktur so planen, dass ein späteres Firmware-Upgrade auf WiFi 8 möglich ist. Die meisten Enterprise-AP-Hersteller haben angekündigt, bestehende WiFi-7-Hardware per Software-Update auf Teile des WiFi-8-Standards zu bringen.

Technisch bringt WiFi 8 (IEEE 802.11bn) vor allem Multi-AP-Coordination. Mehrere Access Points kommunizieren untereinander und teilen Clients dynamisch zu, statt dass jeder AP isoliert arbeitet. In Bürogebäuden mit hoher AP-Dichte reduziert das Interferenzen messbar. Außerdem verbessert der Standard die Energieeffizienz für batteriebetriebene IoT-Sensoren, was in Logistik- und Fertigungsumgebungen den Wartungsaufwand für Sensornetze senkt.

Smart Home und IoT: Matter wird zum Standard

Abseits der großen Bühnen hat die CES 2026 einen leisen Trend bestätigt: Matter setzt sich als herstellerübergreifender Smart-Home-Standard durch. Fast jeder neue Router, Hub und Sensor unterstützt das Protokoll. Für IT-Profis ist das aus zwei Gründen relevant. Erstens: Matter ermöglicht lokale Steuerung ohne Cloud-Zwang, was Datenschutz-Bedenken im Home Office adressiert. Zweitens: Thread als Mesh-Netzwerk-Schicht unter Matter reduziert die Abhängigkeit von WiFi und Bluetooth für IoT-Geräte, was die Netzwerkarchitektur in Unternehmen mit vielen Sensoren vereinfacht.

Philips Hue, eines der größten Smart-Home-Ökosysteme, hat auf der CES angekündigt, die lokale API weiter auszubauen. Geräte lassen sich vollständig ohne Cloud-Anbindung steuern. Für sicherheitsbewusste IT-Verantwortliche, die Smart-Lighting im Büro oder Home Office einsetzen, ein wichtiger Schritt. Kein Traffic nach außen, keine Abhängigkeit von Drittanbieter-Servern, volle Kontrolle über das lokale Netzwerk.

Was IT-Teams wirklich mitnehmen sollten

Nicht jedes CES-Produkt schafft es in den Unternehmensalltag. Die rollbaren Displays und holografischen KI-Assistenten sind Technologie-Demonstrationen, keine Beschaffungsliste. Was 2026 tatsächlich in IT-Budgets auftauchen wird: Laptops mit integrierten NPUs für lokale KI-Inferenz, WiFi 8 für die nächste Netzwerk-Generation und schnelle NVMe-SSDs als Standard.

Vier konkrete Handlungsempfehlungen für IT-Entscheider:

Erstens: Bei der nächsten Laptop-Beschaffung auf NPU-Leistung achten. Lokale KI-Inferenz wird 2026 vom Nice-to-have zum Produktivitäts-Feature. Dell XPS, Samsung Galaxy Book6 und ASUS Zenbook liefern hier ernst zu nehmende Optionen.

Zweitens: WiFi 8 auf die Roadmap setzen. Der Rollout wird 2026 beginnen, aber die Infrastrukturplanung sollte jetzt starten. Besonders wenn IoT-Devices und hybride Arbeitsplätze zunehmen, wird die verbesserte Geräte-Kommunikation den Unterschied machen.

Drittens: Die SSD-Generation 2026 ermöglicht lokale Workflows, die bisher Cloud-Anbindung erfordert haben. Wer ML-Workloads oder Container-Builds beschleunigen will, sollte die neuen PCIe-4.0-Drives evaluieren. Die Preise für NVMe-Storage fallen seit Monaten, während die Kapazitäten steigen.

Viertens: Matter und Thread als Smart-Home-Standards auf dem Radar behalten. Wer IoT-Geräte im Unternehmen oder für Remote-Arbeitsplätze plant, profitiert von der herstellerübergreifenden Kompatibilität und der Option auf rein lokale Steuerung ohne Cloud-Abhängigkeit.

Häufige Fragen

Welche CES-2026-Produkte sind für Unternehmen sofort verfügbar?

Die meisten vorgestellten Laptops wie Dell XPS 14/16 und Samsung Galaxy Book6 sollen im ersten Halbjahr 2026 erscheinen. WiFi-8-Router werden voraussichtlich ab Mitte 2026 verfügbar sein. Die SanDisk Optimus SSDs sind bereits angekündigt und sollen zeitnah in den Handel kommen.

Lohnt sich der Umstieg auf WiFi 8 schon 2026?

Für die meisten Unternehmen noch nicht. WiFi 8 bringt echte Vorteile bei IoT-Integration und Netzwerkdichte, aber die Endgeräte müssen den Standard erst unterstützen. 2026 ist der richtige Zeitpunkt für die Planung, nicht für den flächendeckenden Rollout. Wer heute Access Points beschafft, sollte WiFi 7 als Basis wählen und auf Upgrade-Fähigkeit achten.

Was bedeutet die NPU-Integration in Laptops für die IT-Sicherheit?

Lokale KI-Inferenz über NPUs kann die Datensicherheit verbessern, weil sensible Daten nicht in die Cloud geschickt werden müssen. Gleichzeitig entstehen neue Angriffsvektoren auf die NPU-Firmware. IT-Sicherheitsteams sollten die NPU-Verwaltung in ihre Endpoint-Security-Strategie aufnehmen und prüfen, welche KI-Modelle auf Unternehmensgeräten ausgeführt werden dürfen.

Sind rollbare Laptop-Displays praxistauglich?

Stand CES 2026 sind sie Technologie-Demonstrationen. Das Lenovo Legion Pro Rollable zeigt das Potenzial, aber Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Preis sind noch unklar. Für Enterprise-Einsatz wird es frühestens 2027 relevant, wenn die zweite Generation mit Erfahrungswerten aus dem Consumer-Markt kommt.

Quelle Titelbild: Pexels / Matheus Bertelli (px:25809226)

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