22 März 2026

4 Min. Lesezeit

IBM hat HashiCorp für 6,4 Milliarden US-Dollar übernommen. Terraform steht unter der Business Source License. Und OpenTofu, der Open-Source-Fork, verzeichnet 300 Prozent jährliches Wachstum bei mittlerweile 9,8 Millionen Downloads. Für Cloud-Architekten und DevOps-Teams in DACH-Unternehmen stellt sich die Frage nicht mehr ob, sondern wann sie ihre IaC-Strategie neu bewerten. Dieser Praxischeck zeigt, was die Übernahme konkret verändert, wie eine Migration aussieht und wann sie sich lohnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • IBM schloss die HashiCorp-Übernahme für 6,4 Milliarden USD am 27. Februar 2025 ab (The Register).
  • 38 Prozent der Terraform-Nutzer evaluieren oder migrieren bereits zu OpenTofu (Spacelift Survey, Q4 2024).
  • OpenTofu: 9,8 Millionen Downloads, 300 Prozent jährliches Wachstum, CNCF-Mitglied seit April 2025.
  • Fidelity migrierte 50.000+ State Files mit über 4 Millionen Ressourcen von Terraform zu OpenTofu.
  • BSL betrifft nicht den internen Betrieb, aber Managed Services, Reselling und Embedding von Terraform-Funktionalität.

Was die IBM-Übernahme für Terraform-Nutzer bedeutet

Am 27. Februar 2025 schloss IBM die Übernahme von HashiCorp für 6,4 Milliarden USD ab. Damit gehören Terraform, Vault, Consul und Nomad jetzt einem Enterprise-Konzern, der traditionell auf lange Vertragslaufzeiten und Plattform-Lock-in setzt.

Für den reinen internen Betrieb ändert sich kurzfristig wenig. Terraform bleibt funktional, die Community Edition ist weiterhin verfügbar. Aber die Business Source License (BSL), die HashiCorp im August 2023 einführte, hat die Spielregeln verändert: Wer Terraform-Funktionalität in eigene Produkte einbettet, als Managed Service anbietet oder weiterverkauft, braucht eine kommerzielle Lizenz. Unter IBM-Führung dürfte sich dieser Kurs eher verschärfen als lockern.

Die Konsequenz für IT-Leiter: Wer heute Terraform nutzt, sollte seine Lizenz-Exposure kennen. Welche Teams nutzen Terraform wie? Gibt es interne Plattformen, die Terraform-Runs als Service bereitstellen? Werden Terraform-Module an Kunden weitergegeben? Jede dieser Fragen kann unter der BSL relevant werden.

38 %
der Terraform-Nutzer evaluieren oder migrieren bereits zu OpenTofu
Quelle: Spacelift Survey, Q4 2024

OpenTofu: Vom Fork zum ernsthaften Konkurrenten

OpenTofu startete im September 2023 als direkte Reaktion auf die BSL-Lizenzänderung. Was als Community-Protest begann, hat sich zu einem tragfähigen Projekt entwickelt. Die Zahlen sprechen für sich: 9,8 Millionen Downloads, 300 Prozent jährliches Wachstum und seit April 2025 ein offizielles CNCF-Projekt (Cloud Native Computing Foundation) auf Sandbox-Level.

Der technische Unterbau ist identisch: OpenTofu nutzt dieselbe HCL-Syntax (HashiCorp Configuration Language), dieselbe State-Datei-Struktur und ist mit den meisten Terraform-Providern kompatibel. Ein Wechsel auf Code-Ebene ist in vielen Fällen ein Suchen-und-Ersetzen von „terraform“ durch „tofu“ in den CI/CD-Pipelines.

Aber OpenTofu geht über den reinen Fork hinaus. Eigene Features wie Client-Side State Encryption (Verschlüsselung der State-Datei ohne externe Tools), ein Provider-agnostisches Registry und eine verbesserte Modulstruktur differenzieren das Projekt zunehmend von seinem Ursprung.

Wer bereits migriert hat und warum

Die Liste der frühen Adopter liest sich wie ein Who’s Who der regulierten Industrien. Fidelity Investments migrierte über 50.000 State Files mit mehr als 2.000 Anwendungen und 4 Millionen verwalteten Ressourcen. Der Grund: regulatorische Bedenken bezüglich der BSL und die Abhängigkeit von einem einzelnen Vendor für kritische Infrastruktur.

Bei Spacelift, einem der größten IaC-Management-Plattformen, laufen mittlerweile 50 Prozent aller Deployments auf OpenTofu statt Terraform. Der Trend ist eindeutig: Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen und solche, die eigene Plattform-Services auf Basis von IaC-Tools anbieten, migrieren zuerst.

Für DACH-Unternehmen ist besonders der Souveränitätsaspekt relevant. Ein Open-Source-Tool unter MPL 2.0 Lizenz gibt mehr Kontrolle als ein BSL-lizenziertes Produkt eines US-Konzerns. In regulierten Branchen wie Finanzdienstleistung und Gesundheitswesen kann das den Unterschied machen.

OpenTofus Engagement für Open-Source-Prinzipien spiegelt die gemeinsame Vision wider, zugängliche und zuverlässige Werkzeuge bereitzustellen, die die Tech-Community stärken.
Sinngemäß nach Chris Aniszczyk, CTO, Cloud Native Computing Foundation (CNCF)

Migration: Was es wirklich kostet

Die gute Nachricht: Eine Migration von Terraform zu OpenTofu ist technisch vergleichsweise einfach. Die State-Dateien sind kompatibel. Die HCL-Syntax ist identisch. Die meisten Provider funktionieren auf beiden Plattformen.

Die Herausforderungen liegen im Detail:

Provider-Registry: OpenTofu nutzt ein eigenes Registry, das nicht alle Terraform-Provider enthält. Vor der Migration: Provider-Liste gegen das OpenTofu-Registry abgleichen. Fehlende Provider müssen manuell konfiguriert oder aus dem HashiCorp-Registry referenziert werden.

CI/CD-Pipelines: Terraform Cloud und Terraform Enterprise sind nicht kompatibel mit OpenTofu. Wer diese nutzt, braucht eine Alternative: Spacelift, env0, Scalr oder eine eigene Plattform. Das ist oft der aufwändigste Teil der Migration.

Team-Training: Minimal. Die Syntax ist identisch. Das Tooling unterscheidet sich nur in Details. Ein halber Tag Onboarding reicht für die meisten Teams.

Gesamtaufwand: Für ein Team mit 20 bis 50 State Files: 2 bis 4 Wochen. Für Enterprise-Setups wie Fidelity (50.000+ State Files): 3 bis 6 Monate mit dediziertem Migrationsteam.

Terraform, OpenTofu oder Pulumi? Entscheidungsmatrix

Die Wahl hängt von drei Faktoren ab: Lizenzrisiko, Ökosystem-Bedarf und Team-Kompetenz.

Terraform bleibt sinnvoll wenn: Ihr interner Betrieb unter die BSL-Nutzungsrechte fällt, euer Team tief in das HashiCorp-Ökosystem (Vault, Consul) integriert ist und ihr Terraform Cloud/Enterprise nutzt. IBM wird Terraform nicht sterben lassen, es ist zu wertvoll.

OpenTofu ist die richtige Wahl wenn: Ihr Managed Services auf Basis von IaC anbietet, regulatorische Anforderungen an Open-Source-Transparenz habt, euch die BSL-Klauseln Sorgen machen oder ihr grundsätzlich Vendor-Lock-in minimieren wollt.

Pulumi verdient einen Blick wenn: Euer Team lieber in TypeScript, Python oder Go als in HCL schreibt, ihr Infrastructure-as-Software statt Infrastructure-as-Code bevorzugt und von Null startet. Migration von Terraform/OpenTofu zu Pulumi ist aufwändig.

Fidelity Investments Migration
50.000+
State Files von Terraform zu OpenTofu migriert

Quelle: IDE.com / Fidelity, 2025

Was IT-Leiter jetzt tun sollten

1. Lizenz-Audit durchführen. Wie nutzen eure Teams Terraform? Interner Betrieb, Plattform-Service, Kundenprojekte? Die BSL-Grenzen genau verstehen.

2. State-Inventar erstellen. Wie viele State Files, wie viele Ressourcen, welche Provider? Das ist die Basis für eine Aufwandsschätzung.

3. OpenTofu in einer Sandbox testen. Einen nicht-kritischen Workload migrieren und das Team zwei Wochen damit arbeiten lassen. Die Kompatibilität selbst verifizieren.

4. CI/CD-Alternative evaluieren. Wenn ihr Terraform Cloud nutzt: Spacelift, env0 oder Scalr als Alternativen testen. Das ist oft der eigentliche Blocker.

5. Entscheidung dokumentieren. Ob ihr bei Terraform bleibt oder migriert – die Entscheidung muss begründet und nachvollziehbar sein. Regulatoren fragen nach.

Fazit

Die IBM-Übernahme von HashiCorp hat die IaC-Landschaft gespalten. OpenTofu ist kein Protest-Fork mehr, sondern eine ernstzunehmende Alternative mit CNCF-Backing, Enterprise-Referenzen und wachsendem Ökosystem. Für DACH-Unternehmen mit regulatorischen Anforderungen oder BSL-Exposure lohnt sich die Evaluation jetzt. Die Migration ist technisch überschaubar, der eigentliche Aufwand steckt in der CI/CD-Umstellung. Wer heute seine Lizenz-Exposure kennt und OpenTofu in der Sandbox getestet hat, ist vorbereitet. Egal in welche Richtung IBM Terraform steuert.

Häufige Fragen

Ist OpenTofu wirklich kompatibel mit Terraform?

Auf State-Ebene und HCL-Syntax ja. Die meisten Terraform-Provider funktionieren ohne Änderung. Inkompatibilitäten gibt es bei Terraform Cloud/Enterprise-spezifischen Features und bei einigen neueren Provider-Versionen, die nur im HashiCorp-Registry verfügbar sind.

Muss ich bei internem Terraform-Einsatz die BSL fürchten?

Für rein internen Betrieb ist die BSL kein Problem. Kritisch wird es, wenn du Terraform-Funktionalität als Service anbietest, in eigene Produkte einbettest oder an Kunden weiterverkaufst. Die Grenzen sind nicht immer eindeutig, deshalb lohnt sich ein Lizenz-Audit.

Wie lange dauert eine Migration zu OpenTofu?

Für kleine Teams mit 20 bis 50 State Files: 2 bis 4 Wochen. Für Enterprise-Setups: 3 bis 6 Monate. Der größte Aufwand liegt nicht im Code-Wechsel (oft nur Suchen-und-Ersetzen), sondern in der CI/CD-Pipeline-Umstellung und dem Provider-Registry-Abgleich.

Was passiert mit Vault und Consul unter IBM?

Auch Vault und Consul stehen unter der BSL. IBM wird diese Produkte weiter entwickeln, aber die Preispolitik dürfte sich in Richtung Enterprise-Lizenzmodelle verschieben. Für Vault gibt es mit OpenBao einen Open-Source-Fork, für Consul ist die Situation weniger eindeutig.

Ist Pulumi eine Alternative zu beiden?

Pulumi nutzt echte Programmiersprachen statt HCL. Das ist ein Vorteil für Teams mit starker Entwickler-Kultur, aber ein Nachteil für Ops-Teams ohne Coding-Background. Eine Migration von Terraform/OpenTofu zu Pulumi ist aufwändig, weil die gesamte Infrastruktur-Definition neu geschrieben werden muss. Sinnvoll vor allem bei Greenfield-Projekten.

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Quelle Titelbild: Pexels / Lukas (px:546819)

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