Cloud-Knappheit: Was Q2 für Einkäufer bedeutet
AWS wächst um 37 Prozent. Andy Jassy nennt die Kapazität bis 2027 zugleich knapp. Was das für Cloud-Einkäufer in DACH bei Preis und Vertrag bedeutet.
Amazon meldete am 30. Juli 2026 für AWS rund 36,8 Milliarden Euro Umsatz und das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen. CEO Andy Jassy sagte zugleich: Selbst mit stark erhöhten Investitionen reiche die Kapazität 2026 und voraussichtlich 2027 nicht für die gesamte Nachfrage. Für Cloud-Einkäufer in DACH ändert das die Verhandlungslogik.
Das Wichtigste in Kürze
- Kapazität knapper als Preise. Die drei Hyperscaler belegen starke Nachfrage und hohe Investitionen. Eine flächendeckende Listenpreiserhöhung steht in den geprüften Quellen nicht.
- Auftragsbestände steuern den Markt. AWS und Microsoft weisen dreistellige Milliarden-Backlogs aus. Verfügbarkeit entsteht Monate vor der Bestellung.
- Vorlauf und Commitments zählen. Wer Kapazität will, plant früher und bindet Volumen. Wer wie 2022 verhandelt, arbeitet gegen einen Markt, den es so nicht mehr gibt.
Verwandt:Kleine Modelle fressen große GPU-Budgets durch Prealloc / Mistral füttert Microsoft mit europäischen GPUs
Was die Q2-Zahlen der drei Anbieter zeigen
Die Juli-Berichte von Amazon, Microsoft und Alphabet zeichnen dasselbe Bild: Cloud- und KI-Nachfrage wächst schneller als fertige Kapazität. Die Kennzahlen gehören in die Übersicht, nicht in jeden Satz.
| Kennzahl (Q2 / Stand 2026) | Amazon AWS | Microsoft | Alphabet / Google Cloud |
|---|---|---|---|
| Cloud-Umsatz | ~36,8 Mrd. Euro | Azure +43 % YoY Konzern ~78,4 Mrd. Euro |
~21,6 Mrd. Euro |
| Wachstum | +37 % (schnellstes seit 18 Quartalen) | Azure +43 %, Konzern +18 % | +82 % |
| Operatives Ergebnis | ~14,5 Mrd. Euro Vorjahr ~8,9 Mrd. Euro |
– | ~7,7 Mrd. Euro Vorjahr ~2,4 Mrd. Euro |
| Auftragsbestand | ~432 Mrd. Euro | ~591 Mrd. Euro Cloud plus ~287 Mrd. Euro noch nicht begonnene RZ-Leasingverträge |
nicht ausgewiesen |
| Capex im Quartal | ~47,2 Mrd. Euro (+68 %) | ~35,7 Mrd. Euro (+70 %) | ~39,1 Mrd. Euro |
| Capex-Plan 2026 | ~192 Mrd. Euro | ~153 Mrd. Euro nach Leasing-Umbuchung |
~170-179 Mrd. Euro |
| Zusatz (annualisiert) | Umsatz ~147 Mrd. Euro; KI und Chips je >21,8 Mrd. Euro | – | – |
| Freier Cashflow | ~−6,6 Mrd. Euro (12 Monate) | – | ~−5,1 Mrd. Euro (Quartal) |
Quellen: Amazon Investor Relations 30.07.2026, Microsoft / Reuters 29.07.2026, Alphabet 22.07.2026. Originalwerte in US-Dollar, Euro-Beträge gerundet zum Kurs vom 4. August 2026 (1 Euro = 1,1476 US-Dollar).
Die Tabelle macht die Parallelität sichtbar: Wachstum und Investitionen laufen bei allen dreien auf Rekordniveau. Wer nur den einzelnen Umsatz liest, verfehlt die eigentliche Nachricht. Der Markt ist überbucht, die Anbieter investieren vor und verdienen später.
Warum die Auftragsbestände die eigentliche Nachricht sind
Umsatz und Wachstum zeigen die laufende Periode. Auftragsbestände zeigen, was schon gebunden ist und noch abzuarbeiten bleibt. Bei AWS und Microsoft liegen die Backlogs im dreistelligen Milliardenbereich. Zusätzlich hat Microsoft noch nicht begonnene Rechenzentrums-Leasingverträge in ähnlicher Größenordnung.
Diese Größenordnungen erklären, warum Kapazität zur Engpassgröße wird. Die Anbieter bauen, buchen und leasen parallel. Die Nachfrage läuft den fertigen Ressourcen voraus. Für Einkäufer heißt das: Verfügbarkeit entsteht weniger am Tag der Bestellung. Sie entsteht Monate früher in Planung, Reservierung und vertraglicher Bindung.
Was Knappheit für Vorlaufzeiten und Commitments bedeutet
Andy Jassy, President and CEO von Amazon, sagte über Reuters am 30. Juli 2026: "Even at that amount, we will still not have enough capacity to meet all of the demand we have in 2026 … I believe this dynamic will also be true in 2027 too." Anat Ashkenazi, CFO von Alphabet, sagte über CNBC am 22. Juli 2026: "We're still in a supply-constrained environment … we are seeing very strong demand both from external cloud customers as well as across the business."
Beide Aussagen ordnen die Lage klar ein. Die Anbieter sprechen offen von knapper Kapazität und starker Nachfrage. Für DACH-Einkäufer folgt daraus eine praktische Konsequenz. Wer GPU-lastige Workloads, große Trainingsfenster oder neue Regionen braucht, muss Vorlaufzeiten als Planungsgröße behandeln. Kurzfristige Spot-Annahmen werden riskanter.
Der Investor Gavin Baker schrieb am 28. Juli 2026 auf X, Spot-Preise für gemietete GPU-Rechenleistung lägen mindestens doppelt so hoch wie vertraglich vereinbarte Raten. Das ist eine Analystenbeobachtung und keine Preisliste eines Anbieters. Sie stützt dennoch die Einkaufslogik: vertraglich gesicherte Kapazität und klare Commitments gewinnen gegenüber reiner Flexibilität an Wert. Reserved Instances und Committed Use werden damit zum Steuerungsinstrument für Verfügbarkeit. Die Rabattwirkung ist nur noch der zweite Effekt.
Der negative freie Cashflow bei Amazon und Alphabet unterstreicht dieselbe Spannungslage: Die Anbieter investieren vor und verdienen später. Kunden, die früh Volumen zusagen, passen in dieses Modell besser als Kunden mit rein kurzfristigem Bedarf.
Was in den Quellen nicht belegt ist
In den geprüften Quellen zu diesen Quartalszahlen findet sich keine Ankündigung flächendeckender Listenpreiserhöhungen. Es findet sich keine Änderung an Reserved-Instance- oder Committed-Use-Konditionen. Es findet sich kein Aufschlag auf EU-Regionen. Wer aktuell von einer allgemeinen Preisrunde liest, liest Vermutungen. Die Knappheit ist belegt. Eine Preisrunde ist es in diesen Mitteilungen nicht.
Regionsspezifische Kapazitätszahlen für Deutschland, Österreich und die Schweiz nennen die Anbieter in diesen Veröffentlichungen nicht. Aussagen über konkrete DACH-Verfügbarkeit wären Spekulation. Einkäufer können die globale Lage als Signal nutzen. Sie können daraus keine exakte lokale Warteliste ableiten. Was lokal verfügbar ist, bleibt Sache der jeweiligen Account-Teams und der aktuellen Regionsplanung.
Diese Trennung schützt vor falschen Schlüssen. Starke Nachfrage und hohe Investitionen erklären längere Vorläufe und härtere Commitments. Sie begründen noch keinen automatischen Aufschlag auf bestehende Listen. Verhandlungen brauchen deshalb beides: Respekt vor der Knappheit und Disziplin bei unbelegten Preisnarrativen.
Was Cloud-Einkäufer in DACH jetzt konkret tun können
Erstens: Kapazitätsbedarf in Zeitfenster übersetzen. Welche Workloads brauchen in sechs, neun und zwölf Monaten GPU, Storage und Netzwerk in welchen Regionen? Ohne diesen Kalender bleibt jede Verhandlung abstrakt. Mit diesem Kalender wird aus einem Rabattgespräch ein Verfügbarkeitsgespräch.
Zweitens: Commitments an echte Nutzung koppeln. Mehrjahresvolumen, Reserved Instances und Committed Use sollten an messbare Roadmaps gebunden sein. Wer nur Papiervolumen kauft, kauft Risiko. Wer geplante Peaks und Plattformprojekte absichert, kauft Planungssicherheit in einem knappen Markt.
Drittens: Multi-Cloud und Multi-Region als Lieferrisiko steuern. Die Zahlen zeigen bei allen dreien knappe Kapazität. Bei AWS und Microsoft kommen hohe Auftragsbestände dazu. Ein zweiter Anbieter ersetzt nicht automatisch fehlende GPU-Slots. Er erweitert aber Optionen, wenn ein Provider in einer Region ausverkauft ist. Architekturentscheidungen gehören deshalb an denselben Tisch wie Einkauf.
Viertens: Verhandlungsprotokolle anpassen. Früher zählten vor allem Rabattstufen und Exit-Klauseln. Jetzt zählen zusätzlich Lieferzusagen, Kapazitätsreserven, Eskalationswege und Meilensteine für Region-Erweiterungen. Wer nur den Preis pro Einheit verhandelt, verhandelt an der eigentlichen Engpassgröße vorbei.
Fünftens: Marktbeobachtung und Vertragsrealität trennen. Spot-Aufschläge in Analystenposts sind Hinweise. Sie ersetzen keine eigene Preis- und Nutzungsanalyse. Listenpreise, private Angebote und tatsächliche Auslastung müssen nebeneinander liegen. Sonst steuert der lauteste Marktkommentar den Deal.
„Even at that amount, we will still not have enough capacity to meet all of the demand we have in 2026 … I believe this dynamic will also be true in 2027 too.“
Andy Jassy, President and CEO von Amazon
Wie lange die Spannungslage tragen kann
Jassy rechnet die Dynamik auch für 2027 ein. Ashkenazi beschreibt weiterhin ein angebotsseitig knappes Umfeld. Die Capex-Pläne 2026 liegen bei allen dreien im hohen dreistelligen Milliardenbereich. Das ist ein historischer Bauzyklus.
Gleichzeitig wachsen die Auftragsbestände weiter mit. Solange Nachfrage und gebundene Verträge den fertigen Output übersteigen, bleibt Kapazität der knappe Faktor. Wann sich das in DACH-Regionen spürbar entspannt, sagen die vorliegenden Mitteilungen nicht. Einkäufer sollten deshalb 2026 und 2027 mit längeren Vorläufen kalkulieren und Commitments als Teil der Betriebsfähigkeit behandeln.
Häufige Fragen
Was ist Cloud-Knappheit?
Cloud-Knappheit beschreibt die Lage, in der die Nachfrage nach Cloud- und KI-Kapazität das fertige Angebot der Anbieter übersteigt. Rechenzentren, Chips und Strom kommen langsamer nach als Bestellungen. Verfügbarkeit wird damit zur Planungsfrage: Wer Kapazität braucht, sichert sie über Reservierungen und Verträge, bevor sie gebaut ist.
Müssen wir 2026 mit flächendeckenden Cloud-Preiserhöhungen rechnen?
In den geprüften Quartalsquellen von Amazon, Microsoft und Alphabet steht keine Ankündigung flächendeckender Listenpreiserhöhungen. Es fehlt auch ein dokumentierter Aufschlag auf EU-Regionen. Knappheit und hohe Nachfrage sind belegt. Eine allgemeine Preisrunde ist es in diesen Mitteilungen nicht.
Welche Vertragsform schützt besser, Reserved Instances oder reiner On-Demand-Einkauf?
In knapper Kapazität sichern Commitments vor allem Verfügbarkeit und Planbarkeit. On-Demand bleibt flexibel, trägt aber das Risiko fehlender Slots und höherer Spot-Schwankungen. Die passende Mischung hängt an der Roadmap, nicht an einer Pauschalregel.
Gilt die globale Knappheit genauso für Deutschland, Österreich und die Schweiz?
Die Anbieter nennen in diesen Mitteilungen keine regionsspezifischen Kapazitätszahlen für DACH. Globale Backlogs und Investitionspläne sind ein starkes Signal. Lokale Verfügbarkeit muss separat mit dem Provider geklärt werden.
Wie lang sollte der Planungsvorlauf für GPU-lastige Projekte sein?
Die CEOs und CFOs sprechen von anhaltend knapper Kapazität bis 2026 und teils 2027. Für große Trainings- und Inferenzfenster sind mehrere Quartale Vorlauf realistisch. Wer erst bei Go-live anfragt, verhandelt unter maximalem Lieferdruck.
Ändert der hohe Auftragsbestand meine Verhandlungsposition nach unten?
Er verändert die Gewichte. Anbieter priorisieren planbare Volumen und klare Commitments. Einkäufer mit belastbarer Roadmap, multi-regionalen Optionen und messbarem Verbrauch bleiben verhandlungsfähig, auch wenn reine Rabattspiele enger werden.
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