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X legt den Algorithmus offen: Shadowban wird prüfbar

Der Code hinter der For-You-Timeline ist jetzt öffentlich. Ob daraus Vertrauen wird, hängt an drei Bedingungen.

Von Tobias Massow 14. August 2026 5 Minuten Lesezeit
X legt den Algorithmus offen: Shadowban wird prüfbar

Werde ich heimlich ausgeblendet? Ist X fair? Warum sehe ich ausgerechnet diesen Beitrag? Mit diesen drei Fragen beginnt die Ankündigung, mit der X am 13. August 2026 den Code seiner For-You-Timeline offengelegt hat. Beantworten soll sie sich künftig jeder selbst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gewichte erstmals öffentlich. Die Fassung vom 13. August 2026 enthält Gewichte, Filter, Sichtbarkeitscode, Trainingscode, synthetische Daten und SimClusters. Eingabetexte für die KI-gestützten Prüfungen, Teile der Regeln zur Bot-Erkennung und Vorhersagemodelle für Regelverstöße bleiben außerhalb. Dort fallen Moderations- und Spam-Entscheidungen.
  • Prüfraster nur teilweise erfüllt. X erfüllt die Forderung nach vollständigem verteilungsrelevantem Code teilweise. Community Notes macht Bewertung lokal nachrechenbar; der produktive Bewerter entsteht intern und wird erst beim Ausliefern veröffentlicht. Ob genau dieser Stand produktiv läuft, lässt sich von außen nicht prüfen. Eine unabhängige akademische Prüfung lag einen Tag nach der Veröffentlichung nicht vor.
  • Pilot eng begrenzt. „Under the Hood“ gilt zunächst für eine zufällig ausgewählte Testgruppe berechtigter Konten, die mindestens ein Jahr alt sind und im Vormonat mindestens zehn Beiträge veröffentlicht haben. Die meisten Unternehmenskonten können das Werkzeug zunächst nicht nutzen.

Was ist die For-You-Timeline? Die For-You-Timeline ist die Beitragsliste auf X, in der die Sichtbarkeit einzelner Beiträge durch Ranking, Filter und Kennzeichnungen bestimmt wird. X hat den Code offengelegt, der diese Sichtbarkeit beeinflusst. Parallel startete ein Pilotwerkzeug, das Kennzeichnungen auf Konto- und Beitragsebene anzeigt.

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Die August-Fassung enthält erstmals Gewichte und Filter

XOpenSource nannte den Umfang: „Wir legen den Code offen, der die Sichtbarkeit eines Beitrags in der For-You-Timeline beeinflusst. Dazu veröffentlichen wir ein neues Werkzeug. Es zeigt Menschen, welche Kennzeichnungen an ihrem Konto oder ihren Beiträgen die Sichtbarkeit begrenzen können.“ Offengelegt wurden Modellkonfiguration, Filter und Details des Kern-Rankings sowie die Kennzeichnungen, die Sichtbarkeit beeinflussen. Das Repository github.com/xai-org/x-algorithm steht unter der Apache License 2.0.

Im Januar 2026 erschien eine frühere Fassung von xai-org/x-algorithm. Forscher von Cornell, aus Graz und von Carnegie Mellon erklärten eine unabhängige Prüfung für unmöglich. Das Modell fehlte, die Trainingsdaten fehlten und die Gewichte waren geschwärzt. Die Fassung vom 13. August 2026 enthält erstmals Gewichte, Filter, Sichtbarkeitscode, Trainingscode, synthetische Daten und SimClusters.

Twitter veröffentlichte 2023 Teile des Empfehlungssystems unter twitter/the-algorithm. Die Veröffentlichung wurde rasch als unvollständig kritisiert. Seither kursiert der Begriff „transparency theater“.

Drei Bedingungen entscheiden über die Tragfähigkeit der Offenlegung

Offengelegter Quellcode schafft Vertrauen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: vollständiger verteilungsrelevanter Code, nachrechenbare Modelle oder Daten und ein unabhängiger Nachweis, dass genau dieser Stand produktiv läuft.

Am 13. August 2026 erfüllt X die erste Bedingung teilweise. Wesentliche Teile bleiben außerhalb des Repositoriums: die Eingabetexte für die KI-gestützten Prüfungen, Teile der Regeln zur Bot-Erkennung sowie die Vorhersagemodelle für Regelverstöße.

Bei Community Notes sind Bewertungscode und die täglichen Rohdaten öffentlich. Das Ergebnis lässt sich lokal nachrechnen. Das Projekt selbst schreibt, der produktive Bewerter entstehe intern und werde erst beim Ausliefern veröffentlicht. Änderungen an bestehenden Schnittstellen werden derzeit nicht angenommen.

Veröffentlichung und Produktivstand bleiben getrennte Nachweise

Ob der veröffentlichte Code der produktiv laufende Stand ist, lässt sich von außen nicht prüfen. X gibt an, Voreinstellungen würden regelmäßig automatisch an die Produktionswerte angeglichen und Experimente ab etwa zehn Prozent des Datenverkehrs sichtbar gemacht. Das bleibt eine Zusage des Betreibers. Ein Repository belegt die Absicht. Den laufenden Zustand belegt es nicht.

Sobald ein Sprachmodell den Bewertungswert schätzt, ist der sichtbare Programmrahmen nur noch die Hülle. Das eigentliche Verhalten steckt dann in Modell und Daten. Coleman hat am selben Tag selbst einer verkürzten Lesart der Gewichte widersprochen. Eine einzelne Meldung lässt sich nicht in eine feste Zahl verlorener Likes umrechnen. Eine unabhängige akademische Prüfung lag einen Tag nach der Veröffentlichung nicht vor.

Der Pilot gilt zunächst nur für eine kleine Testgruppe

Parallel startete das Pilotwerkzeug „Under the Hood“. Es zeigt Kennzeichnungen auf Konto- und Beitragsebene und erlaubt einen Datenexport. Der Pilot gilt zunächst für eine zufällig ausgewählte Testgruppe berechtigter Konten, die mindestens ein Jahr alt sind. Berechtigt ist, wer im Vormonat mindestens zehn Beiträge veröffentlicht hat.

Die meisten Unternehmenskonten können das Werkzeug zunächst nicht nutzen.

Der europäische Rechtsrahmen erzwingt Begründung und Datenzugang

Verordnung (EU) 2022/2065 verlangt in Artikel 17 eine Begründung bei Sichtbarkeitsbeschränkungen einschließlich Herabstufung. Artikel 27 verlangt die Hauptparameter der Empfehlungssysteme in den Geschäftsbedingungen, in klarer Sprache, samt Einflussmöglichkeiten für Nutzer.

Die Delegierte Verordnung (EU) 2025/2050 vom 1. Juli 2025 gilt seit dem 29. Oktober 2025. Sie regelt den Datenzugang für geprüfte Forschende über ein zentrales Portal der Kommission. Die zuständigen nationalen Koordinatoren haben bis zu 80 Arbeitstage für ein begründetes Ersuchen.

Die Offenlegung vom 13. August 2026 ist ein echter Schritt. Sie bleibt hinter einem unabhängigen Prüfnachweis zurück.

Häufige Fragen

Was hat X am 13. August 2026 offengelegt?

Offengelegt wurden Modellkonfiguration, Filter und Details des Kern-Rankings sowie die Kennzeichnungen, die Sichtbarkeit beeinflussen. Das Repository github.com/xai-org/x-algorithm steht unter der Apache License 2.0. Die Fassung enthält erstmals Gewichte, Filter, Sichtbarkeitscode, Trainingscode, synthetische Daten und SimClusters. Eingabetexte für die KI-gestützten Prüfungen, Teile der Regeln zur Bot-Erkennung und Vorhersagemodelle für Regelverstöße bleiben außerhalb. Colemans Beitrag kam am 14. August 2026 auf rund 2.632 Likes, 349 Reposts und 4.868.024 Aufrufe. Der Ankündigungsbeitrag von XOpenSource kam auf rund 6.562 Likes und 4.466.678 Aufrufe.

Lässt sich prüfen, ob dieser Code produktiv läuft?

Von außen lässt sich das nicht prüfen. X gibt an, Voreinstellungen würden regelmäßig automatisch an die Produktionswerte angeglichen und Experimente ab etwa zehn Prozent des Datenverkehrs sichtbar gemacht. Das bleibt eine Zusage des Betreibers. X hat externe Fachleute für Empfehlungssysteme vorab eingeladen, den Code zu prüfen. Eine unabhängige akademische Prüfung lag einen Tag nach der Veröffentlichung nicht vor.

Wer kann das Werkzeug „Under the Hood“ nutzen?

Der Pilot gilt zunächst für eine zufällig ausgewählte Testgruppe berechtigter Konten, die mindestens ein Jahr alt sind. Berechtigt ist, wer im Vormonat mindestens zehn Beiträge veröffentlicht hat. Das Werkzeug zeigt Kennzeichnungen auf Konto- und Beitragsebene und erlaubt einen Datenexport. Die meisten Unternehmenskonten können das Werkzeug zunächst nicht nutzen.

Unter welchen Bedingungen trägt offengelegter Empfehlungscode?

Drei Bedingungen müssen vorliegen: vollständiger verteilungsrelevanter Code, nachrechenbare Modelle oder Daten und ein unabhängiger Nachweis, dass genau dieser Stand produktiv läuft. X erfüllt die erste Bedingung teilweise. Die zweite liegt bei Community Notes vor; der produktive Bewerter entsteht intern und wird erst beim Ausliefern veröffentlicht. Änderungen an bestehenden Schnittstellen werden derzeit nicht angenommen. Die dritte Bedingung bleibt unerfüllt.

Welche Pflichten setzt das EU-Recht für Sichtbarkeit und Empfehlungen?

Verordnung (EU) 2022/2065 verlangt in Artikel 17 eine Begründung bei Sichtbarkeitsbeschränkungen einschließlich Herabstufung. Artikel 27 verlangt die Hauptparameter der Empfehlungssysteme in den Geschäftsbedingungen, in klarer Sprache, samt Einflussmöglichkeiten für Nutzer. Die Delegierte Verordnung (EU) 2025/2050 vom 1. Juli 2025 gilt seit dem 29. Oktober 2025 und regelt den Datenzugang für geprüfte Forschende über ein zentrales Portal der Kommission. Die zuständigen nationalen Koordinatoren haben bis zu 80 Arbeitstage für ein begründetes Ersuchen.

Bildquelle: KI-generiert (August 2026)

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