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Das Wichtigste in Kürze
- SAP-Wartungsende für ECC 6.0: 2027 – die Migration auf S/4HANA ist alternativlos
- Drei Migrationspfade: Brownfield (Conversion), Greenfield (Reimplementation), Selective Data Transition
- RISE with SAP: SAP bietet S/4HANA Cloud als Managed Service – auf AWS, Azure oder GCP
- Durchschnittliche Migrationsdauer: 12-24 Monate für Mittelstand, 24-48 Monate für Konzerne
- Customizing-Altlasten sind der größte Kostentreiber – nicht die Technologie
Die Uhr tickt: 2027 endet der Mainstream-Support für SAP ECC 6.0. Für Tausende Unternehmen bedeutet das: Migration auf S/4HANA – und die Frage, ob On-Premises oder Cloud. Die Antwort ist zunehmend Cloud, aber der Weg dorthin ist kein Lift-and-Shift. ERP-Migration ist ein Transformationsprojekt, das Prozesse, Daten und Organisation betrifft.
Warum ERP-Cloud mehr als Infrastruktur ist
Ein ERP-System auf einen Cloud-Server zu schieben ist technisch möglich – aber strategisch eine verpasste Chance. S/4HANA in der Cloud bietet native Integration mit SAP BTP (Business Technology Platform), KI-gestützte Prozessautomatisierung, Echtzeit-Analytik auf der HANA-Datenbank und kontinuierliche Innovation durch regelmäßige Updates.
Wer nur die Infrastruktur migriert und die gleichen Prozesse auf neuer Hardware betreibt, zahlt Cloud-Preise für On-Premises-Ergebnisse. Der eigentliche Mehrwert liegt in der Vereinfachung: weniger Customizing, Standard-Prozesse, modulare Erweiterungen über Clean Core. Mehr dazu im Beitrag zu Cloud-Migration. Ein passender Anschluss dazu: Cloud Migration.
Die drei Migrationspfade
Brownfield (System Conversion): Das bestehende ECC-System wird technisch auf S/4HANA konvertiert. Customizing und Daten bleiben erhalten. Schneller, günstiger, aber: Altlasten werden mitgeschleppt.
Greenfield (Reimplementation): S/4HANA wird von Grund auf neu implementiert. Prozesse werden neu designt, nur relevante Daten migriert. Aufwändiger, aber sauberer – und die Chance, in 20 Jahren gewachsenes Customizing aufzuräumen.
Selective Data Transition: Hybrid-Ansatz – neue S/4HANA-Installation mit selektiver Migration von Stamm- und Bewegungsdaten. Kombiniert Greenfield-Sauberkeit mit Brownfield-Datenkontinuität.
RISE with SAP: Das Managed-Cloud-Angebot
RISE with SAP bündelt S/4HANA Cloud, SAP BTP, Business Process Intelligence und Infrastruktur in einem Subscription-Modell. Die Infrastruktur läuft wahlweise auf AWS, Azure oder GCP – SAP managed das System. Für Unternehmen, die SAP nicht selbst betreiben wollen, ist RISE der niedrigschwelligste Weg in die Cloud.
Die Kostenfrage: RISE-Lizenzen sind Subscription-basiert – statt einmaliger Lizenz plus Wartung zahlt man monatlich. Für einige Unternehmen ist das günstiger (kein Capex), für andere teurer (langfristig höhere Gesamtkosten). Die TCO-Rechnung muss individuell gemacht werden.
Die unterschätzten Herausforderungen
Customizing-Altlasten: Ein typisches SAP-ECC-System hat 500-2.000 Custom-Entwicklungen (Z-Programme, User Exits, Enhancements). In S/4HANA Cloud sind viele davon nicht kompatibel. Die Analyse und Migration dieser Altlasten macht 40-60 Prozent des Projektaufwands aus.
Change Management: SAP-Anwender haben 15+ Jahre mit den gleichen Transaktionscodes gearbeitet. Fiori-Apps statt SAP GUI ist keine technische Umstellung, sondern eine kulturelle. Schulung und Begleitung der Anwender wird regelmäßig unterschätzt – und ist der häufigste Grund für Unzufriedenheit nach der Migration.
Häufige Fragen
Muss ich bis 2027 migriert haben?
Nicht zwingend – SAP bietet Extended Maintenance bis 2030 (gegen Aufpreis). Aber: Je später die Migration, desto weniger qualifizierte Berater sind verfügbar und desto höher die Projektkosten. Frühzeitig starten ist strategisch sinnvoll.
On-Premises oder Cloud für S/4HANA?
Cloud wird zunehmend der Standard: SAP investiert primär in die Cloud-Version. On-Premises bleibt für Unternehmen mit extremen Customizing-Anforderungen oder Datensouveränitäts-Vorgaben relevant. Langfristig verschiebt sich der Feature-Parity zugunsten der Cloud.
Was kostet eine S/4HANA-Migration?
Mittelstand (500-2.000 User): 1-5 Mio. EUR. Konzern (5.000+ User): 10-50+ Mio. EUR. Die Kosten hängen primär vom Customizing-Umfang, der Datenmenge und dem gewählten Migrationspfad ab. Greenfield ist initial teurer, aber langfristig günstiger durch weniger Altlasten.
Was ist SAP Clean Core?
Clean Core bedeutet: minimales Customizing im S/4HANA-Kern, Erweiterungen über SAP BTP (Extension Suite). Das ermöglicht automatische Updates ohne Regressionsrisiko. Clean Core ist SAPs strategische Richtung – je sauberer der Core, desto einfacher die zukünftige Wartung.
Kann ich S/4HANA auch auf meiner eigenen Cloud-Infrastruktur betreiben?
Ja – S/4HANA ist als On-Premises-Lizenz verfügbar, die auch auf IaaS (eigene Server, Cloud-VMs) betrieben werden kann. Allerdings: Diese Variante erhält weniger Innovation als die SaaS-Variante (RISE). SAP investiert primär in Cloud-native Features.
Quelle des Titelbildes: Pexels / Rajukhan Pathan
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