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Das Wichtigste in Kürze
- Die 7 R der Cloud-Migration: Rehost, Replatform, Refactor, Repurchase, Retire, Retain, Relocate.
- Lift-and-Shift (Rehost) ist der schnellste Weg – aber nicht der effizienteste langfristig.
- 70% der Migrationen überschreiten Budget oder Timeline – meist wegen mangelnder Planung.
- Ein Business Case mit TCO-Vergleich ist Pflicht vor jeder Migrationsentscheidung.
- Die größte Hürde ist nicht Technik, sondern Change Management und Skill-Aufbau.
Cloud-Migration ist kein IT-Projekt, sondern ein Business-Projekt. Wer einfach Server in die Cloud kopiert, ohne Architektur, Kosten und Organisation mitzudenken, tauscht On-Premise-Probleme gegen Cloud-Probleme – zu höheren Kosten. Der Mittelstand braucht einen pragmatischen Ansatz: klare Strategie, realistische Phasen und die Bereitschaft, aus den Fehlern anderer zu lernen.
Die 7 R: Welche Strategie für welchen Workload
Nicht jeder Workload verdient dieselbe Migrationsstrategie. Die 7 R bieten einen Entscheidungsrahmen: Mehr dazu im Beitrag zu Cloud-Migration. Ein passender Anschluss dazu: Cloud Migration.
Rehost (Lift-and-Shift): VM in die Cloud kopieren. Schnell, geringes Risiko, aber keine Cloud-native Vorteile. Geeignet für den schnellen Exit aus dem Rechenzentrum.
Replatform (Lift-and-Optimize): Minimale Anpassungen – z.B. Datenbank von Self-Managed auf RDS migrieren. Besserer ROI als Rehost bei moderatem Aufwand.
Refactor: Anwendung neu bauen als Cloud-native Architektur (Container, Serverless). Höchster Aufwand, höchster langfristiger Nutzen. Nur für strategisch wichtige Anwendungen.
Repurchase: On-Premise-Software durch SaaS ersetzen (z.B. Exchange → Microsoft 365). Oft der schnellste Weg zur Cloud.
Retire: Abschalten. 10-20% der Anwendungen werden nach Analyse als unnötig identifiziert.
Retain: Bewusst On-Premise lassen. Manche Anwendungen haben keine Cloud-Rechtfertigung.
Phasenmodell: Von der Analyse zur Migration
Phase 1 – Assessment (4-8 Wochen): Bestandsaufnahme aller Anwendungen und Infrastruktur. Abhängigkeiten kartieren. Jeden Workload einer der 7 R zuordnen. Business Case mit TCO-Vergleich erstellen.
Phase 2 – Proof of Concept (4-6 Wochen): 2-3 nicht-kritische Workloads migrieren. Landing Zone aufbauen. Netzwerk-Konnektivität (VPN/Direct Connect) testen. Monitoring und Backup validieren.
Phase 3 – Migration Waves (3-12 Monate): Workloads in Wellen migrieren, priorisiert nach Business Value und Risiko. Einfache Workloads zuerst (Quick Wins, Team-Learning), komplexe und kritische zuletzt.
Phase 4 – Optimierung (kontinuierlich): Rightsizing, Reserved Instances, Cloud-native Refactoring für wichtige Workloads. Diese Phase endet nie – Cloud-Optimierung ist ein kontinuierlicher Prozess.
Die fünf häufigsten Fehler
1. Kein Business Case: Migration ohne TCO-Vergleich führt zu Überraschungen bei der ersten Cloud-Rechnung. Immer vorab kalkulieren: Compute, Storage, Netzwerk, Lizenzen, Personal.
2. Lift-and-Shift für alles: Server 1:1 in die Cloud zu kopieren ist der schnellste Weg, aber oft teurer als On-Premise, weil die Cloud für variable Last optimiert ist – nicht für Dauerlast.
3. Security nachträglich: Sicherheit muss von Tag 1 Teil der Migration sein – Landing Zones, IAM-Baseline, Logging, Verschlüsselung. Nachträgliche Security ist teurer und riskanter.
4. Skill-Gap ignorieren: Das Team muss Cloud-Kompetenz aufbauen – vor der Migration, nicht währenddessen. Zertifizierungen, Workshops und Learning-by-Doing in der PoC-Phase sind essentiell.
5. Big-Bang-Migration: Alles auf einmal migrieren maximiert das Risiko. Wellen-basierte Migration mit Rollback-Optionen ist der sichere Weg.
Kosten: Was der Mittelstand erwarten sollte
Die Migrationskosten selbst (Planung, Tooling, Durchführung) liegen typisch bei 10-20% der jährlichen Cloud-Kosten. Für einen Mittelständler mit einem Ziel-Cloud-Spend von 100.000 Euro/Jahr bedeutet das 10.000-20.000 Euro Migrationskosten – plus den Aufwand des internen Teams.
Die laufenden Cloud-Kosten sollten nach Optimierung 10-30% unter den On-Premise-Kosten liegen – aber erst nach der Optimierungsphase. In den ersten 6-12 Monaten sind die Kosten oft höher (paralleler Betrieb, Lernkurve, noch nicht optimiert). Der Break-Even kommt typisch nach 12-18 Monaten.
Partner oder Eigenbau?
Für den Mittelstand ohne dediziertes Cloud-Team ist ein Migrationspartner meist sinnvoll – zumindest für Assessment und PoC. AWS Migration Competency Partner, Azure Expert MSPs und GCP Premium Partner haben standardisierte Methoden und Erfahrung aus hunderten Migrationen.
Kosten für einen Migrationspartner: 50.000-200.000 Euro für eine typische Mittelstands-Migration (30-100 Workloads). Der ROI liegt in vermiedenen Fehlern, schnellerer Durchführung und Skill-Transfer ans interne Team.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Cloud-Migration?
Abhängig vom Scope: 10-30 Workloads in 3-6 Monaten, 50-100 Workloads in 6-12 Monaten, 200+ Workloads in 12-24 Monaten. Assessment und PoC kommen davor (2-3 Monate). Optimierung danach ist ein kontinuierlicher Prozess.
Was kostet die Cloud im Vergleich zu On-Premise?
Nach Optimierung typisch 10-30% günstiger als On-Premise-TCO (inklusive Hardware, Personal, Strom, Fläche). Aber: Die Einsparung kommt nur, wenn aktiv optimiert wird. Unoptimierte Cloud-Umgebungen sind oft teurer als On-Premise.
Muss man alle Workloads migrieren?
Nein. Die 7-R-Analyse zeigt typischerweise, dass 10-20% der Anwendungen abgeschaltet werden können (Retire), 20-30% bewusst On-Premise bleiben sollten (Retain) und 50-70% von der Cloud profitieren. Eine 100%-Cloud-Quote ist selten das Ziel.
Welchen Cloud-Provider sollte der Mittelstand wählen?
AWS hat das breiteste Service-Angebot und die größte Community. Azure ist die natürliche Wahl für Microsoft-Shops (Active Directory, Office 365, Dynamics). GCP punktet bei Daten und KI. Für den Mittelstand empfiehlt sich oft der Provider, der am besten zum bestehenden Ökosystem passt.
Was passiert mit bestehenden Software-Lizenzen?
Microsoft-Lizenzen (Windows Server, SQL Server) können über License Mobility auf Azure portiert werden. Auf AWS und GCP braucht man oft neue Cloud-Lizenzen oder nutzt BYOL-Programme. Oracle-Lizenzen sind das komplexeste Thema – Oracle rechnet in der Cloud anders ab als On-Premise. Vor der Migration: Lizenz-Audit durchführen.
Quelle des Titelbildes: Pexels / Pixabay
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