18 April 2024

3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • 87 Prozent der Enterprises nutzen Multi-Cloud – aber nur 33 Prozent haben eine echte Strategie dahinter (Flexera)
  • Multi-Cloud aus Versehen: M&A, Shadow IT und Best-of-Breed-Entscheidungen sind die häufigsten Ursachen
  • Abstraktion ist der Schlüssel: Terraform, Crossplane und Pulumi ermöglichen cloud-agnostische Deployments
  • Kosten-Transparenz über Clouds hinweg bleibt die größte operative Herausforderung
  • Data Gravity: Wo die Daten liegen, dort bleiben die Workloads – Cloud-Wechsel ist teurer als gedacht

Multi-Cloud ist die Norm, nicht die Ausnahme. 87 Prozent der Unternehmen nutzen mehrere Cloud-Provider. Doch hinter dem strategisch klingenden Label verbirgt sich oft keine Strategie, sondern gewachsene Komplexität. Wer Multi-Cloud wirklich beherrschen will, muss über Abstraktionsschichten, Data Gravity und organisatorische Realitäten sprechen – nicht über Hochglanz-Architekturen.

Multi-Cloud aus Versehen

Die Wahrheit: Die wenigsten Unternehmen haben sich bewusst für Multi-Cloud entschieden. Die häufigsten Ursachen: Eine Übernahme bringt einen zweiten Cloud-Provider mit. Ein Team wählt GCP für ML-Workloads, während der Rest auf Azure läuft. Ein SaaS-Anbieter hostet auf AWS – und plötzlich fließen Daten über drei Clouds.

Das Ergebnis ist keine Strategie, sondern Komplexität. Drei verschiedene IAM-Systeme, drei Abrechnungsmodelle, drei Security-Toolchains. Die Kosten steigen, die Sichtbarkeit sinkt, und die Teams spezialisieren sich auf „ihre“ Cloud statt auf übergreifende Architektur.

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der Enterprises nutzen Multi-Cloud – aber nur 33 Prozent ha
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SLA) rechtfertigt in den meisten Fällen keine aktive Redund

Wann Multi-Cloud sinnvoll ist – und wann nicht

Sinnvolle Multi-Cloud-Szenarien: Vendor-Lock-in-Mitigation für geschäftskritische Workloads. Best-of-Breed-Nutzung (GCP für BigQuery, AWS für Lambda, Azure für M365-Integration). Regulatorische Anforderungen an Datenstandort und Anbieterdiversifikation.

Nicht sinnvoll: Multi-Cloud nur um der Diversifikation willen. Wenn die gleiche Applikation auf zwei Clouds läuft „für den Fall der Fälle“, verdoppeln sich die Kosten ohne proportionalen Nutzen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Hyperscalers (99,99% SLA) rechtfertigt in den meisten Fällen keine aktive Redundanz auf einem zweiten Provider.

Die Abstraktionsschicht: Terraform, Crossplane, Pulumi

Der technische Schlüssel zu beherrschbarer Multi-Cloud: Infrastruktur-Abstraktion. Terraform (HashiCorp) ermöglicht die Beschreibung von Cloud-Ressourcen in einer einheitlichen Sprache – unabhängig vom Provider. Crossplane geht einen Schritt weiter und bietet Kubernetes-native Abstraktion für Cloud-Dienste.

Die Realität: Vollständige Abstraktion ist eine Illusion. Managed Services (Aurora vs. Cloud SQL vs. Cosmos DB) haben proprietäre Features, die sich nicht 1:1 abstrahieren lassen. Die pragmatische Lösung: Abstraktion auf Infrastruktur-Ebene (Compute, Storage, Networking), proprietäre Nutzung auf Plattform-Ebene (ML, Analytics, Datenbanken).

Data Gravity: Der unterschätzte Faktor

Daten haben Masse – metaphorisch. Je mehr Daten an einem Ort liegen, desto teurer wird der Transfer und desto stärker die Gravitationskraft, die Workloads anzieht. Cloud-Egress-Kosten von 0,08-0,12 USD/GB machen den Transfer von Petabytes zwischen Clouds zum Kostenfaktor.

Die strategische Konsequenz: Die Cloud-Entscheidung ist in vielen Fällen eine Daten-Entscheidung. Workloads folgen den Daten, nicht umgekehrt. Wer Multi-Cloud plant, muss zuerst die Datenarchitektur planen – und die Egress-Kosten kalkulieren.

Häufige Fragen

Ist Multi-Cloud wirklich teurer als Single-Cloud?

In der Regel ja – 20-30 Prozent höhere operative Kosten durch zusätzliche Tooling-, Training- und Integrationsaufwände. Der Mehrwert muss diese Kosten rechtfertigen: echte Vendor-Diversifikation, Best-of-Breed-Nutzung oder regulatorische Compliance.

Wie manage ich Security über mehrere Clouds?

CSPM-Tools (Wiz, Orca, Prisma Cloud) bieten Multi-Cloud-Sichtbarkeit aus einer Plattform. Für Identity: zentrale Identity-Provider (Entra ID, Okta) mit Federation zu allen Cloud-Providern. Für Netzwerk: Multi-Cloud-Networking (Aviatrix, Alkira).

Kann ich eine Applikation einfach von AWS zu Azure migrieren?

Compute-Workloads (VMs, Container) relativ einfach. Managed Services (RDS → Azure SQL, S3 → Blob Storage) erfordern Anpassungen. Proprietäre Services (Lambda, DynamoDB) erfordern Re-Engineering. Je mehr proprietäre Services genutzt werden, desto höher der Lock-in.

Was ist der pragmatischste Multi-Cloud-Ansatz?

Primary Cloud für 80 Prozent der Workloads, Secondary Cloud für spezifische Best-of-Breed-Dienste und als strategische Option. Abstraktion auf Infrastruktur-Ebene (Terraform/Kubernetes), proprietäre Nutzung auf Plattform-Ebene. Daten-Strategie zuerst.

Brauche ich ein Cloud Center of Excellence für Multi-Cloud?

Ab zwei aktiv genutzten Cloud-Providern: ja. Das CCoE definiert Standards (Tagging, Naming, Security Baselines), evaluiert Dienste und verhindert unkontrolliertes Wildwachstum. Ohne CCoE wird Multi-Cloud schnell zu Multi-Chaos.

Quelle des Titelbildes: Pexels / RDNE Stock project

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