9 März 2026

5 Min. Lesezeit


KI-Projekte in Fertigungsunternehmen scheitern in der Regel nicht an fehlender Technologie, sondern an einer strukturellen Schwachstelle, die selten offen diskutiert wird: fragmentierten Informationsprozessen. Strategiepapiere sind geschrieben, Roadmaps definiert, Pilotprojekte gestartet – und trotzdem versanden Initiativen im Proof-of-Concept-Stadium.

Das Wichtigste in Kürze

  • 🔍 Viele KI- und Digitalisierungsinitiativen in der Fertigung scheitern nicht an Technologie, sondern an fragmentierten, inkonsistenten Informationsprozessen.
  • 🏗️ Ein Informations-Backbone verbindet physische und digitale Quellen, vereinheitlicht Metadaten und sorgt für durchgängige Governance – ohne bestehende Systeme zu ersetzen.
  • 🚀 Drei praxiserprobte Einstiegsszenarien – digitaler Posteingang, digitale HR-Akten und Governance/KI-Readiness – zeigen, wie der Aufbau schrittweise gelingt.
  • 📊 Laut Gartner scheitern 85 Prozent aller KI-Modelle an mangelhafter Datenqualität oder fehlenden relevanten Daten (Gartner, 2025).
  • ⚙️ Plattformen wie InSight DXP konsolidieren physische und digitale Informationen, steuern Workflows und ermöglichen KI-gestützte Klassifikation und Anreicherung.

Der Grund liegt tiefer: Rechnungen, Qualitätsdokumente, HR-Akten, technische Unterlagen und Lieferantenkorrespondenz sind über Standorte, Abteilungen und Länder verteilt. Papier trifft auf Fileshares, E-Mails auf lokale Speziallösungen, individuelle Workarounds auf globale Vorgaben. Eine verlässliche, einheitliche Informationsgrundlage fehlt.

Für Digitalisierungs-, IT- und Governance-Verantwortliche entsteht daraus ein strukturelles Dilemma: Prozesse sollen automatisiert, Daten nutzbar gemacht und KI-Projekte skaliert werden – gleichzeitig ist unklar, wo Informationen liegen, wer sie nutzen darf und welche Regeln gelten.

Der operative Alltag als Bremsklotz

Viele Industrieunternehmen haben massiv in ERP-, MES- oder moderne Produktionssysteme investiert. Was dabei oft fehlt, ist eine verbindende Schicht für vereinheitlichte Informationen und Dokumente – genau die Ebene, auf die Fachbereiche, IT und Governance gleichermaßen angewiesen sind.

Ein Audit, eine Reklamation oder ein Werksumbau machen schnell sichtbar, wie fragmentiert die Informationslandschaft tatsächlich ist. Benötigte Unterlagen sind zwar „irgendwo vorhanden“, aber nicht konsistent auffindbar. Zuständigkeiten sind unklar, Dokumentenversionen widersprechen sich, Aufbewahrungs- und Löschfristen werden lokal interpretiert.

Was im Tagesgeschäft mit hohem manuellen Aufwand kompensiert wird, entwickelt sich bei Skalierung und Automatisierung zum echten Risiko. Die Folge: Selbst ambitionierte Digitalisierungsinitiativen bleiben Stückwerk, weil das Fundament fehlt.

Das Problem
85 %
der KI-Modelle scheitern an mangelhafter Datenqualität
Quelle: Gartner, 2025
Die versteckte Ursache
19,5 %
der Arbeitszeit verbringen Mitarbeiter mit der Suche nach Informationen
Quelle: McKinsey Global Institute

Keine Ordnung. Keine KI.

Was ein Informations-Backbone leistet

Gemeint ist keine weitere Insellösung, sondern eine übergreifende Struktur, die physische und digitale Informationen zusammenführt, strukturiert und steuerbar macht. Dokumente aus unterschiedlichen Quellen werden zentral sichtbar, Metadaten vereinheitlicht und Governance-Regeln konsistent über Standorte und Systeme hinweg durchgesetzt.

Ein durchdachter Ansatz schließt dabei die Lücke zwischen physischen Archiven und digitalen Systemen: Auch Bestandsunterlagen werden durch intelligentes Scannen für automatisierte Prozesse verfügbar gemacht. Erst wenn diese historischen Datenquellen erschlossen sind, steht der Fertigung eine lückenlose Informationsgrundlage zur Verfügung.

Bestehende Anwendungen wie ERP, HR- oder Produktionssysteme bleiben bestehen, werden aber um eine Informationsschicht ergänzt, die Prozesse miteinander verbindet. Plattformen wie InSight DXP von Iron Mountain übernehmen dabei eine vermittelnde Rolle: Sie konsolidieren Informationen, steuern dokumentenbasierte Workflows und ermöglichen KI-gestützte Klassifikation und Anreicherung. Wer sich für den Zusammenhang zwischen Datensouveränität und KI-Nutzung interessiert, findet in unserem Artikel zu Private Cloud für KI in regulierten Branchen ergänzende Perspektiven.

Drei Einstiegsszenarien, die in der Fertigung funktionieren

Wie ein Informations-Backbone in der Praxis greifbar wird, zeigt sich an drei typischen Use Cases aus der Industrie. Sie stehen exemplarisch für dokumentenintensive Prozesse und lassen sich als Ausgangspunkt für eine skalierbare Roadmap nutzen.

„Ohne die aktive Beteiligung der Fachabteilungen bleibt auch das beste technische Konzept wirkungslos.“

Digitaler Posteingang und Rechnungsverarbeitung

In vielen Fertigungsunternehmen ist der Posteingang über Werke und Abteilungen verteilt. Rechnungen nehmen lange Wege, Freigaben verzögern sich, Skontofristen werden verpasst. Ein zentraler digitaler Posteingang – häufig kombiniert mit Business Process Outsourcing für Scanning und Erfassung – schafft Transparenz und klare Verantwortlichkeiten.

Der Effekt ist unmittelbar: kürzere Durchlaufzeiten, bessere Steuerbarkeit und deutlich weniger manuelle Nacharbeit. Für Unternehmen mit mehreren Standorten ist dies oft der einfachste und wirkungsvollste erste Schritt.

HR-Prozesse und digitale Personalakten

Global agierende Industrieunternehmen – etwa Automobilkonzerne – arbeiten oft mit fragmentierten Aktenbeständen. Digitale HR-Akten vereinfachen den Zugriff für verteilte Teams, beschleunigen Prüfungen und reduzieren Compliance-Risiken.

Gleichzeitig werden HR-Prozesse robuster – auch bei Standortverlagerungen oder organisatorischen Veränderungen. Die Vereinheitlichung der Personalakten schafft zudem eine solide Grundlage für automatisierte Onboarding- und Offboarding-Prozesse.

Governance und KI-Readiness

Viele KI-Initiativen scheitern nicht an den technischen Voraussetzungen, sondern an Unsicherheit – ein Problem, das auch beim Change Management in der KI-Transformation zentral ist: Welche Daten dürfen genutzt werden? Welche Dokumente sind vollständig, aktuell und korrekt klassifiziert? Das ist ein bekanntes Muster – wie unser Bericht zu KI-Schwachstellen und dem eigentlichen Unternehmensrisiko zeigt.

Der Informations-Backbone unterstützt dabei, Informationsbestände transparenter zu machen, Altbestände zu identifizieren und rechtssicher zu bereinigen. So entsteht eine belastbare Grundlage für KI-gestützte Auswertungen und Entscheidungen – ohne dass Initiativen auf fehlerhaften oder unvollständigen Daten aufbauen.

Digitalisierung ohne Fundament scheitert

Vom Einzelprojekt zur skalierbaren Struktur

Erfolgreiche Industrieunternehmen denken Informationsprozesse nicht als isolierte Optimierungsmaßnahme. Sie starten mit einem klar abgegrenzten Use Case – etwa dem digitalen Posteingang – und entwickeln daraus schrittweise eine skalierbare Struktur.

Compliance, Change Management und die Einbindung der Fachbereiche sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren. Ohne die aktive Beteiligung der Fachabteilungen bleibt auch das beste technische Konzept wirkungslos.

Unternehmen, die ihre Informationsprozesse so ordnen und einen belastbaren Informations-Backbone schaffen, reduzieren operative Reibung, erhöhen die Governance-Sicherheit und legen die Grundlage für nachhaltige Automatisierung und KI-Nutzung. Einen strukturierten Einstieg bietet der praxisnahe Leitfaden von Iron Mountain mit konkreten Use Cases für die Neuausrichtung von Informationsprozessen in der Fertigung.

Häufige Fragen

Warum scheitern KI-Initiativen in der Fertigung so häufig?

Der häufigste Grund ist nicht fehlende Technologie, sondern eine fragmentierte Informationsgrundlage. Wenn unklar ist, wo Dokumente liegen, wer sie nutzen darf und welche Version aktuell ist, können KI-Modelle nicht sinnvoll trainiert oder eingesetzt werden.

Was ist ein Informations-Backbone und wie unterscheidet er sich von einem DMS?

Ein Informations-Backbone ist keine weitere Insellösung, sondern eine übergreifende Struktur, die physische und digitale Informationen zusammenführt, Metadaten vereinheitlicht und Governance-Regeln systemübergreifend durchsetzt. Ein klassisches DMS deckt in der Regel nur digitale Dokumente in einem abgegrenzten Bereich ab.

Wie starte ich mit dem Aufbau eines Informations-Backbones in meinem Unternehmen?

Der empfohlene Einstieg ist ein klar abgegrenzter Use Case mit messbarem Nutzen – zum Beispiel der digitale Posteingang oder die Digitalisierung von Personalakten. Von dort aus lässt sich die Struktur schrittweise auf weitere Bereiche ausweiten.

Wie werden physische Archive in einen digitalen Informations-Backbone integriert?

Durch intelligentes Scanning und automatisierte Klassifikation können auch Bestandsunterlagen in digitale Workflows überführt werden. Anbieter wie Iron Mountain kombinieren dabei physische Archivleistungen mit digitalen Prozessen zu einem durchgängigen Ansatz.

Welche Rolle spielt Compliance beim Aufbau eines Informations-Backbones?

Compliance ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Ein Informations-Backbone sorgt dafür, dass Aufbewahrungsfristen, Löschregeln und Zugriffsrechte konsistent und systemübergreifend eingehalten werden – und nicht lokal unterschiedlich interpretiert werden.

Was leistet Iron Mountains InSight DXP konkret?

InSight DXP ist eine Plattform, die Informationen aus verschiedenen Quellen konsolidiert, dokumentenbasierte Workflows steuert und KI-gestützte Klassifikation sowie Anreicherung ermöglicht. Sie verbindet digitale Workflows mit physischen Serviceleistungen wie Scanning, Archivierung und Governance.

Müssen bestehende ERP- oder MES-Systeme ersetzt werden?

Nein. Ein Informations-Backbone ersetzt keine bestehenden Systeme, sondern ergänzt sie um eine verbindende Informationsschicht. ERP, HR-Systeme und Produktionslösungen bleiben in Betrieb und werden durch die neue Struktur besser miteinander verbunden.

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Quelle des Titelbildes: Adobe Stock / Wahib Khan

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