Der Stichtag, den viele Navision-Anwender verschlafen
Business Central löst Navision ab, der Support für NAV 2016 endet im April. Was der Mittelstand bei der Cloud-Migration wirklich entscheiden muss.
Am 14. April 2026 ist für Dynamics NAV 2016 Schluss: keine Sicherheits- und Steuer-Updates, kein Support mehr. Wer noch auf Navision arbeitet, steht damit vor einer Entscheidung, die größer ist als ein Versionssprung. Der langfristige Microsoft-Pfad führt zu Dynamics 365 Business Central und genau dort beginnen die Fragen, die der Mittelstand jetzt beantworten muss.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Stichtag steht fest: NAV 2016 verlässt am 14. April 2026 den Extended Support. NAV 2018 hat eine Galgenfrist bis Januar 2028, mehr nicht.
- Business Central ist die nächste Generation: Es stammt aus derselben Codebasis wie Navision und ist dessen direkter Nachfolger. In der Cloud läuft es unter der Modern Lifecycle Policy, also ohne festes Ablaufdatum.
- Die Migration ist ein Projekt, kein Knopfdruck: Partner veranschlagen meist sechs bis zwölf Wochen, wenn die Anpassungstiefe überschaubar ist. Custom-Code und Datenqualität treiben die Rechnung.
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Was am 14. April wirklich endet
Microsoft führt Dynamics NAV nach der Fixed Lifecycle Policy: zehn Jahre Support pro Version, aufgeteilt in fünf Jahre Mainstream und fünf Jahre Extended. NAV 2016 kam im Januar 2016 auf den Markt, die Mainstream-Phase endete bereits 2021. Mit dem 14. April 2026 läuft auch der Extended Support ab.
Das ist kein weiches Auslaufen. Ab diesem Datum liefert Microsoft keine Sicherheitsupdates mehr, keine regulatorischen oder steuerlichen Anpassungen, keine Bugfixes und keinen technischen Support. Eine Schwachstelle, die nach dem Stichtag auftaucht, bleibt offen. Für ein System, in dem Finanzbuchhaltung, Lager und Einkauf zusammenlaufen, ist das ein Betriebsrisiko, kein Schönheitsfehler.
Wer auf NAV 2018 sitzt, gewinnt etwas Zeit: Der Extended Support läuft hier noch bis Januar 2028. Als Planungspuffer taugt das, als Ausrede nicht. Die Migration braucht Vorlauf und 2028 ist näher als es klingt.
Cloud, On-Premise oder Hybrid: drei Wege zum selben Nachfolger
Was ist Dynamics 365 Business Central? Business Central ist Microsofts ERP-System für kleine und mittlere Unternehmen. Es bündelt Finanzbuchhaltung, Einkauf, Lager und Vertrieb in einer Plattform und ist der direkte Nachfolger von Dynamics NAV, das viele noch als Navision kennen.
Business Central ist nicht der Bruch, als den ihn mancher fürchtet. Die Plattform ist der direkte Nachfolger von NAV, aus derselben Codebasis gewachsen. Die eigentliche Weichenstellung liegt im Betriebsmodell und hier hat der Mittelstand drei Optionen.
In der Cloud läuft Business Central als SaaS unter der Modern Lifecycle Policy. Heißt: kein fixes Support-Ende, solange das Abonnement aktiv ist und zwei Release Waves pro Jahr. On-Premise bleibt möglich, verlagert die Verantwortung für Updates und Infrastruktur aber zurück ins eigene Haus, inklusive des nächsten Lifecycle-Stichtags. Hybrid kombiniert beides, etwa Datenhaltung lokal und Auswertung in der Cloud und ist meist eine Übergangs- statt einer Zielarchitektur.
| Kriterium | Cloud (SaaS) | On-Premise | Hybrid |
|---|---|---|---|
| Lifecycle | Modern Lifecycle, kein festes Ende | Fixed Lifecycle, erneuter Stichtag | gemischt, je Komponente |
| Updates | automatisch, zweimal jährlich | manuell, in Eigenregie | teils automatisch |
| Betrieb | bei Microsoft | im eigenen Haus | geteilt |
| Anpassungstiefe | über Extensions, klar begrenzt | weitreichend, aber wartungslastig | je nach Schnitt |
| Eignung | Zielbild für die meisten | Sonderfall mit Begründung | Übergang, nicht Dauerlösung |
Für die meisten mittelständischen Anwender ist die Cloud-Variante das Zielbild, weil sie genau das Problem löst, das gerade akut wird: Der nächste Support-Stichtag verschwindet. On-Premise bleibt die Wahl für Häuser mit harten Datenhaltungs-Auflagen oder tiefer Spezialanpassung, braucht dann aber eine echte Begründung jenseits von Gewohnheit.
Wo die Migration teuer wird
Der Versionssprung selbst ist nicht der Kostentreiber. Teuer wird, was über die Jahre an Navision drangewachsen ist. Jede individuell programmierte Anpassung muss in das Extension-Modell von Business Central übersetzt werden, denn die alten C/AL-Eingriffe in den Standard funktionieren so nicht weiter.
Der zweite Treiber ist die Datenqualität. Wer Karteileichen, doppelte Stammdaten und historische Altlasten eins zu eins mitnimmt, zahlt für Ballast und schleppt Probleme ins neue System. Die Migration ist der seltene Moment, in dem ein Frühjahrsputz im Datenbestand betriebswirtschaftlich vertretbar ist.
Was den Aufwand treibt
- Tiefe Custom-Anpassungen im alten C/AL-Code
- Unaufgeräumte Stamm- und Bewegungsdaten
- Viele Schnittstellen zu Dritt- und Branchensystemen
Was ihn dämpft
- Nähe zum Standard statt Sonderlocken
- Datenbereinigung vor der Übernahme
- Klare Priorität, was wirklich mitmuss
Sechs bis zwölf Wochen, wenn alles glatt läuft
Als grobe Hausnummer veranschlagen Partner sechs bis zwölf Wochen für eine Migration von NAV nach Business Central, Tests und Schulung eingerechnet. Diese Spanne hält aber nur bei überschaubarer Anpassungstiefe. Bei stark individualisierten Installationen mit vielen Schnittstellen werden daraus schnell mehrere Monate.
Unterschätzt wird regelmäßig der Teil, der nichts mit Technik zu tun hat. Ein ERP-Wechsel verändert Masken, Abläufe und Auswertungen, an denen Teams jahrelang Routine aufgebaut haben. Wer Schulung und Testbetrieb am Ende kürzt, spart an der falschen Stelle und bezahlt es im Echtbetrieb. Der Zeitplan sollte vom Stichtag rückwärts gerechnet werden, nicht vom Wunschtermin vorwärts.
Was der Stichtag für die Roadmap heißt
Der naheliegende Reflex ist die Eins-zu-eins-Verlagerung: altes System abbilden, Haken dran. Genau das ist die teuerste Variante, weil sie jede Altlast mitnimmt und die Chance verschenkt, die in jedem erzwungenen Wechsel steckt. Die bessere Frage ist eine andere: Welche Prozesse wollen wir gar nicht mehr so haben, wie sie heute laufen?
Der Stichtag ist damit weniger ein IT-Termin als eine betriebswirtschaftliche Wegmarke. Er erzwingt eine Entscheidung, die viele Häuser sonst weiter aufgeschoben hätten. Wer die Migration als reines Pflichtprogramm behandelt, hat am Ende ein neues System mit alten Problemen. Wer sie als Schnitt nutzt, modernisiert Prozesse, die ohnehin überfällig waren. Der 14. April nimmt die Wahl, ob man umzieht. Die Wahl, wie gut, bleibt.
Häufige Fragen
Wann endet der Support für Dynamics NAV 2016 genau?
Der Extended Support für NAV 2016 endet am 14. April 2026. Ab diesem Datum gibt es keine Sicherheitsupdates, regulatorischen Anpassungen, Bugfixes oder technischen Support mehr. NAV 2018 wird noch bis Januar 2028 unterstützt.
Ist Business Central dasselbe wie Navision?
Business Central ist der direkte Nachfolger und aus derselben Codebasis hervorgegangen. Es ist also keine fremde Software, sondern die aktuelle Generation der Plattform. Der größte Unterschied liegt im Betriebsmodell und im Umgang mit Anpassungen über Extensions statt direkter Code-Eingriffe.
Muss die Migration zwingend in die Cloud führen?
Nein. Business Central gibt es als Cloud-, On-Premise- und Hybrid-Variante. Nur die Cloud-Variante läuft unter der Modern Lifecycle Policy ohne festes Support-Ende. On-Premise bleibt möglich, bringt aber den nächsten Lifecycle-Stichtag und den Eigenbetrieb zurück ins Haus.
Wie lange dauert eine Migration nach Business Central?
Partner veranschlagen bei überschaubarer Anpassungstiefe meist sechs bis zwölf Wochen, inklusive Tests und Schulung. Stark individualisierte Installationen mit vielen Schnittstellen können mehrere Monate brauchen. Custom-Code und Datenqualität sind die wichtigsten Faktoren.
Was passiert, wenn wir nach dem Stichtag bei NAV bleiben?
Das System läuft technisch weiter, erhält aber keine Sicherheits- und Steuer-Updates mehr. Neue Schwachstellen bleiben offen, gesetzliche Änderungen werden nicht mehr abgebildet. Für ein zentrales Finanz- und Warensystem ist das ein wachsendes Compliance- und Betriebsrisiko.
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Bildquelle: KI-generiert (Juli 2026)

