Amazon kauft Qualcomm-Chips und bekommt Aktien dazu
Qualcomm entwickelt Inferenz-Chips und 1,6-Terabit-Optik für AWS. Amazon erhält 25 Millionen Bezugsrechte, 3,75 Millionen davon sofort.
Qualcomm und Amazon haben am 8. September 2026 eine Partnerschaft über mehrere Chip-Generationen vorgelegt. Qualcomm entwickelt Inferenz-Chips für Amazons Rechenzentren und optische Verbindungen bis 1,6 Terabit pro Sekunde. Als Gegenleistung für Bestellungen erhält Amazon ein Bezugsrecht auf bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien. Wann die ersten Karten in einer AWS-Region rechnen, ist offen.
Das Wichtigste in Kürze
- Qualcomm entwickelt für Amazon über mehrere Generationen Chips für KI-Inferenz. Der Vertrag umfasst die Inferenz und lässt das Training der Modelle aus.
- Qualcomm und Amazon bauen optische Strecken bis 1,6 Terabit pro Sekunde. Die Bandbreite zwischen Racks gehört in dasselbe Lieferpaket.
- Amazon erhält laut Börsenmitteilung ein Bezugsrecht über 25 Millionen Qualcomm-Aktien bis 2036. 3,75 Millionen Stück kann Amazon sofort ausüben, der Rest wird mit Bestellungen fällig.
- Die restlichen Bezugsrechte werden erst mit Zahlungen von bis zu rund 52 Milliarden Euro fällig. Diese Summe ist eine Obergrenze und keine Abnahmezusage.
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Was ist KI-Inferenz? Inferenz ist der Betrieb eines fertig trainierten KI-Modells: Jede Anfrage eines Nutzers wird durch das Modell gerechnet und beantwortet. Sie braucht andere Chips als das Training, weil viele kurze Anfragen statt eines langen Rechenlaufs anfallen.
Inferenz-Chips für Amazons Hallen ohne neuen Instanztyp
Qualcomm Technologies hat am 8. September 2026 mit Amazon eine Zusammenarbeit über mehrere Chip-Generationen bekannt gegeben. Der Auftrag gilt Silizium für KI-Inferenz in großen Rechenzentren. Cristiano Amon, Präsident und Chef von Qualcomm, sagt dort, die Infrastruktur brauche Fortschritte beim Rechnen und bei der Verbindung, damit mehr Leistung bei höherer Effizienz ankommt. Prasad Kalyanaraman, Vizepräsident bei AWS, spricht von einer Partnerschaft, die auf einer bestehenden Zusammenarbeit aufbaut.
Amazon betreibt AWS und kauft damit neben den bekannten Beschleunigern eine zweite Chiparchitektur ein. Qualcomm kommt aus dem Smartphone-Geschäft und ergänzt mit der Dragonfly-Linie Serverprozessoren und Inferenzkarten. Inferenz heißt hier viele kurze Anfragen an ein fertiges Modell. Genau diese Last wächst, sobald Assistenten in Produkten dauernd antworten. Das wochenlange Training der Modelle gehört nicht zu diesem Vertrag.
Eine Stückzahl für die Karten nennen beide Firmen nicht. Der Vertrag beschreibt, was Amazon in eigenen Hallen künftig einbauen darf. Ein neuer Instanztyp in der AWS-Konsole gehört nicht dazu, deshalb ändert sich für Kunden, die heute eine GPU-Instanz starten, zunächst nichts.
Optik bis 1,6 Terabit pro Sekunde steht im selben Vertrag
Neben den Chips nennen beide Firmen optische Verbindungen bis 1,6 Terabit pro Sekunde und spätere Generationen. Qualcomm liefert dafür SerDes-Blöcke, also Bausteine, die parallele Datenströme auf schnelle serielle Leitungen umsetzen. Dazu kommen optische Digitalsignalprozessoren. Beide wandeln zwischen elektrischem Signal auf der Platine und Licht auf der Faser.
In einem KI-Cluster entscheidet oft die Strecke zwischen den Racks über das Tempo, weil hundert Beschleuniger auf dieselben Modellgewichte warten und die Verbindung dann den Durchsatz begrenzt. 1,6 Terabit pro Sekunde ist die Obergrenze, die beide Firmen für diese Generation nennen. Eine gemessene Datenrate aus einem laufenden AWS-Cluster gibt es noch nicht.
Reuters berichtet, dass AWS mit Marvell und Broadcom bereits Netzwerklieferanten hat. Die Optikarbeit ersetzt diese Lieferanten nicht automatisch, sie ergänzt Qualcomms Rechenkern um ein zweites Geschäftsfeld im Cluster-Netz.
3,75 Millionen Aktien sofort, der Rest folgt den Bestellungen
Am 3. September 2026 hat Qualcomm Incorporated Amazon.com NV Investment Holdings LLC ein Bezugsrecht erteilt. Das 8-K vom 8. September an die US-Börsenaufsicht nennt bis zu 25 Millionen Stammaktien. Der Ausübungspreis liegt umgerechnet bei rund 139 Euro je Stück (EZB-Kurs vom 8. September 2026), die Laufzeit endet am 3. September 2036. Amazon darf den Gegenwert in Geld erhalten, statt Aktien zu kaufen. Stimmrechte entstehen erst, wenn Amazon das Bezugsrecht in Stammaktien wandelt.
3,75 Millionen Bezugsrechte kann Amazon seit der Ausgabe ausüben. Qualcomm begründet das mit ersten Kaufzusagen. Der Rest wird in Tranchen fällig, sobald Verträge stehen, Bestellungen eingehen und Amazon Server-Chips, Technik, Systeme und Fertigungsleistungen bezahlt. Diese Kopplung endet bei Zahlungen von umgerechnet rund 52 Milliarden Euro.
Reuters beziffert das Bezugsrecht mit umgerechnet rund 3,4 Milliarden Euro. Der Marktwert der Option und der künftige Chipumsatz sind davon getrennt. Über die erste Tranche hinaus wird Amazon nur in dem Maß Anteilseigner, in dem es Ware abnimmt und bezahlt.
Die 52 Milliarden Euro greifen nur bei Zahlung
Die rund 52 Milliarden Euro sind eine Obergrenze für Zahlungen und kein gesicherter Umsatz für Qualcomm. Die Tranchen greifen nur, wenn Amazon bestellt und bezahlt. Bleiben die Bestellungen aus, bleibt der Großteil der Aktienoption liegen.
Vergleichbare Bezugsrechte gab es schon in anderen Verträgen zwischen Chipherstellern und großen Cloud-Betreibern. Der Kunde bekommt einen Preisvorteil in Form einer Option, der Lieferant eine Chance auf Volumen ohne Abnahmegarantie in der Bilanz. Für Qualcomm ist Amazon ein Referenzkunde im Geschäft mit Rechenzentrums-Chips.
Offen bleibt die Marge. Maßgeschneidertes Silizium für einen einzelnen Cloud-Betreiber bindet Designteams über Jahre. Läuft der Abruf schleppend, zahlt Qualcomm die Vorleistung, läuft er stark, verwässert das Bezugsrecht die bestehenden Aktionäre. Weder die erwartete Marge noch den Verwässerungseffekt haben Qualcomm und Amazon beziffert.
Qualcomm legt eigenes Chipdesign auf AWS
Qualcomm will eigene Entwurfslasten stärker auf AWS legen, einschließlich Amazon Bedrock für die Automatisierung im Chipdesign. Beide Firmen versprechen sich davon kürzere Entwicklungszyklen, ohne eine Dauer in Wochen zu nennen.
Kunde und Lieferant nutzen damit dieselbe Cloud. Amazon kauft Chips und betreibt zugleich die Infrastruktur, mit der Qualcomm die nächsten Generationen entwirft. Entwurfsdaten von Qualcomm laufen also über Dienste, die Amazon selbst verkauft. Daraus entsteht eine Abhängigkeit in die Gegenrichtung.
An einer laufenden Instanz ändert der Vertrag die Programmierschnittstelle nicht, weil der Lieferant hinter der Karte später ein anderer sein kann. Einen Zeitpunkt für einen Instanztyp mit Qualcomm-Karten hat Amazon nicht genannt.
Amazon nennt keine Karte, kein Quartal und keine Region
Welche Inferenzkarte Amazon bezieht, haben beide Firmen nicht genannt, ebenso wenig das Quartal und die Regionen der ersten Systeme. Für das Nachtrainieren bestehender Modelle sieht der Vertrag keinen Lieferantenwechsel vor.
Qualcomm führt seine Rechenzentrumskarten in der Linie High Bandwidth Compute und verspricht dort mehr Speicherbandbreite je Watt als bei klassischem HBM-Speicher (High Bandwidth Memory). Ob Amazon genau diese Karten nimmt, sagen Qualcomm und Amazon nicht.
Amazon zahlt für Silizium und sichert sich über das Bezugsrecht eine Beteiligung am Lieferanten. Qualcomm nimmt die Verwässerung in Kauf und gewinnt einen Cloud-Kunden, der selbst entscheidet, wann die nächste Tranche fällig wird. Die nächste Zahl zu Bestellungen und Zahlungen folgt im Quartalsbericht von Qualcomm.
Häufige Fragen
Kauft Amazon damit Trainingschips von Qualcomm?
Nein. Der Vertrag gilt Chips für die Inferenz in großen KI-Rechenzentren. Trainingschips und einen Lieferantenwechsel für das Training nennt Qualcomm nicht.
Sind die rund 52 Milliarden Euro aus der Börsenmitteilung ein Festauftrag?
Nein. Die Summe ist eine Obergrenze: Nur bis zu dieser Höhe zählen Zahlungen von Amazon für die Fälligkeit weiterer Aktien. Ohne Bestellungen und ohne Zahlung wird der Rest des Bezugsrechts nicht fällig.
Was ändert sich an einer laufenden AWS-Instanz?
Zunächst nichts an der Programmierschnittstelle. Der Vertrag betrifft Silizium und optische Verbindungen in Amazons Rechenzentren. Einen Zeitpunkt für Instanztypen mit Qualcomm-Karten hat Amazon noch nicht genannt.
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