Proxmox: Ohne Investoren auf Millionen Servern
Martin und Dietmar Maurer bauten Proxmox ohne Investoren auf. Im Herbst 2026 folgen eine Tochter in Kanada und Support rund um die Uhr.
Proxmox erweitert seinen Enterprise-Support ab dem 19. Oktober 2026 auf eine Abdeckung rund um die Uhr und startet mit Proxmox North America eine Tochter in Kingston, Ontario. Die Entwicklung bleibt in Wien, wo Martin und Dietmar Maurer das Unternehmen im Februar 2005 ohne externe Investoren gegründet haben.
Das Wichtigste in Kürze
- Proxmox wurde 2005 in Wien ohne externe Investoren gegründet. Zum zehnjährigen Bestehen 2015 bezeichnete sich das Unternehmen als unabhängig und profitabel.
- Ab dem 19. Oktober 2026 gibt es Enterprise-Support rund um die Uhr. Im Premium-Plan ist die Abdeckung ab diesem Tag enthalten.
- Mit Proxmox North America entsteht ein Standort in Kingston, Ontario. Dort laufen Vertrieb, Vertragsverwaltung und technischer Support, die Entwicklung bleibt in Wien.
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Gründung ohne Fremdkapital in Wien
Im Februar 2005 gründeten Martin und Dietmar Maurer in Wien die Firma Proxmox Server Solutions. Sie starteten ohne externe Investoren. Zum zehnjährigen Bestehen 2015 bezeichnete sich das Unternehmen als unabhängig und profitabel.
Das Ziel der Gründung beschrieb Martin Maurer zum 20-jährigen Bestehen 2025 so: „Als wir Proxmox vor 20 Jahren gestartet haben, war unser Ziel einfach: leistungsfähige Open-Source-Werkzeuge für Server für alle zugänglich zu machen.“ Open Source bezeichnet Software, deren Quellcode offen einsehbar ist und frei genutzt werden darf. Zum Angebot gehört Proxmox VE, eine Plattform für Virtualisierung. Dabei teilt eine Software einen physischen Server in mehrere virtuelle Maschinen auf, die wie eigenständige Rechner arbeiten.
Was ist ein Subskriptionsmodell bei Open Source? Bei einem Subskriptionsmodell zahlen Kunden einen wiederkehrenden Betrag, meist jährlich, für Leistungen rund um eine Software. Bei Open-Source-Software bleibt der Quellcode dabei frei verfügbar, bezahlt werden etwa Support und vertraglich zugesicherte Reaktionszeiten. Proxmox führte ein solches Modell 2013 ein und berechnet den Support für Proxmox VE pro belegtem physischem CPU-Sockel.
Support-Abos als Geschäftsmodell
2013 führte Proxmox ein Subskriptionsmodell ein. Die Software selbst bleibt frei verfügbar, Unternehmen buchen einen jährlichen Support-Plan in drei Stufen. Für Proxmox VE kostet dieser Support pro belegtem physischem CPU-Sockel, also pro bestücktem Prozessor-Steckplatz eines Servers, im Jahr 370 Euro im Basic-, 550 Euro im Standard- und 1.100 Euro im Premium-Plan. 2020 brachte das Unternehmen den Proxmox Backup Server heraus, entwickelt in der Programmiersprache Rust.
Zum 20-jährigen Bestehen 2025 nannte Proxmox 1,5 Millionen Hosts und mehr als 200.000 Mitglieder in der Community. Anfang September 2026 gab das Unternehmen mehr als 2,3 Millionen aktive Server mit Proxmox VE an. Nach eigenen Angaben haben mehr als 60.000 Unternehmen einen Support-Plan abgeschlossen.
Kingston als zweiter Standort
Am 2. September 2026 gab Proxmox den Start der Tochter Proxmox North America mit Sitz in Kingston in der kanadischen Provinz Ontario bekannt. Sie übernimmt Vertrieb, Vertragsverwaltung und technischen Support zu nordamerikanischen Geschäftszeiten. Produktentwicklung und Kernentwicklung bleiben in Wien.
An der Spitze der Tochter steht Bill Hughes als CEO. Er beschreibt den neuen Standort als Teil der bestehenden Struktur: „Das Team in Kingston ist ein integrierter Teil der weltweiten Proxmox-Support-Organisation.“ Damit verteilt sich der technische Support auf zwei Kontinente, während der Code weiter aus Österreich kommt.
Support rund um die Uhr
Ab dem 19. Oktober 2026 erweitert Proxmox seinen Enterprise-Support auf eine Abdeckung rund um die Uhr. Enterprise-Support meint die vertraglich vereinbarte Hilfe des Herstellers bei Störungen im Produktivbetrieb, geregelt über ein Service Level Agreement (SLA), also zugesicherte Reaktionszeiten. Im Premium-Plan ist die Abdeckung rund um die Uhr ab diesem Tag enthalten.
COO Tim Marx ordnet den Schritt als folgerichtig ein: „Support rund um die Uhr zu einem Standardbestandteil unseres Enterprise-Angebots zu machen, ist der logische Schritt.“ Er verbindet damit eine Erwartung an den Markt: „Damit fällt einer der letzten Gründe weg, aus denen Organisationen zögern, Open-Source-Infrastruktur in den Kern ihres Produktivbetriebs zu stellen.“
Was andere Softwarehäuser mitnehmen
Die Chronik von Proxmox verteilt sich auf zwei Jahrzehnte: Gründung 2005 ohne externe Investoren, Subskriptionsmodell 2013, Backup Server 2020, eigene Tochter in Nordamerika und Support rund um die Uhr 2026. Auch mit dem neuen Standort in Kanada bleibt die Entwicklung in Wien.
Für Gründer im deutschsprachigen Raum liefert der Fall ein Beispiel dafür, dass ein quelloffenes Produkt und bezahlter Support nebeneinander bestehen können. Die Software ist frei nutzbar, gleichzeitig zahlen nach eigenen Angaben mehr als 60.000 Unternehmen für einen Support-Plan. Für IT-Abteilungen, die Proxmox bereits betreiben, verschiebt sich mit dem 19. Oktober 2026 eine praktische Frage: wer nachts und am Wochenende beim Hersteller erreichbar ist. Ob das die Zurückhaltung gegenüber quelloffener Infrastruktur verringert, die Tim Marx beschreibt, zeigt erst die Nachfrage nach den Plänen.
Häufige Fragen
Was ändert sich für Kunden mit Standard- oder Basic-Plan?
Für Standard-Kunden öffnet der Zugang zum Support rund um die Uhr in einem Onboarding-Fenster im vierten Quartal 2026. Im Basic-Plan bleibt das bestehende SLA unverändert.
Aus welchen Branchen kommen die Proxmox-Kunden?
Zu den Kunden zählen Unternehmen und Einrichtungen aus Cloud, Gesundheitswesen, Staat, Finanzwesen und Bildung. Für sie alle gilt dieselbe Preisstruktur pro belegtem CPU-Sockel.
Wie groß ist das Partnernetz von Proxmox?
Zum 20-jährigen Bestehen 2025 nannte Proxmox mehr als 1.000 Reseller und Partner in mehr als 142 Ländern. Anfang September 2026 gab das Unternehmen mehr als 3.000 Integrationspartner an.
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