openDesk öffnet sich für private Cloud-Anbieter
Das Zentrum für Digitale Souveränität lässt private Anbieter openDesk verkaufen und betreiben. Die Hürden für den Betrieb sind hoch.
Seit Oktober 2024 gibt es openDesk, die Office- und Kollaborationssuite des Bundes. Verkaufen durften sie bisher nur öffentliche IT-Dienstleister. Mit neun Monaten Verspätung öffnet das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) den Vertrieb jetzt für private Cloud-Anbieter und Systemhäuser.
Das Wichtigste in Kürze
- Private Anbieter dürfen openDesk ab sofort vertreiben und betreiben. ZenDiS hat dafür am 23. September drei Partnerkategorien eingeführt.
- Wer openDesk als Cloud-Dienst anbietet, braucht BSI C5 und SEAL-Stufe 3. Beide Nachweise verlangen aufwendige Prüfungen.
- Das Programm kommt deutlich später als geplant. ZenDiS hatte es für Ende 2025 angekündigt und im Januar auf das erste Quartal 2026 verschoben.
Die Bundes-Suite geht in den freien Markt
openDesk bündelt E-Mail, Kalender, Dateiablage, Textverarbeitung, Chat und Videokonferenzen in einer Suite aus europäischen Open-Source-Komponenten. Entwickelt und vertrieben wird sie vom ZenDiS, einer GmbH im Besitz des Bundes. Sie soll Behörden eine Alternative zu Microsoft 365 bieten.
Bisher lief der Vertrieb nur über öffentliche IT-Dienstleister. Seit dem 23. September können auch private Cloud-Anbieter und Systemhäuser eigene Angebote auf Basis der openDesk Enterprise Edition bauen. „Mit dem openDesk-Partnerprogramm geben wir eine Antwort auf die enorme Nachfrage nach unserer souveränen Office- und Kollaborationssuite“, sagt ZenDiS-Geschäftsführerin Pamela Krosta-Hartl in der Ankündigung.
Was ist openDesk? openDesk ist die Office- und Kollaborationssuite des Zentrums für Digitale Souveränität, einer Gesellschaft des Bundes. Sie kombiniert europäische Open-Source-Programme für E-Mail, Kalender, Dateien, Dokumente, Chat und Videokonferenzen. Behörden setzen sie seit Oktober 2024 als Alternative zu Microsoft 365 ein.
Drei Wege zum Partnerstatus
Das Programm unterscheidet drei Rollen. Offizielle Distributoren beliefern Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister mit openDesk-Abonnements. Zugelassene Systemintegratoren übernehmen Einführung und Betrieb beim Kunden und müssen Erfahrung mit Open Source, Kubernetes und openDesk selbst nachweisen.
Am anspruchsvollsten ist die dritte Rolle. Als Approved Sovereign Service Provider betreibt ein Anbieter openDesk als Software-as-a-Service in der eigenen Cloud. Weitere Kategorien, darunter Beratungspartner, will ZenDiS in den kommenden Wochen nachreichen.
Für den Cloud-Betrieb gelten strenge Nachweise
Wer openDesk als Cloud-Dienst anbieten will, braucht ein Testat nach dem C5-Katalog des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Zusätzlich verlangt ZenDiS die Stufe 3 im European Cloud Sovereignty Framework, abgekürzt SEAL. Beide Nachweise erfordern externe Prüfungen.
Systemhäuser ohne diese Nachweise sind trotzdem nicht ausgeschlossen. Sie können openDesk als Wiederverkäufer über einen offiziellen Distributor anbieten, ohne eigenes Zulassungsverfahren. Den Betrieb übernimmt dann ein zugelassener Anbieter.
Zwei Termine sind verstrichen
Ursprünglich wollte ZenDiS das Vertriebsprogramm bis Ende 2025 starten. Im Januar 2026 räumte das Zentrum ein, dieses Ziel verfehlt zu haben. Als neuen Termin nannte es das erste Quartal 2026. Das Zentrum begründete das mit der aufwendigen Abstimmung mit den Beteiligten.
Auch dieser Termin verstrich. Der Start am 23. September liegt rund ein halbes Jahr hinter der zweiten Zusage.
Ein zweiter Weg für Behörden
Parallel baut ZenDiS den Zugang für die Verwaltung aus. Gemeinsam mit der Genossenschaft govdigital entsteht ein SaaS-Angebot, das Behörden über den Marktplatz Deutschland Digital und den Cloud-Broker gd.Cloud beziehen können, meldet Kommune21. Für private Anbieter entsteht damit auch Konkurrenz aus dem öffentlichen Lager.
Bewerbungen für das Partnerprogramm nimmt ZenDiS über die openDesk-Website entgegen.
Häufige Fragen
Können Unternehmen openDesk jetzt kaufen?
Ja, über private Partner. Distributoren und zugelassene Cloud-Anbieter dürfen openDesk-Abonnements seit dem 23. September auch außerhalb der Verwaltung anbieten.
Welche Nachweise braucht ein Cloud-Anbieter für den Betrieb?
Er braucht ein C5-Testat des BSI und die Stufe 3 im European Cloud Sovereignty Framework. Ohne diese Nachweise bleibt nur der Wiederverkauf über einen Distributor.
Warum kommt das Programm so spät?
ZenDiS nannte im Januar die aufwendige Abstimmung mit den Beteiligten als Grund. Geplant war der Start ursprünglich für Ende 2025.
Lesetipps der Redaktion
cloudmagazinProxmox-Umzug: VMware-Rückweg bleibt ungebautcloudmagazinCloudflare: Trennung von Bot und Mensch gilt als überholtcloudmagazinAWS: Multi-AZ endet an der RegionalgrenzeMehr aus dem MBF Media Netzwerk
Digital ChiefsBundeskanzlei: 3000 Beschäftigte wechseln auf openDeskBildquelle: KI-generiert (September 2026)

