US-Rechenzentren lassen private Stromkunden mitzahlen
Sieben Rechenzentrumsbetreiber sagen volle Kostenübernahme zu, aber nur für exklusiv genutzte Infrastruktur. Private Stromkunden zahlen mit.
Die US-Senatoren Elizabeth Warren, Richard Blumenthal und Chris Van Hollen haben am 9. Oktober Untersuchungsergebnisse zu sieben Unternehmen veröffentlicht, darunter Amazon, Google, Meta und Microsoft. Demnach tragen private Stromkunden einen Teil der Netzkosten, die die Anlagen der untersuchten Rechenzentrumsbetreiber auslösen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kostenzusagen gelten nur für exklusiv genutzte Infrastruktur. Folgekosten für private Stromkunden decken die untersuchten Betreiber damit nicht vollständig ab.
- Eine Kostenverteilung nach Verursacherprinzip lehnen die meisten Betreiber ab. Sie argumentieren, dass gemeinsam genutzte Netzausbauten auch anderen Stromkunden zugutekommen.
- Microsoft hält an Geheimhaltungsvereinbarungen und Steuerbefreiungen fest. Umfassende Nachweise zu geschaffenen Vollzeitstellen legte keines der sieben Unternehmen vor.
Verwandt:Kubermatic-Chef Scheele: KI-Modelle wie Software betreiben / Mistral bringt Europa in Sichtweite der KI-Spitze
Microsoft verspricht Kostenübernahme
Am 13. Januar kündigte Microsoft an, für seine US-Rechenzentren Stromtarife zu unterstützen, die die Stromversorgung und die erforderliche Infrastruktur abdecken. Diese Kosten sollten nicht an private Stromkunden weitergegeben werden. Die Zusage betraf eine Frage, die in den USA zunehmend politisch verhandelt wird.
Microsofts Zusage vom 13. Januar 2026 für die Stromtarife seiner US-Rechenzentren: Netz und Versorgung zahlt der Betreiber, nicht der private Stromkunde.
Am 9. Oktober veröffentlichten die US-Senatoren Elizabeth Warren, Richard Blumenthal und Chris Van Hollen Ergebnisse ihrer Untersuchung zu sieben Rechenzentrumsbetreibern. Microsoft gehört dazu, ebenso Amazon, Google und Meta. Gegenstand waren die Auswirkungen der Anlagen auf lokale Gemeinden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wer den Ausbau des Stromnetzes bezahlt, den die Anlagen auslösen.
Was ist verursachungsbezogene Kostenverteilung? Bei einer verursachungsbezogenen Kostenverteilung, englisch „but-for cost allocation“, trägt ein Projekt die Netzkosten, die ohne dieses Projekt nicht entstanden wären. Maßstab ist der Auslöser einer Investition, unabhängig davon, wer die neue Infrastruktur später mitnutzt. Die meisten der sieben untersuchten Rechenzentrumsbetreiber lehnen diese Methode ab.
Kostenzusagen haben Grenzen
Die untersuchten Betreiber geben Zusagen zur vollständigen Kostenübernahme, englisch „full cost of service“. Nach den Untersuchungsergebnissen gelten diese Zusagen nur für Infrastruktur, die ausschließlich dem jeweiligen Betreiber dient. Netzausbauten, die mehrere Kunden gemeinsam nutzen, fallen damit heraus.
Die Zusagen decken deshalb nicht sämtliche Folgekosten ab, die auf private Stromkunden entfallen. Die Grenze zwischen exklusiver und gemeinsam genutzter Infrastruktur entscheidet so darüber, welcher Teil der Kosten beim Betreiber bleibt.
Wer soll den Netzausbau bezahlen?
Eine verursachungsbezogene Kostenverteilung lehnten die untersuchten Betreiber überwiegend ab. Das Prinzip, englisch „but-for cost allocation“, rechnet einem Projekt die Kosten zu, die ohne dieses Projekt nicht entstanden wären. Die Betreiber halten dagegen, dass gemeinsam genutzte Netzausbauten auch anderen Stromkunden zugutekommen.
Beide Positionen beziehen sich auf dieselben Ausbauten. Das Verursacherprinzip setzt beim Auslöser einer Investition an, das Argument der Betreiber beim späteren Nutzen.
Microsoft nutzt weiterhin Geheimhaltung
Ein weiterer Teil der Untersuchung betrifft Geheimhaltungsvereinbarungen, kurz NDAs. Mit ihnen verpflichten sich Vertragspartner, Details eines Vorhabens vertraulich zu behandeln. Meta begründete die Vertraulichkeit während der Projektentwicklung gegenüber den Ermittlern mit höherer Effizienz und Geschwindigkeit.
Microsoft verzichtet gegenüber Kommunalverwaltungen auf NDAs. Mit staatlichen Behörden und Energieversorgern nutzt der Konzern sie nach eigener Bestätigung weiterhin.
Amazon erklärte am 2. Oktober, eine Woche vor der Veröffentlichung, bei seinen Projekten keine Geheimhaltungsvereinbarungen mehr mit beteiligten Behörden zu nutzen. Welche Behörden gemeint sind und ob auch Auftragnehmer unter den Verzicht fallen, ließ die Erklärung nach den Untersuchungsergebnissen offen.
Steuerbefreiungen und fehlende Jobzahlen
Microsoft bestätigte den Ermittlern zudem, weiterhin Befreiungen von der Verkaufssteuer beantragen und annehmen zu wollen. Die Verkaufssteuer, englisch „sales tax“, ist eine Abgabe auf den Kauf von Waren. Die Befreiungen betreffen Chips und andere Rechenzentrumsausrüstung.
Zu den Vollzeitarbeitsplätzen an ihren Anlagen legte keines der sieben Unternehmen umfassende quantitative Nachweise vor. Ob die Konzerne diese Zahlen nicht vorlegen konnten oder nicht vorlegen wollten, bleibt offen.
Häufige Fragen
Wer steht hinter der Untersuchung?
Die Untersuchung stammt von drei demokratischen US-Senatoren. Elizabeth Warren vertritt Massachusetts, Richard Blumenthal Connecticut und Chris Van Hollen Maryland.
Welche Unternehmen wurden befragt?
Neben Amazon, Google, Meta und Microsoft gehören CoreWeave, Digital Realty und Equinix zu den sieben untersuchten Betreibern. Die Ergebnisse zu allen sieben Unternehmen wurden am 9. Oktober veröffentlicht.
Was hat Amazon den Standortgemeinden zugesagt?
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP kündigte Amazon für Gemeinden mit eigenen Rechenzentren zusätzliche Investitionen von mehr als umgerechnet rund 890 Millionen Euro über die nächsten fünf Jahre an. Das Geld soll in Bildung, Berufsausbildung, Wasser- und Energiesparprojekte sowie lokale Prioritäten fließen. Beide Amazon-Ankündigungen, zu den Investitionen und zum NDA-Verzicht, sind auf den 2. Oktober datiert.
Lesetipps der Redaktion
cloudmagazinDenodo: Datenlücke bremst KI in BehördencloudmagazinPhotoshop-Nachbau in einer Woche: Closed Source wanktcloudmagazinReply verkürzt Porsches Fehlersuche per KontextgraphMehr aus dem MBF Media Netzwerk
MyBusinessFutureKeine Zeit für KI wird zum PersonalrisikoDigital ChiefsCIOs sollten KI-Lernzeit fest in die Arbeitszeit einplanenSecurityTodayWenn gekaufte KI-Router Schadcode einschleusenBildquelle: KI-generiert (Oktober 2026)

