Mistral bringt Europa in Sichtweite der KI-Spitze
Mistral rückt Europa in Sichtweite der KI-Spitze. Deutschland steht mit einem kleineren Modell und einer geplanten Fusion mit Cohere daneben.
Mistral Large 4 ist seit dem 6. Oktober als öffentliche Vorschau verfügbar, trainiert in Mistrals eigenen Rechenzentren in Europa. Mit 38 Punkten im Intelligence Index gilt es als intelligentestes Modell außerhalb der USA und Chinas. Die offenen Gewichte folgen erst Ende Oktober, das deutsche Gegenstück von Aleph Alpha ist kleiner.
Das Wichtigste in Kürze
- Mistral Large 4 ist das stärkste Modell außerhalb der USA und Chinas. Im Intelligence Index erreicht die Vorschau 38 Punkte, die Vorgänger kamen auf 14 und 9 Punkte.
- Zur Spitze fehlen mehr als 19 Punkte. Claude Opus 5.5 führt mit 58 Punkten, unter den Modellen mit offenen Gewichten lägen sieben chinesische Modelle vor Mistral.
- Die Offenheit bleibt bis zur Gewichtsfreigabe ein Versprechen. Bis Ende Oktober läuft das Modell nur über die API und wird als proprietäres Modell geführt.
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Ein Sprung im Index
Seit dem 6. Oktober steht Mistral Large 4 als öffentliche Vorschau über die API in Mistral Studio bereit. Im Intelligence Index des Benchmark-Anbieters Artificial Analysis, einer Wertung aus zahlreichen Testaufgaben, springt Mistral damit von 9 auf 38 Punkte. Mit diesem Wert ist Mistral Large 4 das intelligenteste Modell außerhalb der USA und Chinas, vor Ländern wie Südkorea und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Was ist ein Modell mit offenen Gewichten? Gewichte sind die im Training gelernten Parameter eines KI-Modells, die sein Verhalten bestimmen. Bei einem Modell mit offenen Gewichten stellt der Anbieter diese Parameter zum Download bereit, sodass Unternehmen das Modell auf eigener Hardware oder in der eigenen Cloud betreiben können. Mistral Large 4 wird bis zur angekündigten Freigabe als proprietäres Modell geführt, Kolibri von Aleph Alpha steht bereits unter Apache 2.0 bereit.
Der Abstand zur Spitze
Der Sprung verkleinert Mistrals Abstand zur Spitze deutlich, schließt ihn aber nicht. Die Tabelle zeigt, wo das Modell im Index steht.
| Modell | Anbieter | Herkunft | Punkte |
|---|---|---|---|
| Claude Opus 5.5 | Anthropic | USA | 58 |
| Claude Sonnet 5.5 | Anthropic | USA | 56 |
| Claude Fable 5.1 | Anthropic | USA | 53 |
| GPT-6 Astra | OpenAI | USA | 53 |
| Gemini 4 Argon | USA | 53 | |
| MiMo-V2.6-Pro | Xiaomi | China | 46 |
| GLM-5.3 | Z.ai | China | 45 |
| Kimi K3 | Moonshot AI | China | 44 |
| DeepSeek V4.1 Flash | DeepSeek | China | 39 |
| Mistral Large 4 (Vorschau) | Mistral AI | Frankreich | 38 |
| GPT-6 Luna | OpenAI | USA | 38 |
| Nemotron 3 Ultra | Nvidia | USA | 23 |
| Mistral Medium 3.5 | Mistral AI | Frankreich | 14 |
| Mistral Large 3 | Mistral AI | Frankreich | 9 |
Quelle: Artificial Analysis Intelligence Index v4.3.2, Stand 6. Oktober 2026, Werte gerundet; Einordnung nach Artificial Analysis, Trending Topics und OfficeChai
Zur Spitze fehlen rund 20 Punkte. Unter den Modellen mit offenen Gewichten käme Mistral Large 4 auf Platz acht, alle sieben Modelle davor stammen aus China.
Preis und Betrieb in Europa
Abgerechnet wird nach Token, den Textbausteinen, in die ein Modell Ein- und Ausgaben zerlegt. Mistral Large 4 gilt dabei als sehr gesprächig. Zum Listenpreis kostet eine Aufgabe des Index etwa das Vierfache günstigerer Alternativen.
| Kennzahl | Mistral Large 4 |
|---|---|
| Parameter | rund 1 Billion, davon 49 Milliarden aktiv |
| Training | 3.800 Nvidia-Grace-Blackwell-GPUs in eigenen Rechenzentren in Europa |
| Sprachen | mehr als 160 |
| Listenpreis Eingabe | rund 1,21 Euro je Million Token |
| Listenpreis Ausgabe | rund 3,71 Euro je Million Token |
| Startrabatt | 50 Prozent |
| Kosten je Index-Aufgabe | rund 1 Euro (GLM-5.3-Flash: rund 0,22 Euro) |
| Tempo | 116 Token pro Sekunde |
| Offene Gewichte | angekündigt für Ende Oktober |
Quelle: Mistral AI, Artificial Analysis, Huggingnews; Euro-Beträge umgerechnet zum EZB-Kurs vom 6. Oktober 2026
Nach Herstellerangaben soll sich das Modell künftig in einer Private Cloud oder On-Premise betreiben lassen, also in einer für ein Unternehmen reservierten Cloud-Umgebung oder im eigenen Rechenzentrum. Der Betrieb soll auf europäischer Infrastruktur unabhängig von anderen digitalen Dienstleistern und unter europäischem Recht möglich sein.
Die Gewichte sollen nach Mistrals Ankündigung Ende Oktober folgen. Bis dahin läuft das Modell nur über die API und wird im Intelligence Index als proprietäres Modell geführt. Die Offenheit bleibt bis zur Gewichtsfreigabe ein Versprechen.
Finanzierung und Geldgeber
Das Training finanzierte die Series D über 3 Milliarden Euro, nach Unternehmensangaben die größte Eigenkapitalrunde, die je ein europäisches Technologieunternehmen eingesammelt hat. Das drei Jahre alte Unternehmen ist nach der Series D mit mehr als 21 Milliarden Euro bewertet. Mit Geldgebern wie ASML und Samsung will das Unternehmen eng zusammenarbeiten.
Das deutsche Gegenstück
Am 3. Oktober hat Aleph Alpha Kolibri als offenes Modell unter der Lizenz Apache 2.0 freigegeben. Kolibri ist ebenfalls ein Mixture-of-Experts, umfasst rund 78 Milliarden Parameter und wurde auf Infrastruktur in Deutschland und Finnland trainiert.
In der Länderwertung um das stärkste Modell außerhalb der USA und Chinas steht damit Frankreich vorn. Das deutsche Gegenstück ist ein kleineres offenes Modell eines Labors, das mit Cohere aus Kanada fusionieren soll. Am 16. September haben Cohere aus Kanada und Aleph Alpha die Fusion unterzeichnet. Das gemeinsame Unternehmen soll unter der Marke Cohere auftreten, die behördliche Genehmigung steht noch aus.
Häufige Fragen
Über welche Wege lässt sich Mistral Large 4 heute nutzen?
Die Vorschau läuft über die API in Mistral Studio. Zusätzlich ist es über die Plattform OpenRouter erreichbar.
Welche Sprachen und Eingaben verarbeitet das Modell?
Mistral Large 4 deckt mehr als 160 Sprachen ab und ist nativ multimodal gebaut. Pro Anfrage verarbeitet es bis zu 100 Bilder.
Wie schneidet Mistral Large 4 bei Cyber-Aufgaben ab?
Im Cyber Index von Artificial Analysis erreicht das Modell 50 Punkte.
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