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Neoclouds: Gartner erwartet eine Übernahmewelle

Die Ausgaben für KI-Cloud-Infrastruktur steigen. Mehr als 80 Prozent der Neoclouds verlieren nach Gartners Prognose bis 2030 ihre Eigenständigkeit.

Von Alec Chizhik 21. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit
Neoclouds: Gartner erwartet eine Übernahmewelle

Mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter geben nach einer neuen Gartner-Prognose bis 2030 ihren eigenständigen Betrieb auf. Die Gründe liegen demnach im Kostendruck und in fehlender Differenzierung der Geschäftsmodelle. Das wachsende Geschäft mit KI-Cloud-Infrastruktur reicht den meisten Anbietern nicht, um ihre Chips vor der nächsten Generation zu amortisieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach Gartners Prognose geben mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter bis 2030 ihren eigenständigen Betrieb auf. Als Gründe gelten Kostendruck und fehlende Differenzierung im Geschäftsmodell.
  • Die Ausgaben für KI-optimiertes IaaS steigen von 2027 bis 2030 von rund 59 auf rund 155 Milliarden Euro. Für die meisten Anbieter von KI-Rechenleistung reicht dieses Wachstum trotzdem nicht, um die Chips vor dem nächsten Generationswechsel zu amortisieren.
  • Hyperscaler können KI-Investitionen womöglich jahrelang aus anderen Einnahmen tragen. Neocloud-Anbieter müssen dagegen zeitnah Erträge aus KI-optimiertem IaaS erwirtschaften, um ihren Betrieb aufrechtzuerhalten.

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Wachstum und Konsolidierung zugleich

Der Markt für KI-Rechenleistung aus der Cloud wächst kräftig. Nach der Prognose des Marktforschers Gartner steigen die Ausgaben für KI-optimiertes IaaS von rund 58,74 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf rund 154,86 Milliarden Euro im Jahr 2030. IaaS steht für Infrastructure as a Service, also gemietete Rechen-, Speicher- und Netzwerkkapazität. Die KI-optimierte Variante ist auf Grafikprozessoren und andere KI-Beschleuniger ausgelegt.

Für die spezialisierten Anbieter fällt die am Mittwoch veröffentlichte Prognose dennoch ernüchternd aus. Mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter werden demnach bis 2030 ihren eigenständigen Betrieb aufgeben. Die Gründe liegen im Kostendruck und in fehlender Differenzierung der Geschäftsmodelle. Neoclouds sind Cloud-Anbieter, die sich auf GPU-Kapazität für KI-Anwendungen spezialisiert haben.

Was ist eine Neocloud? Als Neocloud gelten Cloud-Anbieter, die sich auf Rechenleistung für KI-Anwendungen spezialisiert haben. Ihr Kerngeschäft ist die Vermietung von GPU-Kapazität als Infrastruktur-Dienst, im Fachjargon KI-optimiertes IaaS. Hyperscaler bieten KI-Rechenleistung dagegen als Teil eines breiten Cloud-Portfolios an.

Hyperscaler und Neoclouds im Vergleich

Bei der Finanzierung trennen sich die Wege von Neoclouds und Hyperscalern, den Betreibern der großen globalen Cloud-Plattformen. Hyperscaler verfügen nach Gartners Einschätzung über umfangreiche und diversifizierte Einnahmequellen. Diese können KI-Investitionen möglicherweise jahrelang tragen.

Neocloud-Anbieter haben diesen Spielraum in der Prognose nicht. Sie müssen zeitnah Erträge aus KI-optimiertem IaaS und den zugehörigen Plattformen erwirtschaften, um ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Der Zeitdruck hängt dabei eng an der Hardware selbst.

Chipzyklus und Wertminderungsrisiko

Das prognostizierte Ausgabenwachstum reicht nach Gartners Rechnung für die meisten Anbieter von KI-Rechenleistung nicht aus, um ihre Investitionen zu amortisieren, bevor die aktuelle Generation von KI-Halbleitern ersetzt wird. Amortisieren heißt, die Anschaffungskosten über Erträge wieder einzuspielen. Bei GPU-Clustern läuft diese Rechnung gegen den Takt neuer Chipgenerationen.

Auf Ebene des gesamten Markts geht es um eine weit größere Summe. KI-Infrastrukturausgaben von umgerechnet mehr als rund 3.120 Milliarden Euro könnten nach Gartners Prognose bis Ende 2030 einem Wertminderungsrisiko ausgesetzt sein. Das gilt für den Fall, dass KI-Anbieter ihr Investitionstempo beibehalten. Eine Wertminderung bedeutet, dass Unternehmen den Buchwert von Anlagen außerplanmäßig herabsetzen müssen.

Nebius finanziert über Kundenverträge

Wie ein spezialisierter Anbieter den Kapitalbedarf organisiert, zeigt Nebius. Das Unternehmen hat in diesem Jahr seine erste vorrangig besicherte Kreditfazilität über rund 689,75 Millionen Euro abgeschlossen. Eine Kreditfazilität ist ein Kreditrahmen, vorrangig besichert heißt, dass die Geldgeber bei der Verwertung der Sicherheiten zuerst bedient werden. Mit dem Geld will Nebius den weltweiten Ausbau seiner KI-Cloud beschleunigen.

Als Sicherheit dienen installierte GPU-Infrastruktur und vertraglich vereinbarte Zahlungsströme eines Kunden mit Investment-Grade-Bonität, also einer als solide eingestuften Kreditwürdigkeit. Die Finanzierung stützt sich damit auf bereits vereinbarte Erträge aus dem KI-Geschäft. Im März hatte zudem NVIDIA angekündigt, rund 1,78 Milliarden Euro in Nebius zu investieren.

CoreWeave plant Ausbau in Indien

CoreWeave setzt auf einen Partner vor Ort. In der vergangenen Woche kündigte der Anbieter an, seine KI-Cloud gemeinsam mit AdaniConneX um 240 Megawatt Rechenzentrumskapazität in Navi Mumbai erweitern zu wollen. Der Ausbau ist geplant. Am Standort soll die NVIDIA Vera Rubin Platform zum Einsatz kommen.

Nebius und CoreWeave bauen damit in jenem Zeitraum aus, in dem nach Gartners Prognose mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter ihren eigenständigen Betrieb aufgeben. Der eine stützt sich auf besicherte Kredite und einen Chiphersteller als Investor, der andere auf einen Rechenzentrumspartner.

Häufige Fragen

Warum investiert NVIDIA in Nebius?

NVIDIA begründete die angekündigte Investition von rund 1,78 Milliarden Euro mit Vertrauen in das Geschäft von Nebius. Als zweiten Grund nannte der Chiphersteller die technische Kompetenz des Anbieters über den gesamten KI-Technologieverbund.

Bis wann läuft der Kredit von Nebius?

Die Kreditfazilität läuft bis zum 31. Oktober 2030. Sie endet damit in dem Jahr, bis zu dem nach Gartners Prognose mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter ihren eigenständigen Betrieb aufgeben.

Für welche Aufgaben plant CoreWeave die Kapazität in Indien?

Die NVIDIA Vera Rubin Platform in Navi Mumbai soll KI-Training, Inferenz, Schlussfolgerungsprozesse und agentische Arbeitslasten abdecken. Inferenz ist der laufende Betrieb trainierter Modelle. Agentische Arbeitslasten stammen von KI-Systemen, die mehrstufige Aufgaben eigenständig ausführen.

Bildquelle: KI-generiert (Oktober 2026)

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