8. Januar 2016

Deutsche IT: Der Oldtimer im internationalen Vergleich

Die Gründe wirken fatal: Deutsche Unternehmen trauen dem Wandel der IT nicht, sie investieren zu wenig und finden keine passenden Anbieter für die jeweilige Branche. Das Resultat kommt mit einer zunehmend veralteten IT, die, im globalen Vergleich, bald zum Nachteil für die deutsche Wirtschaft werden könnte.

Die deutsche IT-Landschaft gilt schon lange nicht mehr als Aushängeschild. Ein Beispiel: Hierzulande ansässige Banken haben teilweise seit den 1980er Jahren höhere Investitionen in Informationstechnik gescheut. Heute bereuen sie diesen Schritt.

Vielmehr müssen pensionierte Mitarbeiter angeheuert werden, die sich mit den damals üblichen Programmiersprachen auskennen – die veralteten Computer und Programme existieren weiter. Der rettende Rentner muss oft mit vierstelligen Tagessätzen abgefunden werden.


Rund die Hälfte des IT-Budgets muss in die Wartung alter Systeme investiert werden.


Zugegeben, das Beispiel ist extrem, beruht aber auf wahren Gegebenheiten. Wer sich heute die deutsche IT-Landschaft ansieht, der findet auch rasch Gründe dafür. Das zeichnet sich etwa in den zurückhaltenden Investitionen ab.

Während viele deutsche Firmen weniger als ein Prozent ihres Umsatzes in Informationstechnik stecken, liegt das europäische Umfeld auf einem doppelten Wert. Auch bei der Planung für die kommenden zwei Jahre sieht das nicht anders aus.

Nicht alle Branchen betroffen

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Gerade Finanzwesen, Logistik und Personenverkehr verzeichnen einen großen Nachholbedarf in punkto Informationstechnik. (Bild: Pixabay)

Gerade im Finanzwesen, der Logistik und dem Personenverkehr bewegt sich die IT-Infrastruktur im Stillstand. Die Meinungen der Branchenverantwortlichen hierzu gehen auseindander: Das Finanzwesen und die Logistik beklagen sich etwa darüber, dass sie 24/7 funktionieren müssen und keine Gelegenheit finden, ihre Systeme einheitlich umzustellen.

Im Personenverkehr hat man hingegen vielmehr das Problem, dass kein IT-Dienstleister passend zugeschnittene Software anbietet – der Bedarf hierzu sei zu gering. Stattdessen müsse jedes Programm händisch angepasst werden.

Bis 2018 muss der IT-Wandel vollzogen sein

Doch ob man diese Gründe nun für Ausreden oder aber für gerechtfertigt hält, es muss dringend gehandelt werden. Andernfalls veraltet nicht nur die deutsche IT, sondern die gesamte hierzulande ansässige Wirtschaft.

Erste Verluste bei den Marktanteilen verzeichnet bereits das Finanzwesen. Während viele klassische Banken noch auf Technik aus dem 20. Jahrhundert setzen, wachsen junge Wettbewerber – Online-Banken und Start-Ups – erfolgreich heran. Sie müssen ihre Informationstechnik nicht umstellen, stattdessen wird der Marktstart mit modernster Technik vollzogen.

Quelle Titelbild: Pixabay

Dieser Artikel wurde von Lenz Nölkel verfasst. Der Autor unterstützt das cloudmagazin bei der Berichterstattung zu aktuellen Themen aus der Business-IT. Als begeisterter Blogger übernimmt er zudem für technikspezifischen Content bei ChannelPartner und PC-Welt. Seine Spezialgebiete sind Tech-Trends und die Digitale Transformation.
Twitter: @Lenz_N.