29 Oktober 2025

4 Min. Lesezeit

Wichtig in Kuerze (WIK): Taiwans Chiphersteller kontrollieren ueber 60% der globalen Halbleiterproduktion, waehrend die geopolitischen Spannungen mit China eskalieren. Eine Bitkom-Studie zeigt: Europas Abhaengigkeit von asiatischen Lieferketten bleibt ein kritisches Risiko fuer die Digitalisierung.

Taiwans Hersteller kontrollieren einen Großteil der weltweiten Chipindustrie, produzieren aber meist in China. Das Reich der Mitte droht in jüngster Zeit immer lauter damit, die Insel notfalls mit Gewalt unter seine Kontrolle zu bringen. Entsprechend groß ist die Sorge um Chiplieferketten, wie eine neue Bitkom-Studie zeigt.

Man kann es mit den Optimisten halten und hoffen, dass die Volksrepublik China wie in der Vergangenheit bloß mit dem Säbel rasselt und droht, sich die abtrünnige Inselprovinz Taiwan irgendwann einzuverleiben. Immerhin diente der Status quo eines geteilten Landes bislang beiden Seiten. Allerdings ist die Gefahr eines tatsächlichen militärischen Konflikts angesichts einer an militärischen Konflikten nicht armen Welt realer denn je.

Etwa die Hälfte der weltweiten Containerschiffahrt und mehr als ein Fünftel des weltweiten Seehandels passiert derweil Jahr für Jahr die Taiwanstraße, die Meerenge zwischen den beiden verfeindeten Chinas, gleichzeitig beherrscht Taiwan weite Teile der weltweiten Chipindustrie. 90 Prozent der fortschrittlichsten Halbleiterprodukte werden direkt dort gefertigt, der Rest von Taiwans Herstellern direkt in Festland-China produziert.

92 Prozent der Befragten teilen die Sorge

In Deutschland ist die Sorge daher groß, dass China diesmal ernst macht mit den Drohungen, wie eine Umfrage im Auftrag des Branchen- und Digitalverbands Bitkom zeigt. 92 Prozent Unternehmen, die intensiv mit Halbleiterprodukten arbeiten, halten die Drohungen Chinas gegen Taiwan mit Blick auf die Chip-Versorgungslage für besorgniserregend.

Die Chipabhängigkeit von Taiwan sorgt weltweit für Nervosität – eine Eskalation mit China könnte die globale Tech-Industrie ins Wanken bringen. (Unsplash / Adi Goldstein)

Nur 37 Prozent der betreffenden Unternehmen vertrauen diesbezüglich weiterhin auf die USA, 27 Prozent haben sogar ein großes bis eher großes Vertrauen in die Chiplieferungen über den Großen Teich. 48 Prozent haben dagegen nur ein geringes Vertrauen in die Vereinigten Staaten bezüglich der Chiplieferketten, 14 Prozent „gar kein Vertrauen“.

Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 503 Unternehmen mit ab 20 Beschäftigten in Deutschland, die mit Halbleiterprodukten arbeiten oder auf sie angewiesen sind. Diese setzen sich mehrheitlich aus dem verarbeitendem Gewerbe sowie der IT- und Telekommunikationsbranche zusammen.

„Halbleiter stehen im Mittelpunkt internationaler Wirtschaftskonflikte“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst und betont: „Wir brauchen daher ein starkes Ökosystem von Unternehmen rund um Halbleiter in Deutschland und Europa. So können wir Abhängigkeiten reduzieren und sind weniger erpressbar.“

USA Hauptlieferant, aber Vertrauen der Deutschen lässt nach

91 Prozent der befragten Unternehmen verwenden Halbleiter, 80 Prozent sind auf die Produkte für ihr Geschäft direkt angewiesen und halten sie für unverzichtbar. 72 Prozent der bereits getätigten oder für 2025 geplanten Chip-Käufe beziehen diese über Hersteller mit Hauptsitz in den USA, 63 Prozent mit Hauptsitz in China. Auf Platz 3 folgen deutsche Anbieter, die etwa zu 54 Prozent zu den Lieferungen beitragen, auf Platz 4 japanische Unternehmen mit einem Anteil von 36 Prozent. 28 Prozent der Unternehmen beziehen ihre Halbleiterprodukte von Unternehmen mit Sitz in Taiwan, 27 Prozent von südkoreanischen Unternehmen und 26 Prozent von anderen EU-Ländern.

Taiwanesische Hersteller, allen voran Taiwan Semiconductor (TSMC) als weltgrößter, kontrollieren über die Verlagerung ihrer Produktion aber immer noch einen Großteil der Chipindustrie in China. Käme es zum direkten Konflikt in der Meerenge, könnte das die Halbleiterindustrie wie den Welthandel empfindlich treffen.

„Halbleiter stecken in Smartphones, in Medizintechnik, in Autos, Industrieanlagen, Rechenzentren und Kommunikationsnetzen – ohne sie stünden viele Bereiche unseres Lebens still“, warnt Wintergerst. „Ihre Herstellung beruht auf einem hochkomplexen globalen Produktionsnetzwerk, in dem viele Länder eng verflochten sind.“

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der globalen Halbleiterproduktion, waehrend die geopolitisc
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der Befragten teilen die Sorge In Deutschland ist die Sor

Ruf nach eigener Chipindustrie wird lauter

90 Prozent der im Namen des Digitalverbands befragten Unternehmen wünschen sich daher, dass Deutschland seine einseitige Abhängigkeit bei der Halbleiterversorgung ablegen müsse. 86 Prozent sehen ein starkes Halbleiter-Ökosystem als wichtig für die nationale Sicherheit. Die Versorgungslage hat sich gegenüber früheren Umfragen von 2023 und 2021 derweil verbessert. 60 Prozent der befragten Unternehmen, die 2025 bereits Halbleiter gekauft haben, berichten aber nach wie vor von Schwierigkeiten bei der Beschaffung im Inland.

86 Prozent fordern daher verstärkte Subventionen für die heimische Produktion oder den Bau von Halbleiterfabriken in Deutschland, 80 Prozent wünschen zudem steuerliche und förderpolitische Anreize für Kunden, die Halbleiter von der heimischen Industrie beziehen. Die Bundesregierung plant dazu eine Strategie, die Maßnahmen entlang der ganzen Wertschöpfungskette vorsieht.

Bitkom-Präsident Wintergerst begrüßt das ausdrücklich:  „Um unsere Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit zu stärken, müssen wir den Halbleiter-Standort Deutschland konsequent ausbauen – mit eigenen Fertigungskapazitäten, Spitzen-Designkompetenz und attraktiven Rahmenbedingungen für Fachkräfte aus aller Welt.“

 

Quelle Titelbild: Unsplash / Thomas Tucker

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„Europas eigene Fertigungskapazitaeten decken nur einen Bruchteil des Bedarfs — der EU Chips Act soll das aendern, braucht aber Jahre.“

Haeufig gestellte Fragen

Wie abhaengig ist Europa von taiwanesischen Chips?

Extrem abhaengig. TSMC allein fertigt ueber 50% aller weltweit produzierten Halbleiter. Europas eigene Fertigungskapazitaeten decken nur einen Bruchteil des Bedarfs — der EU Chips Act soll das aendern, braucht aber Jahre.

Was passiert bei einer Eskalation im Taiwan-Konflikt?

Ein Unterbruch der taiwanesischen Chipproduktion wuerde globale Lieferketten fuer Smartphones, Autos, Medizintechnik und Industriesteuerungen massiv stoeren. Experten rechnen mit wirtschaftlichen Schaeden im Billionenbereich.

Welche Alternativen gibt es?

Intel baut Fabriken in den USA und Deutschland (Magdeburg), Samsung investiert in Texas, und TSMC errichtet Werke in Arizona und Japan. Bis diese Kapazitaeten verfuegbar sind, vergehen allerdings drei bis fuenf Jahre.

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