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KI verändert Arbeitsweisen, Cyberangriffe werden einfacher, neue Technologien wie Quantenkryptografie rücken näher an die Praxis. Für MSPs, Systemhäuser und Security-Verantwortliche steigt damit der Druck, technologische Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern frühzeitig einzuordnen und in konkrete Strategien zu übersetzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Quantenkryptografie wird zur strategischen Vorbereitung: Heutige Verschlüsselung könnte mit marktreifem Quantencomputing nicht mehr ausreichen. Der Channel muss Kunden frühzeitig auf neue Sicherheitsanforderungen vorbereiten.
- KI-Nutzung scheitert selten am Tool: Erfolgreich wird KI nur mit Klarheit im Kontext und sauberer Struktur. Die Diskussion verschiebt sich von „Welche KI?“ zu „Wie arbeiten Menschen und KI sinnvoll zusammen?“.
- Cybersecurity beginnt im Alltag: Viele Risiken entstehen nicht durch Zero-Day-Exploits, sondern durch manipulierte Kabel, offene Anschlüsse und ungesicherte Geräte. NIS2 erhöht den Druck zusätzlich.
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Genau darum ging es beim GTIA DACH Community Forum in München. Statt klassischer Herstellerpräsentationen standen technologische Entwicklungen, Sicherheitsfragen und der offene Austausch über reale Herausforderungen im Mittelpunkt. Rund 90 Vertreterinnen und Vertreter aus dem IT-Channel diskutierten, welche Technologien den Markt aktuell verändern und welche Auswirkungen das auf Unternehmen und Kunden hat.
Was ist die GTIA? Die Global Technology Industry Association ist eine globale, herstellerunabhängige Community-Organisation für den IT-Channel, hervorgegangen aus der früheren CompTIA Community. Sie bringt MSPs, Systemhäuser, Hersteller und Distributoren zusammen, ohne Verkaufsagenda und ohne klassische Herstellerinteressen. Im DACH-Raum organisiert die GTIA regelmäßige Community-Events, Arbeitsgruppen und Foren zu Sicherheit, KI und Geschäftsmodellfragen.
Wenn Verschlüsselung neu gedacht werden muss
Besonders deutlich wurde das gleich zu Beginn der Veranstaltung. Walter Hölblinger gab einen Einblick in die Welt der Quantenkryptografie. Dabei ging es weniger um theoretische Physik als um eine strategische Frage: Was passiert mit heutiger Verschlüsselung, wenn Quantencomputing marktreif wird?

Hölblinger erklärte anschaulich, wie Quantenschlüsselaustausch funktioniert und warum Abhörversuche physikalisch sichtbar werden. Noch ist die Technologie nicht breit einsetzbar, doch die Richtung ist klar: Sicherheitskonzepte, die heute als Standard gelten, könnten in einigen Jahren nicht mehr ausreichen. Gerade für den Channel entsteht daraus die Aufgabe, Kunden frühzeitig auf neue Sicherheitsanforderungen vorzubereiten.
Auch beim Thema KI zeigte sich, dass viele Unternehmen aktuell erst beginnen, die tatsächlichen Auswirkungen der Technologie zu verstehen. In einem Workshop zu Psychologie, Kommunikation und Prompting machten Nils Söder und Paula Glatter deutlich, dass erfolgreiche KI-Nutzung weit über die Wahl des richtigen Tools hinausgeht. Entscheidend seien Klarheit im Kontext, präzise Sprache und sauber strukturierte Prompts, sowohl in der Kommunikation zwischen Menschen als auch im Umgang mit generativer KI.
Damit verschiebt sich die Diskussion zunehmend weg von der Frage „Welche KI nutzen wir?“ hin zu „Wie arbeiten Menschen und KI sinnvoll zusammen?“. Genau dieser Perspektivwechsel zog sich durch viele Gespräche des Tages.
Cybersecurity beginnt nicht erst im Rechenzentrum
Ein weiteres dominierendes Thema: Cybersecurity. Dabei ging es nicht nur um klassische IT-Sicherheit, sondern vor allem um neue Angriffsflächen im Alltag. Besonders eindrucksvoll zeigte das Henry Werner in seiner Live-Demo „Hack or get hacked“. Er demonstrierte, wie Angreifer über manipulierte Kabel, offene Netzwerkanschlüsse oder ungesicherte Geräte Zugriff auf Unternehmenssysteme erhalten können, teilweise innerhalb weniger Sekunden und mit frei verfügbaren Tools.
Die wichtigste Erkenntnis daraus: Viele Risiken entstehen nicht durch hochkomplexe Zero-Day-Exploits, sondern durch fehlende grundlegende Schutzmaßnahmen. Cybersecurity beginnt damit nicht erst im Rechenzentrum, sondern an Türen, Arbeitsplätzen und alltäglichen Prozessen.
Parallel dazu diskutierten die Teilnehmenden intensiv über die Umsetzung der NIS2-Richtlinie. Vor allem fehlendes Bewusstsein, wirtschaftlicher Druck und unklare Anforderungen bremsen viele Unternehmen aktuell aus. Gleichzeitig wächst der Druck auf MSPs und IT-Dienstleister, Kunden nicht nur technisch, sondern zunehmend auch strategisch beim Thema Sicherheit zu begleiten.
Technologie allein reicht nicht mehr aus
Auffällig war insgesamt, wie stark technische Themen inzwischen mit organisatorischen und menschlichen Fragen zusammenhängen. Genau diesen Gedanken griff auch die Abschluss-Keynote von Michael Ćaćić-Escalera auf. Sein Fokus: Kommunikation und Leadership im KI-Zeitalter. Denn je komplexer Technologien werden, desto wichtiger werden Orientierung, Verständlichkeit und die Fähigkeit, Veränderungen im Unternehmen richtig zu begleiten.
Das GTIA DACH Community Forum machte damit vor allem eines deutlich: Die größten Herausforderungen im IT-Channel entstehen aktuell nicht isoliert durch einzelne Technologien. Entscheidend wird vielmehr, wie Unternehmen technologische Entwicklungen, Security-Anforderungen und menschliche Zusammenarbeit künftig miteinander verbinden.
Häufige Fragen
Warum ist Quantenkryptografie für den IT-Channel jetzt schon relevant?
Auch wenn Quantencomputing noch nicht breit verfügbar ist, gelten heutige Verschlüsselungsverfahren bei einer marktreifen Quantenwelt als nicht mehr ausreichend. Wer Kunden langfristig binden will, sollte das Thema bereits in Beratungs- und Architekturgespräche einbauen, bevor regulatorischer Druck oder ein konkreter Vorfall die Agenda diktiert.
Was unterscheidet erfolgreiche KI-Nutzung von gescheiterten Tool-Einführungen?
Erfolgreiche Teams investieren in Klarheit über Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Datenkontext, bevor sie überhaupt Tools auswählen. Dort, wo generative KI scheitert, fehlt meist diese Struktur. Die Tool-Auswahl ist dann der letzte Schritt, nicht der erste.
Was bedeutet „Hack or get hacked“ konkret für mittelständische Kunden?
Viele erfolgreiche Angriffe starten heute mit manipulierten USB-Geräten, ungesicherten Netzwerkdosen in Besprechungsräumen oder Geräten ohne Disk-Encryption. Wer als MSP nur das Rechenzentrum absichert und Filialen, Büros und Mitarbeiterhardware außen vor lässt, verschiebt die Angriffsfläche, schließt sie aber nicht.
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Bildquelle: Alex Schelbert