200 kW pro Rack: firstcolos Flüssigkühl-Neubau in Rosbach
firstcolo baut in Rosbach FRA7: rund 250 Mio. Euro, 16 MW IT-Last, bis 200 kW pro Rack. Was Dichte, PUE und Abwärme für die Planung bedeuten.
firstcolo hat in Rosbach vor der Höhe den Bau von FRA7 begonnen: rund 250 Millionen Euro, 24 Megawatt Gesamtleistung, bis zu 200 Kilowatt pro Rack. Zwei Zahlen zeigen, wohin sich Rechenzentren in den nächsten Jahren bewegen. Die eine ist die Rack-Dichte. Die andere ist die Zusage, die Abwärme mindestens 20 Jahre unentgeltlich an die Stadt abzugeben.
Das Wichtigste in Kürze
- 200 Kilowatt pro Rack: FRA7 erreicht diese Dichte mit Flüssigkühlung in der Rackreihe. Luftgekühlte Racks sind im selben Gebäude bis 30 Kilowatt vorgesehen. Wer Flächen für KI-Last plant, muss Flüssigkühlung von Anfang an mitdenken.
- PUE höchstens 1,2, 100 Prozent Ökostrom: FRA7 plant genau auf die Werte, die das Energieeffizienzgesetz für neue Rechenzentren vorschreibt. Hohe Dichte mit Flüssigkühlung macht es leichter, sie im Betrieb zu halten.
- Abwärme 20 Jahre kostenlos an die Stadt: Das Gesetz verlangt von neuen Rechenzentren einen Mindestanteil wiederverwendeter Energie. Eine kostenlose Abgabe über zwei Jahrzehnte schreibt es nicht vor.
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Rosbach wird firstcolos größter Standort
firstcolo betreibt in Frankfurt bislang die Rechenzentren Werkhaus und AOC. Die Stadt ist Sitz des DE-CIX Frankfurt, gemessen am Spitzendurchsatz des größten Internetknotens Europas. FRA7 in Rosbach vor der Höhe ist laut firstcolo direkt an den Knoten angebunden und der bislang größte Bau des Anbieters: 7.728 Quadratmeter IT-Fläche in acht Whitespace-Modulen auf 18.000 Quadratmetern Gesamtfläche. Den Spatenstich feierte firstcolo am 15. Juni 2026, der Go-live ist für 2027 geplant. Laut Baupartner SPIE erfolgt der Ausbau in mehreren Phasen bis Ende 2028.
„Mit FRA7 investieren wir langfristig in Deutschland und schaffen die Infrastruktur für die nächste Generation digitaler Anwendungen“, sagt Gründer und Geschäftsführer Jerome Evans. Ausgelegt ist FRA7 auf Cloud, KI und High-Performance-Computing. Daneben gibt es klassische Colocation mit Racks, Cages und Private Suites. Der regionale Energieversorger OVAG ist mit 20 Prozent an der Projektgesellschaft beteiligt. Im August hat zudem der Infrastrukturinvestor CVC DIF vereinbart, die Mehrheit an firstcolo von Cube Infrastructure Managers zu übernehmen.
| Kennzahl | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Investition | rund 250 Mio. Euro | laut firstcolo eine der bedeutendsten Investitionen in digitale Infrastruktur in Hessen |
| Leistung | 24 MW gesamt, davon 16 MW IT-Last | die IT-Last ist der Wert, den Mieter tatsächlich nutzen |
| Rack-Dichte | bis 200 kW flüssiggekühlt, luftgekühlt bis 30 kW | gestaffelte Kühlung für KI-Cluster und klassische Colocation |
| Effizienz | PUE höchstens 1,2 (Zielwert) | entspricht der gesetzlichen Vorgabe für Neubauten |
| Fläche | 7.728 m² IT-Fläche, 18.000 m² gesamt | acht Whitespace-Module |
| Energie | 100 Prozent Ökostrom, Photovoltaik auf dem Dach | bilanziell ab 2027 für alle Rechenzentren gesetzlich gefordert |
| Abwärme | mindestens 20 Jahre unentgeltlich an die Stadt Rosbach | Grundlage für eine künftige kommunale Wärmeversorgung |
| Zertifizierungen | geplant u. a. EN 50600 VK3, ISO 27001, ISO 50001 | Nachweise für KRITIS- und Enterprise-Kunden |
200 Kilowatt verlangen eine andere Kühlung
Die typische Rackdichte in Rechenzentren liegt laut Uptime Institute (Global Data Center Survey 2025) im Mittel bei knapp 9 Kilowatt, ohne Hochdichte-Standorte bei 7,5 Kilowatt. Über 80 Prozent der Betreiber haben kein einziges Rack über 30 Kilowatt. Die 200 Kilowatt von FRA7 setzen einen anderen Maßstab. Diese Wärmemenge lässt sich mit Luft nicht mehr aus dem Schrank holen.
firstcolo staffelt die Kühlung deshalb: Luft bis 30 Kilowatt, Wasserkühlung im 19-Zoll-Rack bis 50 Kilowatt, In-Row-Flüssigkühlung bis 130 Kilowatt und High-Density-Racks bis 200 Kilowatt. Zum Vergleich: Ein aktuelles KI-Rack vom Typ NVIDIA GB200 NVL72 zieht laut Supermicro-Datenblatt 125 bis 135 Kilowatt und wird über Kühlplatten auf den Chips flüssig gekühlt. FRA7 hat damit Reserve für die nächste GPU-Generation.
Für Mieter hat das eine unbequeme Konsequenz. Wer heute Fläche für die nächsten zehn Jahre anmietet oder selbst baut, entscheidet damit über die Kühlarchitektur. Ein rein luftgekühlter Standort kann für GPU-Cluster schnell zu knapp werden. Nachrüsten ist möglich, verlangt aber Eingriffe in Rohrwege, Boden und Brandschutz. Die Dichte eines Neubaus erreicht es selten. FRA7 zeigt das Muster vieler aktueller Projekte: hochdichte Flüssigkühlzonen neben klassischen Luftflächen im selben Gebäude.
Die Abwärme-Zusage geht über das Gesetz hinaus
Der zweite bemerkenswerte Punkt steht nicht in den Leistungsdaten. firstcolo stellt der Stadt Rosbach die Abwärme für mindestens 20 Jahre unentgeltlich zur Verfügung. Gemeinsam mit weiteren Partnern prüft die Stadt, wie sie die Wärme künftig für eine klimafreundliche Wärmeversorgung nutzen kann. Bürgermeister Steffen Maar sieht darin „eine besondere Chance“.
Der Rahmen dafür steht in § 11 des Energieeffizienzgesetzes. Rechenzentren, die ab dem 1. Juli 2026 den Betrieb aufnehmen, müssen spätestens zwei Jahre nach Inbetriebnahme einen PUE von höchstens 1,2 im Jahresmittel erreichen. Dazu kommt ein Mindestanteil wiederverwendeter Energie: 10 Prozent, bei Betriebsbeginn ab Juli 2027 15 Prozent, ab Juli 2028 20 Prozent. Ab 2027 muss der Strom bilanziell vollständig aus erneuerbaren Quellen stammen. Bei PUE und Ökostrom plant FRA7 exakt auf diese Linie. Bei der Abwärme geht die Rosbacher Zusage weiter: Das Gesetz regelt Quoten und lässt Vereinbarungen mit der Gemeinde samt Preisregel zu. Eine kostenlose Abgabe über 20 Jahre verlangt es nicht.
Technisch spielt die Flüssigkühlung dem Konzept zu. Sie liefert Wärme auf einem höheren Temperaturniveau als die Abluft eines luftgekühlten Saals. Für ein Wärmenetz braucht es trotzdem meist eine Wärmepumpe, die die Temperatur anhebt. Strom für Anlagen, die ausschließlich die Abwärme aufwerten, rechnet das Gesetz ausdrücklich nicht in den PUE ein.
Das Bundeskabinett hat am 24. Juni 2026 eine Novelle des Energieeffizienzgesetzes beschlossen, die die Regeln lockern würde. Der PUE von 1,2 für Neubauten bliebe, die Frist bis zum Erreichen stiege aber von zwei auf vier Jahre. 100 Prozent Ökostrom wären erst ab 2030 Pflicht, bei der Abwärme kämen neue Ausnahmen hinzu. Der Bundestag hat den Entwurf am 24. September in erster Lesung beraten. Bis zum Inkrafttreten gilt das bestehende Gesetz. Kommt die Lockerung, gehen Ökostrom ab Betriebsstart und die kostenlose Abwärme-Zusage über das Pflichtmaß hinaus.
Was hohe Dichte bringt
- Mehr Rechenleistung auf gleicher Fläche
- Kürzere Wege, geringere Latenz zwischen Knoten
- Bessere Effizienz, wenn die Kühlung mitzieht
Was hohe Dichte fordert
- Flüssigkühlung in der Rackreihe oder direkt am Chip
- Höhere Anforderungen an Stromzuführung und Redundanz
- Einen Abnehmer für die Abwärme, auch im Sommer
Was Mieter vor der Flächenwahl abfragen sollten
FRA7 steht für einen Trend. Weil KI-Last die Rack-Dichten nach oben zieht, entscheidet die Kühlung darüber, wer diese Last aufnehmen kann. Ein Standort ohne Option auf Flüssigkühlung kann schneller veralten, als seine Abschreibung erlaubt.
firstcolo zeigt zugleich, dass Effizienz und Abwärme mehr sein können als Pflichterfüllung. Kühlarchitektur und Abwärme-Konzept gehören deshalb auf die erste Seite des Lastenhefts. Wer als Mieter Fläche sucht, sollte drei Werte abfragen: die maximale Dichte pro Rack mit Flüssigkühlung, den Auslegungs-PUE und den Weg, auf dem die Abwärme genutzt wird.
Häufige Fragen
Was ist FRA7 von firstcolo?
Ein neues Rechenzentrum in Rosbach vor der Höhe nördlich von Frankfurt. Der Spatenstich war am 15. Juni 2026, der Go-live ist für 2027 geplant. Investition rund 250 Millionen Euro, 24 Megawatt Gesamtleistung bei 16 Megawatt IT-Last, 7.728 Quadratmeter IT-Fläche. Ausgelegt ist es für Cloud, KI und High-Performance-Computing.
Warum sind 200 Kilowatt pro Rack besonders?
Die typische Rackdichte in Rechenzentren liegt laut Uptime Institute im Mittel bei knapp 9 Kilowatt. 200 Kilowatt lassen sich nur mit Flüssigkühlung abführen. FRA7 staffelt die Kühlung von Luft bis 30 Kilowatt bis zu flüssiggekühlten High-Density-Racks mit 200 Kilowatt.
Was hat es mit der 20-jährigen Abwärme-Zusage auf sich?
firstcolo stellt der Stadt Rosbach die Abwärme mindestens 20 Jahre unentgeltlich zur Verfügung. Die Stadt prüft mit Partnern, wie sie die Wärme für eine klimafreundliche Wärmeversorgung nutzen kann. Das Energieeffizienzgesetz verlangt von neuen Rechenzentren einen Mindestanteil wiederverwendeter Energie. Eine kostenlose Abgabe schreibt es nicht vor.
Was sagt der PUE-Wert über die Effizienz?
Die Energieverbrauchseffektivität (PUE) setzt den gesamten Strombedarf eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum Strom der IT. Ein Wert von 1,2 heißt: Auf jede Kilowattstunde für Server kommen 0,2 Kilowattstunden für Kühlung und Infrastruktur. firstcolo plant FRA7 auf höchstens 1,2. Das ist die gesetzliche Vorgabe für Rechenzentren mit Betriebsbeginn ab Juli 2026.
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Quelle Titelbild: KI-generiert (Juli 2026)

