Die Copilot-Wende: erst mussten die Menschen an Bord sein
Prodware setzt rund 1.000 Microsoft-365-Copilot-Lizenzen im Eigeneinsatz ein. Was Customer Zero vor dem Copilot-Rollout in IT-Teams bedeutet.
In vielen Unternehmen ist Microsoft 365 Copilot gekauft, ausgerollt und danach erstaunlich still. Zwischen der verteilten Lizenz und dem Werkzeug im Tagesgeschäft liegt eine Lücke, die kein Rollout allein schließt. Prodware hat diese Lücke im eigenen Betrieb durchlebt: Der Microsoft-Partner setzt Copilot konzernweit mit mehr als 1.000 Lizenzen ein und hat dabei erlebt, dass der Rollout der leichteste Teil war. Erst eine eigene Adoption-Offensive hat die messbare Nutzung nach interner Auswertung um das Drei- bis Vierfache gehoben. Der Ansatz trägt den Namen Customer Zero und setzt einen einfachen Maßstab: Wer Kunden beim Rollout begleiten will, muss die Reibung im eigenen Haus kennen.
Das Wichtigste in Kürze
- Lizenz ist nicht Adoption. Mehr als 1.000 Copilot-Lizenzen, konzernweit ab Dezember 2024 ausgerollt, erzeugten zunächst Verfügbarkeit und wenig Nutzung.
- Der Wendepunkt war Kommunikation. Erst praxisnahe Formate wie AI @work und regelmäßige Sprechstunden hoben die messbare Nutzung nach interner Auswertung um das Drei- bis Vierfache.
- Das Muster ist übertragbar. Auch ohne 1.000 Lizenzen zählt für den Mittelstand dieselbe Reihenfolge: Rechte und Rollen klären, Menschen befähigen, Nutzung messen.
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Der erste Kunde sitzt im eigenen Haus
Customer Zero ist keine Produktbezeichnung. Der Begriff beschreibt eine Haltung: Ein Anbieter arbeitet mit einer Technologie zuerst selbst, bevor er daraus Empfehlungen für Kunden ableitet. Das klingt naheliegend. Im KI-Rollout ist es trotzdem eine relevante Unterscheidung. Zwischen einer Demo und einem Werkzeug im Tagesgeschäft liegen Rechtekonzepte, Datenqualität, Schulung und die Frage, ob Mitarbeitende einen konkreten Anlass für die Nutzung finden.
Für IT-Leitungen im Mittelstand ist diese Verbindung interessanter als jede Produktfolie. Ein Beratungspartner, der die eigene Reibung kennt, kann erklären, an welchen Stellen ein Rollout nachsteuern muss. Genau das prüft der Eigeneinsatz, bevor er zur Empfehlung wird.
1.000 Lizenzen sind ein Prüfstand, kein Erfolgsbeweis
Mehr als 1.000 Microsoft-365-Copilot-Lizenzen im konzernweiten Eigeneinsatz geben dem Vorhaben eine Größenordnung. Sie ersetzen jedoch keine Wirkungsbilanz. Eine verteilte Lizenz sagt wenig darüber aus, ob ein Team Copilot in wiederkehrende Arbeitsschritte eingebunden hat oder nach dem ersten Ausprobieren wieder zur gewohnten Routine zurückkehrt. Genau diese Lücke hat Prodware im eigenen Haus durchlebt.
Genau hier beginnt der Unterschied zwischen Beschaffung und Adoption. Ein belastbarer Rollout braucht eine Definition dafür, was aktive Nutzung bedeutet. Er braucht Vergleichswerte für die betroffenen Aufgaben und einen Weg, Rückmeldungen aus den Teams in den Betrieb zurückzuholen. Die Zahl der Lizenzen ist der Startpunkt dieser Prüfung, nicht ihr Ergebnis.
Phase eins: Die Lizenzen waren da, die Breite blieb aus
Die erste Phase setzte bewusst auf Eigeninitiative. Die Botschaft an die Belegschaft lautete sinngemäß: Die Lizenzen sind da, probiert euch aus. Einzelne First Mover arbeiteten sich intensiv ein. In der Breite führte die reine Bereitstellung noch nicht zur gewünschten Nutzung, denn den meisten fehlten konkrete Ideen für den eigenen Arbeitsalltag.
Auch die klassischen Begleitmaßnahmen änderten daran wenig. Remote-Workshops mit bis zu rund 100 Teilnehmenden vermittelten Überblickswissen, blieben aber frontal. Schulungsvideos im internen Lernportal standen bereit und wurden kaum abgerufen. Der Lernpunkt aus dieser Phase ist unbequem und übertragbar: Awareness allein verändert keine Arbeitsroutinen.
Der Wendepunkt heißt AI @work
Die Wende kam über ein Format, das im Arbeitsalltag ansetzt. Christian Hattermann, damals einer der internen First Mover, startete mit AI @work eine niedrigschwellige Einstiegsreihe: Was ist generative KI, wie nutze ich Copilot, welche Einstellungen und ersten Schritte lohnen sich. Das Format wurde 16-mal durchgeführt und erreichte nach interner Auswertung rund 200 verschiedene Mitarbeitende in der DACH-Region, also nahezu die gesamte Belegschaft. Aus der Initiative entstand seine offizielle Rolle als AI Adoption Lead.
Adoption ist Kommunikationsarbeit
Der eigentliche Hebel war kein weiteres Werkzeug. Er lag in der Art, wie darüber gesprochen wurde. Wer KI in die Breite bringen will, muss Menschen regelmäßig Gelegenheit geben, über Chancen, Unsicherheiten und konkrete Anwendung zu reden. Genau das leisten die Formate, die auf AI @work folgten. Im AI Spotlight zeigen Mitarbeitende alle zwei bis drei Wochen eigene Copilot-Anwendungsfälle, meist zwei bis drei Beiträge pro Session. Die wöchentliche AI Office Hour ist eine offene Sprechstunde zur Mittagszeit, in die jeder mit Fragen, Bedenken oder einer eigenen Idee kommen kann.
„Der Rollout war nur der Anfang. Der eigentliche Wert entstand erst, als wir aus der Lizenzbereitstellung eine aktive Adoption Journey gemacht haben.“
Christian Hattermann, AI Adoption Lead, Prodware Deutschland AG
Wenn die KI ihre eigene Einführung trägt
Ein Baustein zeigt besonders deutlich, wohin die Reise geht. Aus den gesammelten Inhalten aller AI-Spotlight-Sessions entstand ein eigener AI Spotlight Agent. Er beantwortet Fragen zu Themen, Schwerpunkten und Ansprechpersonen und hält das Wissen aus den Sessions dauerhaft abrufbar. Wer nicht dabei war, holt es nach; wer darauf aufbauen will, verwendet es weiter oder überträgt es auf den eigenen Bereich. Damit übernimmt die KI einen Teil ihrer eigenen Einführung. Für Organisationen ohne große Enablement-Mannschaft ist das der interessanteste Gedanke: Adoption lässt sich zu einem Teil skalieren, ohne dass jede Frage eine Person bindet.
Der Engpass beginnt vor dem ersten Prompt
Microsoft 365 Copilot arbeitet im Kontext der Informationen, auf die ein Nutzer zugreifen darf. Deshalb führt ein Rollout direkt zu Fragen, die viele Unternehmen gern vertagen: Sind Berechtigungen nachvollziehbar? Liegen vertrauliche Inhalte dort, wo sie hingehören? Wer entscheidet, welche Aufgaben mit KI-Unterstützung bearbeitet werden dürfen?
Für Cloud- und IT-Verantwortliche folgt daraus eine klare Reihenfolge. Erst Datenzugriffe und Verantwortlichkeiten prüfen. Dann Anwendungsfälle nach Rolle beschreiben. Erst danach lässt sich beurteilen, welche Lizenzen sinnvoll sind und welche Begleitung Teams benötigen. Wer diese Arbeit auslässt, verschiebt sie in den laufenden Betrieb.
Was der Mittelstand ohne 1.000 Lizenzen mitnimmt
Die Größenordnung von Prodware ist nicht der Punkt. Ein Betrieb mit 200 bis 500 Beschäftigten braucht kein konzernweites Lizenzkontingent und keinen eigenen Inner-Circle-Status, um dieselbe Lernkurve abzukürzen. Übertragbar ist das Vorgehen dahinter.
- Ein Peer-Format statt Frontalschulung. Eine kurze, regelmäßige Runde, in der Kolleginnen und Kollegen eigene Anwendungsfälle zeigen, wirkt stärker als ein einmaliger Großworkshop.
- Eine Sprechstunde statt eines Videoarchivs. Ein fester, offener Termin senkt die Hürde für Fragen, die im Lernportal unbeantwortet bleiben.
- First Mover als Multiplikatoren. Die intrinsisch motivierten Early Adopter sind der günstigste Hebel, wenn sie eine Bühne bekommen.
- Nutzung definieren und messen. Ohne einen Begriff von aktiver Nutzung bleibt jeder Fortschritt Gefühlssache.
Erfahrung wird erst im Kundenprojekt wertvoll
Der Eigeneinsatz kann Beratung besser machen, wenn die gewonnenen Erfahrungen präzise weitergegeben werden. Allgemeine Aussagen über KI helfen einer IT-Leitung wenig. Nützlich werden Erkenntnisse erst dort, wo ein Partner eine Ausgangslage, die nötige Datenprüfung und einen klaren Anwendungsfall benennen kann.
Der Transfer in Kundenprojekte ist deshalb der Prüfstein dieses Ansatzes. Eine belastbare Fallstudie braucht mehr als die Zahl der Lizenzen. Sie muss zeigen, welche Entscheidungen im Betrieb revidiert wurden und wie daraus ein übertragbarer Ablauf entsteht. Erst dann wird aus dem Eigenversuch ein nachvollziehbarer Praxischeck.
- Eigeneinsatz vor Beratung: der Partner kennt Reibung aus dem eigenen Betrieb
- Rund 1.000 Lizenzen geben dem Vorhaben Größenordnung jenseits eines Einzelpilots
- Rollout-Fragen zu Rechten, Daten und Rollen werden nicht auf den Kunden verschoben
- Die Nutzungskurve zeigt nach oben, ein Plateau ist noch nicht erreicht
- Die nächste Phase zielt auf gezielte Produktivität je App und Rolle
- Übertragbare Kundenfallstudien mit revidierten Entscheidungen stehen noch aus
Die nächste Stufe: von der Nutzung zur Produktivität
Prodware benennt die nächste Phase als Personal Productivity Enablement. Der Fokus verschiebt sich von der grundsätzlichen Nutzung hin zur gezielten Befähigung in konkreten Arbeitskontexten, etwa im Zusammenspiel von Copilot mit PowerPoint, Excel, Teams und Outlook. Die Botschaft dahinter schließt den Bogen zum Anfang: Produktivität entsteht nicht automatisch mit dem Tool. Sie braucht passende Routinen und die Anwendung in der eigenen Rolle.
Partnerstatus einordnen, Praxis belegen
Prodware gehört zum Microsoft Inner Circle 2025/26. Der Status ordnet die Nähe zum Microsoft-Ökosystem ein und ist kein Ersatz für den Nachweis, dass ein Copilot-Rollout im Alltag trägt. Für den Mittelstand bleibt die bessere Leitfrage deshalb nicht, wie viele Funktionen verfügbar sind. Entscheidend ist, welche Aufgaben eine Organisation sauber vorbereiten kann und wie sie ihren Nutzen später ehrlich überprüft.
Was IT-Leitungen vor dem Rollout prüfen sollten
- Zugriffe: Berechtigungen in Microsoft 365 und sensible Datenablagen überprüfen.
- Rollen: Für welche Teams soll Copilot eine wiederkehrende Aufgabe unterstützen?
- Verantwortung: Wer entscheidet bei fachlichen, rechtlichen und sicherheitsrelevanten Fragen?
- Messung: Woran wird Nutzung erkannt und wann wird ein Anwendungsfall angepasst oder beendet?
Häufige Fragen
Was bedeutet Customer Zero?
Customer Zero beschreibt den Eigeneinsatz einer Technologie, bevor ein Anbieter die daraus gewonnenen Erfahrungen in Kundenprojekte überträgt.
Warum reicht die Bereitstellung von Lizenzen nicht?
Eine Lizenz schafft Verfügbarkeit, aber keine Routine. Erst wenn Menschen einen konkreten Anlass und einen Raum zum Austausch finden, wird aus Copilot ein Werkzeug im Arbeitsalltag. Prodware nennt das die Adoption Journey.
Wie hat Prodware die Copilot-Nutzung gesteigert?
Über praxisnahe Adoption-Formate: die Einstiegsreihe AI @work mit 16 Sessions, das Peer-Format AI Spotlight, die AI Office Hour für Fragen aus dem Tagesgeschäft und einen AI Spotlight Agent. Die messbare Nutzung stieg nach interner Auswertung um das Drei- bis Vierfache.
Was kann ein Mittelständler ohne 1.000 Lizenzen übernehmen?
Das Vorgehen, nicht die Größenordnung: ein regelmäßiges Peer-Format, eine offene Sprechstunde, First Mover als Multiplikatoren und eine klare Definition von aktiver Nutzung. Davor stehen immer Rechte, Datenprüfung und Rollen.
Was ist der Microsoft Inner Circle und was nicht?
Der Inner Circle ordnet die Nähe eines Partners zum Microsoft-Ökosystem ein. Er ersetzt keinen Praxisnachweis für Copilot-Adoption im eigenen oder im Kundenbetrieb.
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