Anthropic bindet rund 800 Milliarden Euro an Rechenzentren
Anthropic kauft Rechenleistung kurzfristig und teuer zu, bis eigene Kapazität bereitsteht. Die bereinigte operative Marge ist auf 15 Prozent gesunken.
Anthropic hat Kauf- und Leasingverpflichtungen über rund 800 Milliarden Euro offengelegt, nahezu vollständig für Rechenleistung und Infrastruktur. Bis die eigene Infrastruktur läuft, kauft der KI-Anbieter kurzfristige Rechenleistung zu deutlich höheren Kosten als langfristige Kapazität hinzu und erwartet dadurch Druck auf seine Margen.
Das Wichtigste in Kürze
- Anthropic hat Verpflichtungen über rund 800 Milliarden Euro offengelegt. Sie entfallen nahezu vollständig auf Rechenleistung und Infrastruktur.
- Kurzfristige Rechenleistung war für Anthropic deutlich teurer als langfristige Kapazität. Im Quartal bis Ende September bezog das Unternehmen solche Kapazität für rund 4,5 Milliarden Euro.
- Die bereinigte operative Marge sank vom Juni- zum Septemberquartal von 19 auf 15 Prozent. Anthropic erwartet durch mehr kurzfristige Rechenleistung Druck auf seine Margen.
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Zwei Zeitachsen beim Kapazitätsausbau
Anthropic plant seine Rechenleistung auf zwei Zeitachsen. Die lange Achse besteht aus Kauf- und Leasingverpflichtungen, die das Unternehmen Anfang November offengelegt hat. Die zum Stichtag Ende September und danach eingegangenen Verpflichtungen summieren sich auf rund 800 Milliarden Euro. Sie entfallen nahezu vollständig auf Rechenleistung und Infrastruktur.
Auf der kurzen Achse kauft Anthropic zu. Im Quartal bis Ende September bezog das Unternehmen kurzfristige Rechenleistung für rund 4,5 Milliarden Euro. Diese Kapazität kostete deutlich mehr als vergleichbare Kapazität, die langfristig beschafft wird. Anthropic zahlt für denselben Rohstoff damit unterschiedliche Preise, je nachdem, wie weit im Voraus es bestellt.
Was ist kurzfristige Rechenleistung? Gemeint ist Rechenkapazität, die ein Unternehmen auf kurze Frist zukauft, statt sie über langfristige Verträge oder eigene Infrastruktur zu sichern. Bei Anthropic lag ihr Preis im Quartal bis Ende September deutlich über dem vergleichbarer langfristig beschaffter Kapazität. Das Unternehmen will sie per Backfill ersetzen, sobald eigene Infrastruktur in Betrieb geht.
Marge unter Druck
Die bereinigte operative Marge sank von 19 Prozent im Quartal bis Ende Juni auf 15 Prozent im Quartal bis Ende September. Die Kennzahl setzt das operative Ergebnis ins Verhältnis zum Umsatz und rechnet einzelne Sondereffekte heraus.
Für die nahe Zukunft rechnet Anthropic mit mehr kurzfristiger Rechenleistung. Das Unternehmen erwartet dadurch Druck auf die operative und auf die bereinigte operative Marge. Anthropic benennt den Zusammenhang zwischen Beschaffungsweg und Ertrag damit selbst.
Backfill mit eigener Infrastruktur
Anthropic will die teure Überbrückung wieder abbauen. Sobald eigene Infrastruktur in Betrieb geht, soll kostengünstigere langfristige Kapazität die kurzfristige Rechenleistung ersetzen. Das Unternehmen nennt diesen Vorgang Backfill, also das Auffüllen der Lücke mit dauerhaft gesicherter Kapazität. Wann der Ersatz greift, hängt damit an der Inbetriebnahme der neuen Infrastruktur.
Finanzierung für Broadcom-Chips
Ende Oktober kündigten Bank of America, Blackstone, Citi und Morgan Stanley eine Finanzierungstransaktion für Anthropics Rechenkapazität an. Sie umfasst rund 56 Milliarden Euro.
Eine neu gegründete Zweckgesellschaft, also eine eigens für dieses Geschäft geschaffene Firma, soll mit der zugesagten Finanzierung Hardware kaufen. Dazu gehören XPU-Beschleuniger von Broadcom, spezialisierte Chips zur Beschleunigung von Rechenlasten. Hinzu kommt Netzwerktechnik. Die Zweckgesellschaft soll diese Hardware an Anthropic verleasen. Anthropic nutzt die Technik damit im Leasing, ohne sie selbst zu kaufen.
Ausstiegsrechte in KI-Verträgen
Nicht alle offengelegten Verpflichtungen sind fest. Rund 190 Milliarden Euro der Gesamtverpflichtungen sind mit ausübbaren Kündigungsrechten verbunden oder an Bedingungen geknüpft, die vor Leistungsbeginn erfüllt sein müssen. Anthropic hält sich damit bei einem Teil seiner Zusagen einen Rückweg offen.
Ausstiegsrechte beschäftigen auch die Kundenseite. Nach Angaben von Charles Radclyffe, CEO des Unternehmenssoftwareanbieters EA Global AI, sollten Unternehmen bei KI-Verträgen auf wirksame Ausstiegsrechte achten. Dazu gehören aus seiner Sicht Regelungen zur Portabilität, also zur Mitnahme von Anwendungen und Inhalten zu einem anderen Anbieter.
Häufige Fragen
Wann liefert Broadcom die Hardware für Anthropic?
Die Lieferungen aus der strategischen Kapazitätsvereinbarung mit Broadcom werden ab dem Kalenderjahr 2027 erwartet. Die Ende Oktober angekündigte Finanzierung betrifft damit künftige Kapazität.
Welche Bedingungen hängen an einem Teil der Verpflichtungen?
Für die rund 190 Milliarden Euro gelten ausübbare Kündigungsrechte oder Voraussetzungen vor Leistungsbeginn. Beispiele für solche Voraussetzungen sind Finanzierungs- oder Genehmigungsfragen. Erst wenn sie erfüllt sind, beginnt die vereinbarte Leistung.
Was sollten Unternehmen aus KI-Verträgen exportieren können?
Nach Angaben von Charles Radclyffe gehören dazu Daten, Prompts, Arbeitsabläufe und Evaluierungen. Prompts sind die Anweisungen, mit denen Anwender ein KI-Modell steuern. Evaluierungen sind Tests, mit denen Unternehmen die Qualität von Modellantworten prüfen.
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