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Rechenzentren

Anthropic und Nscale verhandeln zweiten Milliardenvertrag

Nscale verhandelt mit Anthropic über einen zweiten Vertrag für KI-Rechenleistung in West Virginia. Microsoft hat sich aus einem Projekt zurückgezogen.

Von Alec Chizhik 22. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit
Anthropic und Nscale verhandeln zweiten Milliardenvertrag

Der KI-Cloud-Anbieter Nscale verhandelt mit Anthropic über einen zweiten Abnahmevertrag im Wert von rund 40 Milliarden Euro. Es geht um Rechenleistung aus einer weiteren Anlage am Monarch-Campus in West Virginia. Microsoft hat sich dagegen aus dem Ankervertrag für Nscales britisches Flaggschiff zurückgezogen, weil sich dessen Netzanbindung bis in die 2030er Jahre verzögert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic verhandelt mit Nscale über einen zweiten Vertrag für rund 40 Milliarden Euro. Er beträfe ein zweites Gebäude am Monarch-Campus mit 460 Megawatt Rechenleistung.
  • Microsoft steigt beim britischen Projekt in Loughton aus. Der Netzstrom für das geplante Rechenzentrum kommt Jahre später als vorgesehen.
  • Anleger prüfen schuldenfinanzierte KI-Infrastruktur schärfer. Die Aktien des Wettbewerbers CoreWeave fielen wegen Bedenken über seine Schuldenlast.

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Zweiter Vertrag am Monarch-Campus

Anthropic hat sich bei Nscale bereits einmal festgelegt. Im August schloss der Claude-Hersteller einen Vertrag über rund 40 Milliarden Euro, um KI-Cloud-Rechenleistung auf dem Campus des Anbieters in West Virginia zu mieten. Nach Angaben einer mit den Gesprächen vertrauten Person verhandeln beide Seiten nun über einen zweiten Abnahmevertrag im Wert von rund 40 Milliarden Euro. Ein Abnahmevertrag verpflichtet den Kunden, eine festgelegte Kapazität verbindlich zu mieten. Käme er zustande, würde sich die Summe der Anthropic-Zusagen an diesem Standort verdoppeln.

Gegenstand der Gespräche ist ein zweites Gebäude auf dem Monarch-Campus. Nach denselben Angaben würde es 460 Megawatt Rechenleistung liefern, betrieben mit KI-Chips vom Typ Vera Rubin von Nvidia. Unabhängig bestätigt ist die Angabe bisher nicht. Nscale und Anthropic äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht.

Was ist ein Abnahmevertrag für Rechenleistung? Ein Abnahmevertrag verpflichtet einen Kunden, beim Betreiber eines Rechenzentrums eine festgelegte Menge Kapazität zu mieten. Der Betreiber erhält damit zugesagten Umsatz, der über die Vertragslaufzeit planbar ist. Im englischsprachigen Raum heißt ein solcher Vertrag Offtake-Vertrag.

Rückzug von Microsoft

Fast zeitgleich wurde bekannt, dass Microsoft sich aus dem Ankervertrag für ein Flaggschiff-Rechenzentrum von Nscale zurückgezogen hat. Ein Ankervertrag ist die Zusage eines ersten Großkunden, auf die ein Bauprojekt aufsetzt. Laut BBC geht es um das Loughton-Projekt in Essex, geplant als größtes britisches KI-Rechenzentrum.

Der Grund liegt im Stromnetz. Die Netzstrom-Lieferung war zum Jahresende erwartet und rutscht nun in die 2030er Jahre. Nscale hält trotzdem an der Bauzusage fest.

Im März hatte Nscale mit Microsoft zudem eine Absichtserklärung über 1,35 Gigawatt KI-Rechenleistung am Monarch-Campus unterzeichnet. Eine solche Erklärung ist eine Vorstufe zum verbindlichen Vertrag. Vorgesehen sind Nvidia-Systeme vom Typ Vera Rubin NVL72, die Auslieferung soll ab Ende 2027 in mehreren Tranchen erfolgen. In seinem Börsenprospekt führt Nscale Microsoft und Anthropic als künftig erwartete Hauptkunden.

Eigener Strom in West Virginia

Für den Monarch-Campus plant Nscale eigene Stromerzeugung. Im März übernahm das Unternehmen American Intelligence & Power und damit das Gelände im Mason County. Dazu gehört das erste staatlich zertifizierte KI-Mikronetz der USA. Ein Mikronetz ist ein lokal begrenztes Stromnetz mit eigener Erzeugung, das unabhängig vom öffentlichen Netz arbeiten kann. Die skalierbare Leistung des Geländes liegt bei über acht Gigawatt.

Hinzu kommt eine Zusammenarbeit mit Caterpillar. Der Konzern soll Erdgas-Generatorensätze vom Typ G3500 in einer Zahl bereitstellen, die für zwei Gigawatt Stromerzeugung reicht. Eingesetzt werden sollen sie bis zum ersten Halbjahr 2028.

Wachstum unter Beobachtung der Anleger

Den vertraglich gebundenen Auftragsbestand beziffert Nscale inzwischen auf rund 92 Milliarden Euro. Den größten Teil davon tragen Microsoft und Anthropic. Im Wettbewerb steht das Unternehmen mit Nebius, Crusoe und Lambda.

Die Stimmung am Kapitalmarkt hat sich zuletzt eingetrübt. Der Wettbewerber CoreWeave verlor in der vergangenen Woche an der Börse. Auslöser waren Bedenken über seine Schuldenlast von rund 45 Milliarden Euro. Der Kursrutsch löste einen weltweiten Kursverfall bei KI-Aktien aus, während Anleger die schuldenfinanzierte Expansion von KI-Infrastruktur schärfer prüfen.

Nach Angaben von Bloomberg forderte eine Investorengruppe nach einer Serie von Kursverlusten bei KI-Unternehmen, das Bewertungsziel für den Börsengang von Anthropic zu senken.

Termine und Optionen am Standort

Für IT-Entscheider, die KI-Rechenleistung bei Anbietern wie Nscale einplanen, zeigt Microsofts Rückzug aus Loughton, dass ein Liefertermin an der Netzanbindung hängen kann.

Anthropic sichert sich in West Virginia bereits weitere Optionen. Nach Angaben der mit den Gesprächen vertrauten Person hält das KI-Labor ein Vorkaufsrecht auf das erwartete dritte Monarch-Gebäude, also das Recht, vor anderen Interessenten zuzugreifen. Die Verhandlungen über das zweite Gebäude laufen noch, Details können sich ändern.

Häufige Fragen

Wie groß ist der Monarch-Campus geplant?

Das Gelände im Mason County umfasst 2.250 Acres und ist als mehrphasiger Standort angelegt. Die ersten Tranchen kommen ab Ende 2027, Phase 1 mit 1,35 Gigawatt soll bis Anfang 2028 vollständig geliefert sein. Die geplante Kapitalinvestition liegt bei mindestens rund 18 Milliarden Euro.

Was bringt der Campus dem Bundesstaat West Virginia?

Erwartet werden jährliche Steuereinnahmen von mindestens rund 71 Millionen Euro für West Virginia. Rund 36 Millionen Euro davon sind für die Schulen im Mason County vorgesehen.

Gibt Nscale das britische Loughton-Projekt auf?

Nach eigener Aussage hält Nscale am Projekt und am Standort Großbritannien fest und prüft alternative Stromquellen. Mit Microsoft will das Unternehmen an Projekten in Norwegen, Portugal und den USA weiterarbeiten.

Bildquelle: KI-generiert (Oktober 2026)

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