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AT&T verklagt Broadcom wegen einer Preiserhöhung von 1.050 Prozent. Ein österreichischer Mittelständler spart nach der Migration zu Proxmox 83 Prozent. Gartner prognostiziert, dass bis 2028 rund 70 Prozent der Enterprise-VMware-Kunden die Hälfte ihrer virtuellen Workloads migrieren werden. Die VMware-Kostenfalle ist kein abstraktes Problem mehr. Sie ist eine konkrete Entscheidung, die IT-Teams in den nächsten zwölf Monaten treffen müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- 📊 AT&T dokumentiert eine VMware-Preiserhöhung von 1.050 Prozent durch Broadcom. Europäische Cloud-Provider berichten von bis zu 1.500 Prozent (The Register, CISPE 2026).
- 🔄 Broadcom hat das Lizenzmodell komplett umgestellt: nur noch Subscriptions, 8.000 SKUs auf 4 reduziert, Perpetual-Lizenzen abgeschafft.
- 🛠️ Proxmox VE wächst auf 1,5 Millionen Hosts und 200.000 Community-Mitglieder. Ein DACH-Unternehmen (CIIT Software, 79 VMs) spart nach der Migration 83 Prozent.
- 📈 Gartner prognostiziert: 70 Prozent der VMware-Enterprise-Kunden migrieren bis 2028 mindestens 50 Prozent ihrer Workloads (Gartner Market Guide 2025). Bis 2028 die Hälfte ihrer Workloads migrieren (Market Guide, November 2025).
- ⚖️ CISPE hat am 19. März 2026 Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom bei der EU-Kommission eingereicht.
Was Broadcom verändert hat
Seit Anfang 2024 hat Broadcom das VMware-Lizenzmodell grundlegend umgebaut. Perpetuelle Lizenzen gibt es nicht mehr. Bestandskunden können bestehende Lizenzen zwar weiter nutzen, aber Support-Verlängerungen (SnS) sind nicht mehr möglich. Das gesamte Portfolio wurde von rund 8.000 SKUs auf vier Kernprodukte reduziert: VMware Cloud Foundation (VCF), vSphere Foundation, vSphere Standard und vSphere Essential Plus.
Für viele Kunden bedeutet diese Konsolidierung eine massive Kostenexplosion. Wer bisher nur einzelne VMware-Komponenten lizenzierte, muss jetzt komplette Bundles kaufen. AT&T dokumentierte in einer Gerichtsakte eine Erhöhung von 1.050 Prozent. Die europäische Cloud-Provider-Vereinigung CISPE berichtet von Steigerungen zwischen 800 und 1.500 Prozent bei ihren Mitgliedern.
Warum jetzt der Migrations-Moment ist
Broadcom-CEO Hock Tan bestreitet die Preiserhöhungen: „The answer is simple: No.” Was Tan meint: Die Bundles enthalten mehr Funktionen als die alten Einzellizenzen. Was Kunden erleben: Sie zahlen für Funktionen, die sie nicht brauchen, und können die alte Konfiguration nicht mehr lizenzieren.
Am 19. März 2026 hat CISPE Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom bei der EU-Kommission eingereicht. Der Auslöser: Broadcom hat im Januar 2026 das VMware Cloud Service Provider Program (VCSP) vollständig beendet. Die meisten europäischen Cloud-Provider wurden damit aus dem Partnerprogramm ausgeschlossen. Das ECCO (European Cloud Competition Observatory) bewertete Broadcoms Praktiken mit dem Status Rot.
Gartner-Analystin Julia Palmer fasste es auf dem IT Symposium im September 2025 zusammen: Der Server-Virtualisierungsmarkt erlebt die bedeutendste Disruption seit Jahrzehnten. Die Prognose: Bis 2028 werden 70 Prozent der Enterprise-VMware-Kunden 50 Prozent ihrer virtuellen Workloads auf Alternativen verschieben.
„Sinngemäß: What have we learnt? We have learnt that some don’t want to pay for some of the great things that are part of our great products.”
Hock Tan, CEO Broadcom, VMware Explore Barcelona (2024)
Die vier Alternativen im Vergleich
Der Markt hat auf die VMware-Krise reagiert. Vier Alternativen haben sich herauskristallisiert, jede mit einem anderen Profil:
Proxmox VE ist die Open-Source-Alternative aus Österreich. 1,5 Millionen installierte Hosts, 200.000 Community-Mitglieder, nativer VMware Import Wizard seit Version 8.1. Co-Founder Martin Maurer schätzt, dass rund 95 Prozent der VMware-Setups einfach konvertiert werden können. Die Kosten reichen von null Euro (Community Edition) bis 10.980 Euro pro Jahr (Premium mit Backup Server). Im DACH-Raum ist Proxmox die meistgenannte Alternative.
Nutanix AHV ist die Enterprise-Alternative. 40 Prozent der Nutanix-Buchungen im Fiskaljahr 2025 waren direkte VMware-Ablösungen. 82 Prozent der Nutanix-Kunden nutzen bereits den AHV-Hypervisor. Im September 2025 kündigte Nutanix eine Azure-Arc-Integration an. Der Nachteil: Nutanix ist selbst ein proprietärer Stack mit eigenen Lock-in-Risiken.
Red Hat OpenShift Virtualization richtet sich an Unternehmen, die Container und VMs auf einer Plattform betreiben wollen. Das neue Produkt OpenShift Virtualization Engine (OVE) ist eine VMware-only-Alternative ohne Container-Overhead. Red Hat verspricht bis zu 77 Prozent TCO-Verbesserung auf AMD-Hardware. Die Kehrseite: Kubernetes-Komplexität ist real, auch wenn Red Hat sie abstrahiert.
Microsoft Azure Local (ehemals Azure Stack HCI) passt für Unternehmen, die bereits tief im Microsoft-Stack arbeiten. Hyper-V als Hypervisor ist ausgereift und in den meisten Windows-Server-Lizenzen enthalten. Für reine Virtualisierung ohne Cloud-Anbindung bleibt Hyper-V eine pragmatische Wahl.
DACH-Praxisbeispiel: CIIT Software migriert 79 VMs
Die CIIT Software GmbH aus Österreich betrieb fast 20 Jahre lang VMware: 148 Cores, 6 Sockets, 79 virtuelle Maschinen. Nach der Broadcom-Übernahme stieg die VMware-Mindestlizenz auf rund 10.548 Euro pro Jahr. Die Alternative Proxmox Basic: 1.770 Euro pro Jahr. Eine Ersparnis von 83 Prozent.
Die Migration dauerte mehrere Monate inklusive Evaluation. Das Team testete zuerst nicht-kritische Workloads, dann produktive Systeme. Laut CIIT war die technische Migration unkomplizierter als erwartet. Die größte Herausforderung: interne Prozesse und Dokumentation anpassen, nicht die Technik.
Für den typischen Mittelstand mit 50 bis 200 VMs schätzen Migrationsberater den Aufwand auf 8 bis 12 Wochen bei strukturierter Planung. Komplexe Enterprise-Umgebungen mit Tausenden VMs benötigen 6 bis 18 Monate.
Entscheidungsmatrix: Welche Alternative passt zu wem?
Die richtige Wahl hängt von drei Faktoren ab: Budget, Teamgröße und Cloud-Strategie.
Proxmox VE passt, wenn das Budget begrenzt ist, das Team Linux-Erfahrung hat und keine Enterprise-Support-SLAs nötig sind. Ideal für den Mittelstand mit 20 bis 200 VMs.
Nutanix AHV passt, wenn Enterprise-Support unverzichtbar ist, das Budget vorhanden ist und eine einheitliche Plattform für Compute, Storage und Networking gewünscht wird. Ideal für Unternehmen mit 200+ VMs und dedizierten IT-Teams.
OpenShift Virtualization passt, wenn Container und VMs auf einer Plattform laufen sollen und Kubernetes-Kompetenz vorhanden oder geplant ist. Ideal für Cloud-native Teams, die VMware-Legacy-VMs schrittweise migrieren.
Azure Local / Hyper-V passt, wenn bereits Microsoft-Lizenzen vorhanden sind und die hybride Cloud-Anbindung an Azure strategisch gewünscht ist. Geringster Umstellungsaufwand für Microsoft-Shops.
Checkliste: 5 Schritte zur VMware-Exit-Strategie
- Vertragslage klären: Wann läuft der aktuelle VMware-Vertrag aus? Welche Konditionen bietet Broadcom für die Verlängerung? Achtung: 20 Prozent Aufschlag bei verspäteter Verlängerung.
- Workload-Inventar erstellen: Welche VMs laufen, welche sind kritisch, welche könnten konsolidiert oder abgeschaltet werden? Tools wie RVTools oder vRealize liefern die Bestandsaufnahme.
- Pilot mit 10 bis 20 VMs: Eine nicht-kritische Umgebung auf die Zielalternative migrieren. Proxmox bietet einen nativen VMware Import Wizard. Nutanix hat Move, Red Hat hat MTV.
- TCO über 3 Jahre rechnen: Nicht nur Lizenzkosten, sondern auch Schulung, Migration, Support und etwaige Hardware-Anforderungen (Nutanix-Appliances vs. Standard-Server).
- Migrationszeitplan mit Puffer: 8 bis 12 Wochen für den Mittelstand, 6+ Monate für Enterprise. Nicht unter Zeitdruck entscheiden, aber auch nicht warten bis der Broadcom-Vertrag ausläuft.
Conclusion: The question is not whether, but when
The VMware cost trap is real, well-documented, and affects businesses of all sizes. Broadcom is optimizing for margin, not customer retention. The alternatives are more mature than they were two years ago: Proxmox for mid-sized companies, Nutanix for enterprise, OpenShift for cloud-native teams. The only mistake IT leaders can make now is inaction-hoping the next contract renewal will be cheaper. The numbers suggest exactly the opposite.
Frequently Asked Questions
Wie hoch sind die VMware-Preiserhöhungen durch Broadcom wirklich?
Dokumentierte Fälle reichen von 150 Prozent bis 1.500 Prozent. AT&T klagte wegen einer Erhöhung von 1.050 Prozent (Gerichtsakte). Die europäische CISPE berichtet von 800 bis 1.500 Prozent bei Cloud-Providern. Typisch für mittelständische Kunden: 300 bis 600 Prozent bei Vertragserneuerung.
Kann ich bestehende VMware-Lizenzen weiter nutzen?
Perpetuelle Lizenzen bleiben technisch gültig, aber Support-Verlängerungen sind nicht mehr möglich. Ohne Support gibt es keine Sicherheitspatches und keine Kompatibilitätsgarantien. Praktisch zwingt das zur Migration oder zur Subscription-Umstellung.
Wie lange dauert eine VMware-zu-Proxmox-Migration?
Für mittelständische Umgebungen (50 bis 200 VMs): 8 bis 12 Wochen bei strukturierter Planung. Proxmox VE 8.1 bietet einen nativen VMware Import Wizard. CIIT Software (79 VMs) benötigte mehrere Monate inklusive Evaluation. Enterprise-Umgebungen mit Tausenden VMs: 6 bis 18 Monate.
Ist Proxmox für den Enterprise-Einsatz geeignet?
Proxmox VE wird auf 1,5 Millionen Hosts eingesetzt und bietet Enterprise-Support-Subscriptions. Die Einschränkung: Kein dediziertes Sales-Team, kein Consulting, keine Hardware-Bundles. Wer Enterprise-SLAs und einen Ansprechpartner braucht, sollte Nutanix AHV evaluieren.
Was passiert mit VMware-Partnern und Resellern in Deutschland?
Broadcom hat das Partnerprogramm auf Einladungsbasis umgestellt. Viele MSPs und kleinere Reseller wurden ausgeschlossen. Im Januar 2026 wurde das VCSP-Programm vollständig beendet. CISPE hat daraufhin am 19. März 2026 Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Die großen Systemhäuser (Bechtle, Computacenter) bleiben Partner, haben aber begrenzten Spielraum bei Preisverhandlungen.
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