8 Oktober 2024

2 Min. Lesezeit

Anders als Deutschland setzen viele Länder immer noch auf Kernenergie, so auch die USA. Eine der größten amerikanischen Anlagen soll bald zu 100 Prozent den Strom für ein in Pennsylvania geplantes Rechenzentrum von Amazon Web Services liefern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Amazon kauft 960-Megawatt-Data-Center-Campus in Pennsylvania für 650 Mio. Dollar von Talen Energy.
  • AWS bezieht ab 2024 Strom aus dem 2,5-Gigawatt-Kernkraftwerk Susquehanna zu Fixpreisen.
  • Vier Umspannwerke sollen bis Ende 2024 errichtet werden, je 120 Megawatt Leistung.
  • AWS verpflichtet sich, jährlich mehr Strom abzunehmen, bis maximal 480 Megawatt erreicht sind.
  • Talen Energy betreibt das Atomkraftwerk weiter, das sechstgrößte der USA.

Ohne den Käufer zu benennen, hat der amerikanische Kraftwerkbetreiber Talen Energy Anfang März 2024 den Verkauf eines Cumulus genannten „Zero-Carbon Data Center Campus“ im Norden des US-Bundesstaats Pennsylvania an einen großen Cloud-Service-Provider bekanntgegeben. Dabei handelt es sich um eine 960-Megawatt-Anlage, und gekauft hat sie Amazon beziehungsweise Amazon Web Services (AWS) für 650 Millionen Dollar.

Der Hyperscaler plant dort mit voraussichtlicher Fertigstellung bis Ende des Jahres, vier Umspannwerken für 100 Prozent Strom aus dem nahegelegenen Kernkraftwerk Susquehanna (am gleichnamigen Fluss) mit einer Gesamtleistung von 2,5 Gigawatt in Betrieb zu nehmen. AWS verfllgt damit auch das Ziel, COeinzusparen. Das Atomkraftwerk selbst, das Wasserdampf in Strom umwandelt, wird weiterhin von Talen Energy betrieben und ist das sechstgrößte in den USA. Noch in diesem Jahr soll es 240 Megawatt, entsprechend einem Umspannwerk, an Strom für das AWS-Rechenzentrum liefern.

Kernenergie als CO2-neutrale Alternative

Wie Talen Energy mitteilte, soll Amazon den Strom zum Fixpreis bekommen. AWS hat sich laut Futurezone vertraglich verpflichtet, zunächst eine Mindestmenge an Strom abzunehmen, die dann in 120-MW-Schritten jährlich steigen soll. Einmalig kann AWS die Abnahmemenge auf 480 MW deckeln und zweimal den Vertrag um weitere zehn Jahre verlängern.

Wie Futurezone berichtete, ist Amazon nicht das einzige Unternehmen, das auf Kernkraft setzt, um weniger CO2 zu produzieren. Microsoft soll zum Beispiel an der Entwicklung eines Mini-Atomkraftwerkes für seine Rechenzentren arbeiten. Nach verschiedenen Reaktorunfällen haben die USA das Engagement für die Errichtung neuer großer Atomkraftwerke stark zurückgefahren. Die Bauvorhaben konzentrieren sich heute mehr auf solche Minikraftwerken, die viele Befürworter als Zukunft der Kernenergie sehen.

Kritiker befürchten aber, dass mit den kleinen AKWs noch weniger Sicherheitsstandards eingehalten werden, von dem weiter bestehenden Problem der Endlagerung und Entsorgung ganz abgesehen. Dabei sollen schnellere und kleinere Reaktoren der Generation IV sauberer arbeiten und weniger hochradioaktiven Müll produzieren. Auch in Deutschland mehren sich dadurch die Stimmen, alternativ zu den alternativen Energie wieder zur Kernkraft zurückzukehren.

Häufige Fragen

Welches Unternehmen hat den Zero-Carbon-Data-Center-Campus gekauft?

Amazon Web Services (AWS) hat den 960-Megawatt-Campus von Talen Energy erworben.

Wo befindet sich das Atomkraftwerk, das AWS mit Strom versorgt?

Das Atomkraftwerk Susquehanna liegt im Norden von Pennsylvania am gleichnamigen Fluss und wird weiterhin von Talen Energy betrieben.

Wie viel Strom wird das AWS-Rechenzentrum zunächst erhalten?

Noch in diesem Jahr sollen 240 Megawatt, entsprechend zwei Umspannwerken, an das AWS-Rechenzentrum geliefert werden.

Welche vertraglichen Vereinbarungen trifft AWS bezüglich des Strombezugs?

AWS nimmt zunächst eine Mindestmenge ab, die jährlich in 120-MW-Schritten steigt, mit einer Obergrenze von 480 MW und Verlängerungsoptionen um je zehn Jahre.

Warum setzen Unternehmen wie AWS und Microsoft auf Kernkraft?

Sie nutzen CO₂-neutrale Kernenergie, um ihre Rechenzentren klimafreundlicher zu betreiben und Klimaziele zu erreichen.

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Quelle Titelbild: Unsplash / Viktor Kiryanov

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