KI-Bremse: Amazon und die Regulierung von KI-Systemen
Amazon stoppt KI-Rechenzentrumsprojekte – Strommangel, Unsicherheit und schwache KI-Nachfrage sind die Gründe.
Nach Microsoft hat nun auch Amazon Kooperationsverhandlungen für den Bau neuer KI-Rechenzentren gestoppt. Die Frage, ob der KI-Hype seinem Ende entgegengeht, wird damit immer drängender. Doch auch die Handelspolitik der US-Regierung spielt wohl eine Rolle.
Das Wichtigste in Kürze
- Amazon legt Infrastrukturprojekte für neue KI-Rechenzentren vorerst auf Eis, besonders in Europa.
- Bestehende Amazon-Rechenzentren verbrauchen neun Gigawatt – Strombedarf wie 6,5 Mio. deutsche Haushalte.
- Microsoft zieht sich ebenfalls aus KI-Projekten zurück, da wirtschaftliche Effekte hinter Erwartungen bleiben.
- Stromnetze stoßen an Grenzen, was Ausbau moderner KI-Rechenzentren massiv behindert.
- Handelskonflikte und Produktionsabhängigkeit von China und Taiwan bremsen KI-Investitionen weiter.
Im deutschen Fernsehen läuft gerade die Werbung für KI-PCs eines führenden internationalen Anbieters. Diese sollen sich besonders für den B2B-Einsatz eignen und den Vorteil haben, KI-Aufgaben besser und schneller zu bewältigen als mit einem herkömmlichen PC.
Erst hat Microsoft vorübergehend zumindest die Reißleine gezogen, nun folgt auch Amazon. Zumindest hat die Cloud-Sparte Amazon Web Services Verhandlungen über internationale Infrastrukturprojekte für neue KI-Rechenzentren auf Eis gelegt, wie zwei Finanzinstitute und mehre Magazine berichten. Die US-Banken Wells Fargo und TD Cowen berufen sich dabei auf eine Meldung des Online-Magazins Gizmodo. Demnach sind vor allem viele europäische Infrastrukturprojekte dem Rotstift unterworfen.
Stromhunger von 6,5 Millionen Haushalten
Amazons bestehende Rechenzentren haben laut Wells Fargo eine gesamte Stromkapazität von neun Gigawatt, womit sich in Deutschland laut t3n rund 6,5 Millionen Haushalte versorgen ließen. So wie bei Microsoft sollte der weitere Ausbau der Rechenkapazitäten viel über Co-Location-Projekte mit anderen Unternehmen laufen, bei denen man sich die Kosten für Strom, Kühlung und Infrastruktur teilt.
Die jetzige Zurückhaltung vonseiten Amazon ist für Analyst:innen ein weiterer Hinweis für die sinkende Nachfrage nach KI-Rechenleistung. Denn viele Unternehmen tun sich immer noch schwer, künstliche Intelligenz gewinnbringend zu vermarkten oder in ihre eigenen Prozesse zu integrieren. Eine starke Bremswirkung entfaltet auch, dass die bestehenden Stromnetze meist gar nicht mit dem stark wachsenden Energiebedarf moderner Rechenzentren Schritt halten können und damit überfordert sind. Auch Microsoft hat erst vor wenigen Wochen damit überrascht, sich aus mehreren Großprojekten zurückzuziehen, so etwa in Großbritannien, Indonesien und Australien, aber auch in Ohio und das trotz angekündigter Steuererleichterungen.
Microsoft CEO Satya Nadella hatte das damit erklärt, dass die wirtschaftlichen Effekte von KI hinter den Erwartungen zurückblieben. Unterdessen halten aber die Konkurrenzunternehmen Meta sowie die Musk-Tochter xAI an ihren Ausbauplänen weiter fest.
Handelskrieg entfaltet zusätzliche Bremswirkung
Hauptleidtragender der auf Eis gelegten Ausbaupläne für KI-Rechenzentren ist der Grafikchiphersteller Nvidia, dessen Aktie nach dem Höhenflug 2024 in Folge des DeepSeek-Schocks ohnehin einen deutlichen Dämpfer bekommen hat. Viele der Chips und anderen Hauptleiterprodukte werden in China und Taiwan produziert. Analyst:innen warnen bereits, dass der US-Handelsstreit mit dem bevölkerungsreichsten Konkurrenten und anderen Teilen der Welt zu einer globalen Rezession führen und KI-Investitionen weiter ausbremsen könnten.
Wie sehr sich diese Entwicklung auch auf Amazon und die KI-Ausbaupläne des Konzerns auswirkt, das wird sich am 1. Mai zeigen. Dann werden die aktuellen Quartalszahlen bekanntgegeben. An der Börse hat die Aktie seit Jahresbeginn schon rund 24 Prozent des Wertes verloren. Ein Trend, den auch viele andere Tech-Unternehmen derzeit zu spüren bekommen.
Häufige Fragen
Warum legt Amazon neue KI-Rechenzentren vorerst auf Eis?
Amazon stoppt Verhandlungen über internationale Infrastrukturprojekte, da die Nachfrage nach KI-Rechenleistung sinkt. Auch Überlastung der Stromnetze und wirtschaftliche Unsicherheiten spielen eine Rolle.
Wie hoch ist der Stromverbrauch von Amazons bestehenden Rechenzentren?
Amazons Rechenzentren haben eine Gesamtstromkapazität von neun Gigawatt. Das entspricht dem durchschnittlichen Bedarf von rund 6,5 Millionen deutschen Haushalten.
Welche Rolle spielen Co-Location-Projekte beim Ausbau von KI-Rechenzentren?
Co-Location-Projekte ermöglichen die gemeinsame Nutzung von Strom, Kühlung und Infrastruktur. Sie sollen Kosten teilen und den Ausbau trotz begrenzter Ressourcen vorantreiben.
Warum bremsen bestehende Stromnetze den Ausbau von KI-Rechenzentren?
Moderne KI-Rechenzentren verbrauchen so viel Strom wie Großstädte. Viele Netze können diesen Bedarf nicht mehr sicher bereitstellen und sind daher überfordert.
Wie wirken sich Handelskonflikte auf KI-Investitionen aus?
Der US-Handelsstreit mit China und anderen Ländern gefährdet die Produktion von KI-Chips in China und Taiwan. Analysten warnen vor einer globalen Rezession und weiteren Investitionsstopp.
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Quelle Titelbild: Unsplash / Igor Omilaev

