11 Juni 2025

2 Min. Lesezeit

KI-Rechenzentren brauchen so viel Energie, dass die in Deutschland schon begrabene Kernkraft in den USA ein großes Revival erlebt. Auch Google lässt dort aktuell neue Atomkraftwerke entwickeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Google plant drei kleine Atomkraftwerke mit je 600 Megawatt für KI-Rechenzentren in den USA.
  • Die ersten SMR-Reaktoren sollen 2030 in Betrieb gehen, weitere bis 2035.
  • Google kooperiert mit Kairos Power und dem Neustart-Unternehmen Elementl Power.
  • SMRs gelten als skalierbar, emissionsfrei und sicherer als traditionelle Atomkraftwerke.
  • Der Energiebedarf von KI treibt Hyperscaler dazu, auf Atomstrom statt Erneuerbare zu setzen.

Die Rückkehr zur Atomenergie findet auch in Deutschland wieder neue Anhänger, weil sie relativ emissionsfrei den wachsenden Stromhunger von E-Autos und künstlicher Intelligenz stillen könnte. Die Kosten-Nutzen-Rechnung steht abgesehen vom Thema Sicherheit und der immer noch nicht gelösten Entsorgung auf einem anderen Blatt. Neubauprojekte wie Hinkley Point C in Großbritannien verschlingen bis zu 50 Milliarden Euro und mehr.

Der Trend geht zu kleineren AKWs

Davon lässt man sich in den USA weniger abschrecken. Der Trend geht in Richtung Mini-Atomkraftwerke mit kleineren Reaktoren, sogenannten SMRs, wie sie unter anderem die Alphabet-Tochter Google und andere Hyperscaler im Visier haben.

Künstliche Intelligenz verbraucht enorme Energiemengen. Google setzt deshalb in den USA auf kompakte Atomkraftwerke (SMRs) – skalierbar, emissionsfrei, zukunftsfähig. (Bildquelle: Unsplash / Paul Hanaoka)

Google hat laut Tagesschau Mitte Oktober 2024 einen Vertrag mit Kairos Power für den Bau solcher kleinen modularen Atom-Reaktoren unterzeichnet. Das erste davon soll 2030 in Betrieb gehen, weitere Anlagen bis 2035, wie der Google-Manager Micheal Terrell der Financial Times gegenüber sagte. Das ist aber noch nicht alles, denn wie von Heise berichtet, hat Google jetzt auch eine Vereinbarung mit dem amerikanischen Spezialisten Elementl Power geschlossen. Der Plan sieht dem Vernehmen nach die Entwicklung von „drei fortschrittlichen Kernkraftwerken für RZ-nahe Standorte in den USA“ vor. Der Suchmaschinenriese will so dem wachsenden Energiebedarf der eigenen KI-Rechenzentren Rechnung tragen.

Die drei AKWs sollen gemäß der gemeinsamen Erklärung der beiden Unternehmen jeweils eine Leistung von 600 Megawatt haben und über die neuesten Reaktoren verfügen. Das nötige Kapital will Google in der ersten Phase bereitstellen, womit vor allem Kosten für die Entwicklung, die Standortgenehmigungen, die Netzanschlussrechte und der Vertragsarbeiten abgedeckt sein sollen.

 

Atom- vor erneuerbarer Energie

Über die genauen Standorte hüllen sie die beiden Vertragspartner noch in Schweigen. Amanda Peterson Corio, Googles Global Head of Data Center Energy, sagte lediglich, dass die geplanten Kraftwerke die „Stromnetze an unseren Standorten stärken“ sollen. Was den Vertrag mit Elementl Power weniger sicher erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass das erst 2022 in North Carolina gegründete Unternehmen noch kein solches Projekt umgesetzt und auch noch kein Atomkraftwerk gebaut hat.

Wie Heise weiter berichtet, ist der Energiebedarf für KI-Anwendungen so groß, dass in den USA bis 2027 möglicherweise 50 Gigawatt an neuer Energie nötig werden und Unternehmen wie Amazon, welches mit seinem Cloud-Riesen AWS ebenfalls Atom-Pläne verfolgt, die Facebook-Mutter Meta, Microsoft und Google daher nach neuen Wegen suchen, den Bedarf zu decken.

Dabei kommt es ihnen auch darauf an, den öffentlichen Stromnetzen keine Energie zu entziehen und emissionsfreie Energiequellen zu erschließen, wobei Atomkraftwerke wegen der größeren Versorgungssicherheit den Vorrang haben sollen.

Häufige Fragen

Warum setzt Google auf Atomkraft statt erneuerbare Energien?

Google bevorzugt Atomkraft wegen der höheren Versorgungssicherheit und dem hohen, kontinuierlichen Energiebedarf seiner KI-Rechenzentren. Erneuerbare Energien gelten als zu schwankend für diesen Bedarf.

Welche Leistung sollen die geplanten Atomkraftwerke haben?

Jedes der drei geplanten Kernkraftwerke soll eine Leistung von 600 Megawatt erreichen. Sie basieren auf modernen, kleinen modularen Reaktoren (SMRs).

Mit welchen Unternehmen kooperiert Google für seine Atomkraftpläne?

Google arbeitet mit Kairos Power und dem 2022 gegründeten Unternehmen Elementl Power zusammen. Beide spezialisieren sich auf kleine modulare Reaktoren (SMRs).

Wann sollen die ersten SMRs von Google in Betrieb gehen?

Das erste SMR-Projekt soll 2030 in Betrieb gehen, weitere Anlagen bis 2035. Die genauen Standorte wurden bisher nicht bekannt gegeben.

Warum sind SMRs für Google besonders attraktiv?

SMRs sind skalierbar, emissionsfrei und können näher an Rechenzentren gebaut werden. Sie versprechen eine stabile Energieversorgung ohne Belastung der öffentlichen Netze.

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Quelle Titelbild: Unsplash / Lukáš Lehotský

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